Sichere Kinderreisen und Feriencamps: Was sollten Eltern bei der Auswahl beachten?

Sichere Kinderreisen und Feriencamps: Was sollten Eltern bei der Auswahl beachten?

Ende Mai erfahren entsetzte Eltern von einem wegen Kindesmissbrauch vorbestraften Mann, der im österreichischen Alpenverein mehrtägige Feriencamps für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren organisiert. Dieser Fall sorgt für Aufsehen und eröffnet in Österreich neue Debatten über Gesetzeslücken im Zusammenhang mit Missbrauchstaten, getilgten Vorstrafen und beruflicher Zulassung.

Die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Feriencamp-Betreiber ist zwar beendet, doch bleibt bei den Eltern ein Gefühl der Hilflosigkeit, Unsicherheit und Angst um ihre Kinder. Sollten Eltern und ihre Schützlinge sicherheitshalber die Finger von Kinderreisen und Feriencamps lassen? Gibt es überhaupt noch vertrauenswürdige Anbieter? Auf welche Auswahlkriterien für sichere Kinderreisen kommt es an, um Kindern unvergessliche Ferienerlebnisse in einem Camp zu ermöglichen?

Sichere Kinderreisen und Feriencamps

Kriterien für die Auswahl von sicheren Kinderreisen und Feriencamps

Wenn Eltern ihre Sprösslinge in einem Ferienlager anmelden, wünschen sie sich eine sichere und kompetente Betreuung in einem geschützten, altersentsprechenden Rahmen. Genau deshalb gilt es, auf einige wichtige Kriterien genauer zu achten und das Reiseziel nach diesen auszuwählen.

Eine ausgiebige Recherche über den Veranstalter ist die Grundlage für die
Auswahl der Reise. Hierbei ist die Erfahrung des Veranstalters von großer Bedeutung sowie die Bewertungen und Erfahrungsberichte von Teilnehmenden. Umfassende Informationen zum Ferienprogramm sind wichtig. Das Programm sollte altersgerecht, abwechslungsreich und individuell gewählt werden. Die Abläufe sind für die Eltern im Idealfall transparent und detailliert dargestellt.

Für eine sichere und einwandfreie Betreuung sind in erster Linie die Qualifikationen der Betreuer von Bedeutung. Diese sollten nachweisbar fachlich qualifiziert sein und Erfahrung in der Betreuung von Kindern haben. Der Betreuungsschlüssel sollte so gewählt werden, dass die Anzahl der betreuenden Kräfte und die Gruppengröße entsprechend angepasst sind, sodass die Betreuer jederzeit den Überblick und die Kontrolle über ihre Gruppe behalten können. Der Betreuungsschlüssel sollte somit auf keinen Fall größer als 1:10 sein.

Für die An- und Abreise sowie für die Fahrten im Rahmen des Aufenthalts ist auf die ausreichende Begleitung sowie auf sichere und qualitätsgeprüfte Verkehrsmittel zu achten.

Die Unterkunft sollte kindgerecht eingerichtet und das Gelände entsprechend gesichert sein. Am besten bietet der Veranstalter eine genaue Beschreibung mit Bildern an. Noch besser ist es, wenn sich Eltern die Unterkunft persönlich anschauen können.

Unbedingt zu berücksichtigen ist eine gute Erreichbarkeit der Betreuer und des eigenen Kindes für die Eltern unter einer direkten Durchwahl, keinesfalls einer allgemeinen Hotline. Der Veranstalter sollte auch über ein Notfallkonzept verfügen, um in Krisensituationen schnell und wirksam handeln zu können.

Präventive Schutzmaßnahmen für die Ferienreise durch Eltern und das Sicher-Stark-Team

Nicht zu vergessen ist, dass Eltern ihre Kinder auf die Reise ausreichend vorbereiten und sie über mögliche Risiken und Gefahren aufklären sollten. Neben Unfallverhütungsregeln sprechen sie über das Verhalten in der eigenen Gruppe und außerhalb der Unterkunft sowie über den Umgang mit Fremden. Sicherlich ist es mit einem Aufklärungsgespräch nicht getan, denn es spielen viele Faktoren für die Sicherheit der Kinder eine Rolle. Die präventive Arbeit beginnt viel früher als unmittelbar vor der eigentlichen Reise. Eltern sorgen im Idealfall kontinuierlich seit dem Kleinkindalter dafür, dass ihre Kinder die wichtigsten Regeln für die eigene Sicherheit lernen und immer wieder üben.

Eine große Hilfestellung für Eltern können hierbei insbesondere die Wohnzimmerkurse der Sicher-Stark-Initiative geben. Erfahrene Präventionsexperten und Trainer schulen Eltern und Kinder in kleinen Gruppen im privaten Umfeld in Sachen Kindersicherheit und Selbstbehauptung. Zu den Schulungsinhalten zählen vor allem die Gefahrenerkennung und -vermeidung, praktische Übungen zum Thema Selbstbehauptung und Selbstverteidigung sowie konfliktlösende und realitätsnahe Rollenspiele mit allen Teilnehmenden. Kinder sind nach dieser Schulung bestens informiert, motiviert, in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt und auf kritische Situationen sehr gut vorbereitet.

Stadt Voerde – unterstützt Sicher-Stark-Kurse für sichere und starke Kinder

Stadt Voerde – unterstützt Sicher-Stark-Kurse für sichere und starke Kinder

Die besten Tipps, um Kinder zu schützen!

Die Präventionsexperten von Sicher-Stark sind wieder in Voerde im Zeitraum vom 25.07 bis 26.07.2022. Im Ferienprogramm werden alle Kinder und Eltern vom führenden Gewaltpräventionsexperten an Grundschulen Ralf Schmitz geschult. Ralf Schmitz verfügt über langjährige Trainingserfahrung mit GSG9 und Sondereinsatzkommando der Polizei, war Trainer im Deutschen Bundestag und setzt sich seit über 25 Jahren für den Kinderschutz in Deutschland ein.

Die Stadt Voerde möchte die Sicherheit der Kinder in der Region noch weiter erhöhen, um mögliche Übergriffe und Missbrauchsfälle zu vermeiden. Sie hat diesmal einen Referenten eingeladen, der eine hochkarätige Koryphäe auf seinem Gebiet ist und Kinder, Lehrkräfte und Eltern deutschlandweit seit Jahren begeistert.

Auf der Internetseite von Sicher-Stark werden nicht nur Sicher-Stark-Kurse zum Kinderschutz angeboten, sondern auch Fachkräfte-Fortbildungen, Vorträge, Internethacking und Sicherheits-WEBinare. Am bundesweiten Präventionsprojekt konnten bereits über 500.000 Kinder und Eltern teilnehmen, mit beachtlichen Erfolgen. Das Präventionskonzept wurde von Pädagogen, Psychologen, Therapeuten, Ärzten und Polizeibeamten entwickelt.

Prominente und Politiker haben die Arbeit vom Sicher-Stark-Team bereits deutschlandweit unterstützt.

Sichere und starke Kinder in Voerde

Sichere und starke Kinder in Voerde

Sicher-Stark-Kurse zur Selbstbehauptung an Grundschulen und Kitas

Sicher-Stark ist Programm und macht Kinder sicher und stark, um so vor gewaltsamen Übergriffen und sexuellem Missbrauch zu schützen.

Kinder müssen frühzeitig lernen, ihre eigenen Bedürfnisse mitzuteilen und auch das „Nein“-Sagen muss geübt werden. Es muss ein Respekt einflößendes und selbstbewusstes Nein werden, das die Kinder in der Ferienprojektwoche lernen werden. In diesen speziellen Selbstbehauptungskursen erfahren Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis zehn Jahren, wie sie sich in kritischen Situationen richtig verhalten sollen. Neben ausgesuchten kindgerechten Selbstverteidigungstechniken bilden Rollenspiele und Übungen den Schwerpunkt der Kurse.

Nein“ sagen kann man lernen!

Wer sich an Minderjährigen vergreifen will, sucht sich zumeist Kinder aus, die schüchtern und ängstlich wirken und sich vor allem Erwachsenen gegenüber ohne Widerspruch unterordnen.

Die Kurse für Kinder können nur dann erfolgreich sein, wenn parallel zu den Kursen im Elternhaus eine präventive Erziehung stattfindet. Hierzu macht es Sinn, dass die Eltern auch bei den Sicher-Stark-Veranstaltungen anwesend sind, um Tipps und Tricks vom führenden Gewaltpräventionsexperten Schmitz zu erhalten.

Die Stadt Voerde bietet den Eltern seit Jahren auch regionale Angebote an. In diesem Jahr können die Eltern ihre Kinder zusätzlich von einem hochkarätigen Experten schulen lassen.

„Wir haben uns genau deshalb das Sicher-Stark-Team als Partner ausgesucht, um die besondere Mischung des Programms an zwei Projekttagen durchzuführen. Die Stadt Voerde führt dieses Präventionsprojekt jetzt nun schon zum zweiten Mal durch“, erzählt die Kinderschutzfachkraft Astrid Weiß.

Auch Astrid Weiß, Kinderschutzfachkraft der Stadt Voerde, ist angetan: „Die Kinder entdecken ihre eigenen Stärken und ihr selbstbewusstes Auftreten schützt sie vor gewaltsamen Übergriffen. Das ist praktische Präventionsarbeit!“

Die Präventionskurse finden in der Sporthalle an der Rönskenstraße statt.

Der Kartenvorverkauf begann am 01.07.2022 bei der Stadt Voerde.

Informationen und Tipps für Eltern, um Kinder vor Gewalt zu schützen, gibt es auf der Homepage der Bundesgeschäftsstelle.

Gewaltpräventionskurs in Voerde

Gewaltpräventionskurs in Voerde

Wir alle wünschen uns eine Welt, in der Kinder unbeschadet und ungehindert friedlich aufwachsen können. Aber leider leben wir nicht in einer solchen Welt. Wir leben in einer Welt, in der Kinder immer noch geschlagen, gemobbt, missbraucht, entführt und sogar getötet werden. Deswegen ist es umso wichtiger, unseren und auch anderen Kindern beizubringen, wie sie sich in einer solchen Welt behaupten und trotz allem ein sicheres Leben führen können. Vor allem, wenn einmal niemand zur Stelle ist, um ihnen zu helfen…

Uns von der Sicher-Stark-Organisation geht es genau darum. Wir wünschen uns, dass Kinder sicher aufwachsen können. Deshalb bieten wir Kindern die Chance, eine innere und äußerliche Stärke zu entwickeln, damit auch sie ihren Teil dazu beitragen können, wenn dies erforderlich ist. Genau das möchte auch die Kinderschutzfachkraft Astrid Weiß aus Voerde.

Auf ihre Initiative hin werden in Voerde am 25. und 26.07.2022 vier Sicher-Stark-Kurse zum Thema Gewaltprävention stattfinden, an denen insgesamt 80 Kinder und 160 Eltern teilnehmen können.

Gewaltpräventionskurs in Voerde

Gewaltpräventionskurs in Voerde

Welche Themen stehen im Gewaltpräventionskurs in Voerde auf der Tagesordnung?

Unter anderem werden folgende Themen behandelt:

  • Erkennen und Vermeidung von Gewalt
  • Konfliktlösungen (sowohl in Auseinandersetzungen mit Fremden als auch Bekannten/Gleichaltrigen)
  • Selbstverteidigungsstrategien
  • Gefahren im Internet

Dies alles wird auf spielerische Art und Weise mithilfe von Rollenspielen vermittelt, sodass die Kinder ohne Angst lernen, wie sie in übergriffigen Alltagssituationen richtig reagieren können. Da die Eltern nicht immer in der Nähe sind, müssen Kinder auch lernen, sich selbst zu verteidigen.

Ralf Schmitz, Präventionsexperte des Sicher-Stark-Teams und bereits deutschlandweit bekannt, wird die Präventionskurse in Voerde leiten. Er hat sich bereits in Zusammenarbeit mit Bundespolitikern für mehr Kinderschutz in Deutschland eingesetzt und verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich Gewaltprävention im Kindesalter.

Wenn Sie Ihr Kind anmelden möchten, setzen Sie sich bitte zeitnah mit der Kinderschutzbeauftragten der Stadt Voerde unter der Telefonnummer 0285580342 in Verbindung.

Allgemeine Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Bundesgeschäftsstelle.

 

Bundeskriminalamt alarmiert – Kindesmissbrauch nimmt zu!

Bundeskriminalamt alarmiert – Kindesmissbrauch nimmt zu!

Die Zahlen des Bundeskriminalamts sind da – und sie sind erschreckend.

Im letzten Jahr 2021 fielen insgesamt 17.700 Kinder sexueller Gewalt zum Opfer, das sind etwa 49 pro Tag. Im Jahr 2020 waren es noch fast 1.000 Kinder weniger gewesen, ca. 16.921. Von den 17.700 Fällen des letzten Jahres sind 2.281 Kinder unter sechs Jahren gewesen.

Noch weitaus gravierender sind die Fälle von Kinderpornografie. Hier stiegen die Zahlen um 108,8 %, von 18.761 auf 39.171 gemeldete Fälle. Auch die Jugendpornografie verzeichnete einen Anstieg von 3.107 im Jahr 2020 auf 5.105 im Jahr 2021. Was auffällt ist, dass sich die Zahl der minderjährigen Täter in diesem Bereich im Vergleich zu 2018 mehr als verzehnfacht hat. 2018 waren es noch 1.373 Täter gewesen, während man im Jahr 2021 14.528 Täter zu verzeichnen hatte.

Kindesmissbrauch

Bundeskriminalamt alarmiert – Kindesmissbrauch nimmt zu!

Kerstin Claus, die amtierende Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, sagte zu den hohen Zahlen der minderjährigen Täter im Bereich der Kinderpornografie, dass diese vor allem aus Unwissenheit so etwas tun würden. Vielen Minderjährigen sei gar nicht bewusst, dass es sich bei derartigen Abbildungen um strafbare Inhalte handelt und dass deswegen Schulen und auch Eltern hier mehr aufklären müssten. Gleichzeitig beklagte sie aber auch, dass sich Europa inzwischen zu einem Drehkreuz für Kinderpornografie entwickelt hätte. Laut dem BKA liegen 60 % der weltweiten Inhalte auf europäischen Servern. Was den Anstieg der Missbrauchsfälle angeht, erklärte Frau Claus, dass man nicht mit Sicherheit sagen könne, ob es sich wirklich um einen Anstieg von Missbrauch oder nur um einen Anstieg der entdeckten Fälle handelte.

Die Deutsche Kinderhilfe nannte die steigenden Zahlen alarmierend und schob den Anstieg darauf, dass es im deutschen Rechtssystem zu viele Hürden und kaum Ermittlungsmöglichkeiten für eine effektive Gegenarbeit gäbe.

Auch die Bundesinnenministerin Nancy Faeser sieht in den Zahlen eine Aufforderung zum dringenden Handlungsbedarf.

Maßnahmen des Sicher-Stark Teams gegen Kindesmissbrauch

Die Bundesgeschäftsstelle „Sicher-Stark Team“ mit Sitz in Euskirchen versucht seit Jahren mit einem bundesweiten Präventionskonzept, welches nur für die Primarstufen in Deutschland entwickelt wurde, zu helfen.

Aber leider kommt die Hilfe oft zu spät, so die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle. Sie bekommen regelmäßig mit, wie Kinder therapiert werden müssen, obwohl man mit Präventionsarbeit an den Grundschulen und Kitas so viel verhindern könnte. Leider fehlt es den Einrichtungen oft an den benötigten Geldern oder Sponsoren.

Regionale, landesweite oder bundesweite Sponsoren und Unterstützer können gern Kontakt mit der Bundesgeschäftsstelle Sicher-Stark Team aufnehmen, um zu helfen. Interessante Sponsoringkonzepte stehen zur Verfügung.

Bitkom Kinder- und Jugendstudie 2022 und Tipps für mehr Sicherheit im Netz

Bitkom Kinder- und Jugendstudie 2022 und Tipps für mehr Sicherheit im Netz

Am 09. Juni 2022 veröffentlichte die Bitkom e.V. die Ergebnisse ihrer Kinder- und Jugendstudie 2022, bei der Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren zu ihrer Mediennutzung befragt wurden.

Demnach nutzen 98 Prozent der jungen Menschen ab 6 Jahren ein Smartphone oder Tablet. 59 Prozent der 10- bis 18-Jährigen können sich ein Leben ohne Internet nicht vorstellen.

Digitale Medien und das Surfen im Internet sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. In Zeiten einer stetig anwachsenden Informationsflut und der Vielfalt von Medienkanälen ist es für Eltern nicht einfach den Überblick zu behalten und ihre Kinder in Sachen Mediennutzung sicher und kompetent aufzuklären.

Tipps für mehr Sicherheit im Netz

Tipps für mehr Sicherheit im Netz

Es existieren verschiedene Informationsquellen, Empfehlungen, Gesetze und Regularien im Zusammenhang mit einer kindgerechten Medien- und Internetnutzung. Und ja, die Eltern sollten sich die Mühe machen und sich die Zeit nehmen, ihre Kinder über eine sichere Nutzung von digitalen Diensten aufzuklären und mit Ihnen über mögliche Grenzen und Gefahren im Netz zu sprechen. Sie tragen die Verantwortung, legen die Familienregeln fest und entscheiden so über ein angemessenes Nutzungsverhalten ihrer Kinder.

Empfohlene Bildschirmzeiten für Kinder

Es ist hilfreich für Eltern sich zunächst über die Nutzungsempfehlungen im jeweiligen Kindesalter zu informieren. Empfehlungen von Klicksafe.de und SCHAU HIN! lauten:

0 bis 2-Jährige: Hier sollten die Eltern auf Bildschirmmedien gänzlich verzichten. In diesem Alter werden durch Bilderbücher, Hörspiele, Lieder und motorische Tätigkeiten alle Sinne der Kinder aktiv entwickelt. Digitale Medien können die soziale und geistige Entwicklung der Kinder erheblich beeinträchtigen, da das kindliche Gehirn sich erst entwickeln muss, um entsprechende Informationen verarbeiten zu können.

2 bis 3-Jährige dürfen 5 bis 10 Minuten am Tag sorgsam ausgewählte, altersgerechte und begleitete Angebote nutzen, wie zum Beispiel Videoanrufe mit Großeltern.

4 bis 6-Jährige dürfen bis zu 30 Minuten pro Tag und nicht unbedingt täglich am Bildschirm verbringen. Frühestens ab 6 Jahren ist für Kinder eine eigene Spielkonsole zu empfehlen.

7 bis 10-Jährige haben maximal 60 Minuten pro Tag freie Bildschirmzeit und nicht unbedingt täglich. Ein eigenes Smartphone empfiehlt sich frühestens ab 9 Jahren.

Bei Kindern ab 10 Jahren wird empfohlen, ein wöchentliches Zeitkontingent von maximal einer Stunde pro Lebensjahr zu vereinbaren. 

Jugendliche ab 12 Jahren nutzen digitale Medien und Dienste weitestgehend eigenständig mit ihren Eltern als Ansprechpartnern. Die Nutzungszeiten sollten jedoch abgesprochen und individuell angepasst werden.

Je älter die Kinder sind, desto wichtiger ist es, dass sie mehr Freiheiten bekommen und selbstständiger werden, indem sie noch vor der Pubertät lernen, ihre Bildschirmzeiten selbst zu organisieren und sich an die Absprachen zu halten.

Tipps für mehr Sicherheit im Netz

Tipps für mehr Sicherheit im Netz

Nutzungsregeln für digitale Medien und Dienste für Kinder

Für Eltern ist es wichtig, dass sie mit ihren Kindern gemeinsam über Nutzungsregeln sprechen, um sicher und geschützt in Internet surfen zu können. Eltern sollten mit Kindern vereinbaren, wie oft und wie lange sie digitale Dienste nutzen dürfen. Sie haben die Möglichkeit einen Medienvertrag abzuschließen, in dem alle Absprachen schriftlich festgehalten und von beiden Seiten unterschrieben werden. Dies sorgt für mehr Verbindlichkeit.

Einen geeigneten Vertrag kann man kostenlos bei der Bundesgeschäftsstelle Sicher-Stark unter Surfvertrag herunterladen. Zudem hat die Bundesgeschäftsstelle einen Leitfaden für Eltern und Fachkräfte entwickelt, der im Sicher-Stark-Shop käuflich erhältlich ist.

Anfangs ist es hilfreich, einen Timer für die Mediennutzung einzustellen oder eine externe Software mit Einstellungen zum Jugendschutz zu benutzen. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) empfiehlt für eine sichere Webnutzung das Jugendschutzprogramm JusProg. Es ist auch wichtig, dass Eltern ihren Kindern gefährliche Daten und Inhalte wie Gewalt, Pornografie, Extremismus oder Cybermobbing altersgerecht erklären.

Im Alltag können zudem gemeinsame Familienregeln helfen, die für alle Familienmitglieder gelten. Kinder benutzen zum Beispiel keine Mobiltelefone im Unterricht oder bei den Hausaufgaben und legen die Geräte 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen weg. Auch bei den gemeinsamen Mahlzeiten verzichten alle Familienmitglieder auf ihre Handys. Ebenso können Familien handyfreie Tage festlegen, die für alle gelten.

Eltern setzen sich am besten für eine ausgeglichene Freizeitgestaltung ihrer Kinder ein. Dabei integrieren sie die Mediennutzung in ihren Alltag, etablieren und fördern aber auch andere Hobbies, Interessen und Aktivitäten bei Kindern, halten Kontakt mit Freunden und sorgen für ausreichend Bewegung. Eltern als größte Vorbilder für ihre Kinder leben ihnen am besten selbst einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien und eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung vor.

Das sollten Kinder noch lernen – Tipps für mehr Sicherheit im Netz:

  • Persönliche Informationen über sich selbst, die Familie, Freunde geben sie niemals online weiter, auch nicht in Chats und geschlossenen Communitys.
  • Sie fragen Eltern, wenn sie etwas herunterladen, online kaufen oder an Gewinnspielen teilnehmen wollen.
  • Internetregeln halten sie zu Hause, in der Schule und bei Freunden ein.
  • Was ihnen seltsam, unpassend vorkommt oder Angst macht, zeigen sie den Eltern.
  • Sie geben vor Freunden nicht mit Sex- oder Gewaltseiten an.
  • Mit virtuellen Freunden treffen sie sich nicht.
  • Ihr Passwort dürfen sie NIEMANDEM! verraten.
  • Sie lassen die Eltern grundsätzlich wissen, was sie im Internet machen.
  • Sie sind freundlich zu anderen Internetnutzern.

Was gibt es für Kinder bei der Nutzung von Social Media zu beachten?

Soziale Netzwerke und Messenger sind nicht für jedes Alter geeignet. Hier kommen Kinder leicht in Kontakt mit Fremden und können auf problematische Inhalte stoßen, wie Hasskommentare, Beleidigungen und Mobbing. Es gibt unterschiedliche Altersbeschränkungen, die jeder Dienstanbieter in seinen Nutzungsbedingungen vorgibt, an die sich Nutzer halten sollten. Folgende Auflistung ergibt sich für die bekanntesten Dienste zum aktuellen Zeitpunkt:

Facebook und WhatsApp: ab 13 J. mit Erlaubnis der Eltern, ab 16 J. frei

TikTok:  ab 13 J. mit Erlaubnis der Eltern

Instagram und Snapchat: ab 13 J.

Youtube: alle Minderjährigen mit Erlaubnis der Eltern, Kinder bis 16 J. dürfen kein Google-Konto anlegen und sich somit auch nicht bei Youtube registrieren

Spotify: ab 16 J. mit Erlaubnis der Eltern, ab 18 J. frei

Tipps für mehr Sicherheit im Netz

Tipps für mehr Sicherheit im Netz

Was sind kindgerechte und empfehlenswerte Internetseiten für Kinder und Eltern?

Für Kinder im Vorschulalter ist ein altersgerechtes Angebot auf intuitiven Seiten ohne Werbeinhalte und mit spielerischen Lerninhalten wichtig. Folgende Seiten sind empfehlenswert:

Die Elefantenseite

KiKANiNCHEN

Unser Sandmännchen

Die Gürbels

Grundschüler und Kinder bis 12 Jahren brauchen bei der medialen Nutzung unbedingt elterliche Begleitung. Anmeldung und Downloads sollten nur Eltern durchführen.

Für Kinder dieser Altersgruppe eignen sich altersgerechte, geprüfte Suchmaschinen und Informationsseiten wie:

Internet-ABC: Lernen über Umgang mit Internet für Kinder von 5-12 Jahren, für Eltern und Lehrkräfte, mit der Möglichkeit einen Surfschein zu machen

Seitenstarke Kinderseiten

Kindersuchmaschine FragFinn

Kindersuchmaschine Blinde Kuh

Videoplattform Juki

Data-Kids: Seite mit Infos für Kinder „Wie schütze ich meine Daten im Internet?“

Für Kinder ab 8 Jahren gibt es folgende geeignete Seiten:

Wissensseite und Suchmaschine Helles Köpfchen

Klick-Tipps: Kinderseite mit verschiedenen Themenvorschlägen für Kinder, Eltern und Multiplikatoren

Allgemeine gefahrenfreie und kindgerechte Mediatheken sind:

KiKA: Inhalte sind in Altersgruppen ab drei, ab sechs und ab zehn Jahren unterteilt.

Neuneinhalb: Nachrichtenmagazin für Kinder

Arte Junior: Nachrichtenmagazin für Kinder

ZDFchen: Sendungen für Kinder bis 6 Jahre

ZDFtivi: aufgezeichnete Sendungen aus dem Kinderprogramm

 

Kinder sicher im Netz mit dem Sicher-Stark-Team

Die Sicher-Stark-Initiative engagiert sich für die Sicherheit von Kindern im Netz und bietet verschiedene Kurse, Webinare und Schulungen zum Thema Medienkompetenz und Internetsicherheit an. Auf der Website der Bundesgeschäftsstelle gibt es viele nützliche Informationen und Tipps für Eltern, Kinder und pädagogische Fachkräfte.

„Schreit so laut ihr könnt!“

Soziale Initiative „Sicher Stark Team“ schult Vorschulkinder in der Wald- und Wiesen-Kita St. Peter Körrenzig e.V. in Linnich, um Gewalt und sexuellem Missbrauch zu begegnen – „Schreit so laut ihr könnt!“

Der Vergewaltiger einer Neunjährigen aus Osnabrück hat gestern gestanden. Er zerrte das Mädchen ins Auto, um es später zu missbrauchen. Wie Kinder sich selbst gegen solche Angriffe schützen können, darüber klärt ein Team aus Pädagogen, Psychologen, Kindertherapeuten und ehemaligen Polizisten auf. „Schreit so laut ihr könnt!“

Linnich „Jetzt schreit ihr, so laut wie ihr könnt!“ Die scheinbar einfache Aufforderung an die Mädchen und Jungen der Kita St. Peter Körrenzig e.V. in Linnich scheitert. Denn laut zu brüllen, das sind Kinder heutzutage offenbar nicht mehr gewöhnt.

Der ehemalige Polizeitrainer Ralf Schmitz weiß längst, dass man das Lautsein erst lernen muss. Also wird trainiert im Bewegungsraum und auf dem Spielplatz der Kita. Man schreit heute nicht mehr „Hilfe“ sondern „Feuer“, denn da werden viel mehr Anwohner auf die Gefahr aufmerksam und können einem Kind helfen, so die Puppe Felix, die mit Begeisterung bei den Kindern ankam und viele wichtige Sicherheitstipps den anwesenden Kindern vermittelte.

Kinder stark machen mit dem Sicher-Stark-Team

Kinder stark machen mit dem Sicher-Stark-Team

„Schreit so laut ihr könnt!“

Beim dem Feuer-Spiel durften die Kinder auf dem Sportplatz rennen und laut brüllen. Einer nach dem anderen der Fünf- bis Sechsjährigen kommt bei diesem Spiel an die Reihe. Und so manches Kind schaut verdutzt, wenn es merkt, welche Lautstärke in ihm steckt.

Schreien ist nur eine Übung, die die Kinder an diesem Vormittag üben. Denn dem „Sicher-Stark-Team“ geht es nicht nur ums Lautsein. „Wir wollen den Kindern zeigen, wie sie sich gegen Gewalt wehren können“, erklärt Dr. phil Bettina Küpper-Latusek.

Die Kinder machen begeistert mit und das über 4 Stunden.

In Rollenspielen wird beispielsweise geübt, wie man sich gegen das Festhalten am Arm am Auto wehrt. Zunächst kommt eine höfliche Aufforderung. „Lass Sie mich bitte los!“, verlangt die zierliche Julia (Name von der Redaktion geändert). Ihr „Täter“, der etwas größere Autofahrer Helmut, reagiert nicht. Nun wird Julia bestimmter. „Lass los“, sagt sie deutlich lauter. Automatisch schauen alle Unbeteiligten auf das Mädchen.

Beim dritten Mal beißt sie einfach den Angreifer in die Hand und reißt energisch ihren Arm los. Die verblüffte Lisa (Name von der Redaktion geändert) steht nur da. „3 bis 20 Sekunden steht der Angreifer unter Schock, wenn eine Reaktion kommt, mit der er absolut nicht rechnet“, weiß der Polizeitrainer Ralf Schmitz zu berichten.

Dies sei eine Chance, zu entkommen und wegzurennen, aber noch besser ist es, sich gar nicht in so eine Situation zu begeben und einfach nach der ersten Frage des Autofahrers wegzugehen und ihn stehenzulassen. Kinder dürfen in solchen Situationen auch mal unhöflich sein.

Die Resonanz auf diese Präventionskurse in Deutschland ist riesig, denn jeden Tag erfahren Kinder Gewalt, werden missbraucht oder gemobbt.  „Ein von Gewalt oder Missbrauch betroffenes Kind muss im Durchschnitt sieben Personen ansprechen, bevor ihm geholfen wird“, bilanziert der Kinderschutzbund.

Kinder stark machen mit dem Sicher-Stark-Team

Kinder stark machen mit dem Sicher-Stark-Team

Die Sicher-Stark-Präventionskurse wurden nur für die Vorschule und Primarstufen in Deutschland entwickelt und werden seit vielen Jahren deutschlandweit umgesetzt. Sie sollen dem Nachwuchs Mut und Stärke geben. Interessierte Fördervereine, Kitas und Grundschulen können sich für neue Lehrgänge bei der Bundesgeschäftsstelle melden. Wie wichtig das Durchspielen bestimmter Situationen ist, beweist Ralf Schmitz auch in Linnich.

Kinder stark machen mit dem Sicher-Stark-Team

Kinder stark machen mit dem Sicher-Stark-Team

Nur wenige Minuten nach Kursbeginn verwickelt er zwei Kinder in ein freundliches Gespräch auf dem Sportplatz. Minuten später ist eines von ihnen bereit, mit dem fremden Mann das Kitagelände zu verlassen. Im Wohngebiet bricht Schmitz das Experiment ab.

Die Eltern erfahren erst am Kursende von dem Vorfall. Und die meisten sind fassungslos. Doch Ralf Schmitz sieht es etwas anders: „Wir haben mit allen Kindern darüber gesprochen und sie haben verstanden, wie sie sich richtig verhalten müssen.“

Stichwort

Das Sicher-Stark-Team

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert schlossen sich Pädagogen, Psychologen, Doktoren, Kindertherapeuten und ehemalige Polizeibeamte zusammen. Ihre Vision: Grundschulkinder erfolgreich vor Gewaltverbrechen und sexuellem Missbrauch zu schützen, indem sie die Jüngsten speziell schulen und ihnen das Verhalten der Täter zeigen. Über 500.000 Kinder nahmen laut der sozialen Initiative schon an den spendenfinanzierten Kursen teil.

TIPPS FÜR ELTERN

Nicht mit Fremden gehen, ist überholt. Das Sicher-Stark-Team, eine soziale Initiative, schult nicht nur Grundschulkinder. Auch Eltern erfahren, wie sie ihren Nachwuchs besser vor Verbrechen schützen können. Einige Tipps:

  • Nein sagen
    Eltern sollten mit ihren Kindern trainieren, Nein zu sagen. Denn jedes zweite Sexualverbrechen wird an einem Kind begangen. Häufig passieren sexuelle Übergriffe im unmittelbaren Umfeld der Familien.
  • Mitfahr-Kennwort
    Ein so genanntes Mitfahr-Kennwort verhindert, dass Kinder ins „falsche“ Auto einsteigen. Nur Personen, die dieses Wort kennen, dürfen die Kinder mitnehmen. Wichtig ist, die Abfrage des Mitfahr-Kennwortes mit dem Kind zu trainieren, damit die Täter die Opfer nicht geschickt danach ausfragen.
  • Angst vor Fremden
    Der alte Spruch „Geh nicht mit Fremden!“ ist eigentlich überholt. Denn oft animieren pädophile Straftäter ihre Opfer nicht sofort, ins Auto zu steigen. Erst findet ein freundliches Gespräch statt (Frage nach dem Weg). Währenddessen erzählen die Kinder, wo sie zum Fußballtraining hingehen und wann sie aus der Schule kommen. Am nächsten Tag kommen die Täter wieder, bringen einen Fußball mit, und irgendwann ist der Fremde aus Sicht des Kindes kein Fremder mehr.
  • Fremde Frauen
    Zwar missbrauchen, statistisch gesehen, meist Männer Kinder, doch auch unbekannte Frauen sind eine Gefahr, wenn sie die Kinder auffordern, mitzugehen. Denn manche Täter arbeiten mit Komplizinnen. Daher auch solche Situationen besprechen.

 

 

Neue EU-Strategie für den Schutz von Kindern im Internet

Neue EU-Strategie für den Schutz von Kindern im Internet

Am 11. Mai 2022 nahm die Europäische Kommission eine neue EU-Strategie zum Schutz und zur Stärkung von Kindern in der Online-Welt an. Sie soll dazu beitragen, dass digitale Dienste barrierefrei, altersgerecht, informativ und sicher angeboten werden. Auch dient sie dazu, Kinder für eine sichere Internetnutzung zu befähigen und somit besser zu schützen.

Die EU-Kommission stellte sie zusammen mit dem Vorschlag für neue EU-Rechtsvorschriften zum Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch vor.

Warum beschließt die Kommission eine neue Strategie?

Die neue Strategie ist als Erweiterung der umfassenden EU-Kinderrechtsstrategie um digitale Aspekte zu verstehen. Die digitale Nutzung von Geräten hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Kinder sind mittlerweile viel besser mit der digitalen Technik vertraut, nutzen häufiger das Internet und sind auch im Social-Media-Umfeld aktiv. Die zuletzt im Jahre 2012 ausgearbeitete Strategie für ein besseres Internet für Kinder war somit nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Sie musste an die heutigen Rahmenbedingungen angepasst und erweitert werden.

Neue EU-Strategie für einen besseren Schutz von Kindern im Internet

Neue EU-Strategie für einen besseren Schutz von Kindern im Internet

Grundsätze und Maßnahmen der Strategie zum Schutz von Kindern im Internet

Die neue Strategie für ein besseres Internet für Kinder stützt sich auf drei Säulen und enthält konkrete Maßnahmen für die Umsetzung:

  • Einführung eines EU-Verhaltenskodex für sichere digitale Erfahrungen im digitalen Umfeld und Ausarbeitung einer EU-Norm für die Online-Altersüberprüfung
  • Organisation von Medienkampagnen in Safer-Internet-Zentren für Kinder, Lehrkräfte und Eltern zur Stärkung von digitalen Kompetenzen im Internet, Bereitstellen von Lernmodulen für Lehrkräfte über das Portal betterinternetforkids.eu
  • Mehr kindgeführte Aktivitäten im digitalen Umfeld schaffen, aktive Beteiligung der Kinder fördern und Möglichkeiten für einen Austausch bieten, zum Beispiel durch Schulungen von Kindern für Kinder

Maßnahmen in Bezug auf die Altersüberprüfung

Nach wie vor ist die Altersüberprüfung im Internet ein großes Problem für eine kindgerechte Internetnutzung. Technische Lösungen sind leider oftmals unwirksam und können leicht umgangen werden. Oft müssen Internetnutzer nur ein Geburtsdatum eingeben oder eine Frage beantworten und bekommen danach einen freien Zugang für kritische Inhalte. Die Kommission will eine neue EU-Norm für die Überprüfung des Alters ausarbeiten und Mitgliedstaaten motivieren, um elektronische Identitätsnachweise für Minderjährige auszustellen.

Die Kommission wird die neue Strategie alle zwei Jahre überprüfen und die Zwischenergebnisse veröffentlichen. Außerdem sollen sich Kinder an der Umsetzung der neuen Strategie aktiv beteiligen, indem auch sie diese Strategie alle zwei Jahre bewerten.

Informationen über unsere Kurse für mehr Sicherheit im Internet gibt es auf der Homepage der Bundesgeschäftsstelle.

Sicher und stark gegen Kindesmissbrauch in Mühlheim

Sicher und stark gegen Kindesmissbrauch in Mühlheim

Mühlheim (KP) „Nein, ich will kein Geschenk.“ Lena schüttelt mit dem Kopf. Der Mann in dem schwarzen Auto möchte von der Siebenjährigen wissen, wo die Lutzstraße in Mühlheim ist. Die Beifahrertür ist offen. Sie solle einsteigen. Er hätte eine Überraschung für sie. Der scheinbar freundliche Mann versucht alles, damit Lena zu ihm in den Wagen steigt – vergebens. Lena lässt sich nicht ködern. Er gibt auf und fährt davon – erstmal. Denn Lena hat einen vielleicht folgenschweren Fehler gemacht. Sie hat ihm verraten, auf welchen Spielplatz sie immer geht. „Sie hat sich im Prinzip richtig verhalten, hat genug Abstand zum Wagen gehalten und ist nicht eingestiegen“, erklärt Ralf Schmitz und nimmt die Sonnenbrille ab, „aber ein möglicher Täter wüsste jetzt, wo Lena zu finden wäre.“

Sicher und stark gegen Kindesmissbrauch

Ralf Schmitz von der „Sicher-stark-Initiative“ demonstriert den Kindern in Mühlheim, wie man sich wehren kann.

Mit Ralf Schmitz sicher und stark gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch

Ralf Schmitz ist einer der führenden Präventionsexperten in Deutschland und seit vielen Jahren bundesweit aktiv für die Sicher-Stark-Initiative, die Kinder in speziellen Präventionskursen schult, damit sie keinem Gewaltverbrechen zum Opfer fallen.

Der ehemalige Polizeitrainer machte am Samstag die Grundschüler und die Vorschulkinder sicher und stark gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch.

„Es ist wichtig, im Vorfeld etwas zu unternehmen. Kinder dürfen der Gewalt nicht hilflos ausgeliefert sein“, erklärt Schmitz. Wie wichtig so eine Präventionsarbeit ist, zeigt der Fall der erst achtjährigen Kardelen aus Paderborn, die im Januar erst missbraucht und dann umgebracht wurde. So ein entsetzliches Verbrechen könne täglich und überall wieder passieren – auch in Mühlheim. Zwei Mädchen der Grundschule seien schon einmal auf ihrem Schulweg von einem Fremden angesprochen und mit Geschenken geködert worden, berichtet Ralf Schmitz, der schon öfters in Mühlheim Kurse geleitet hat.

Oft kämen die Täter auch aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld. In vielen Fällen seien es Verwandte oder Nachbarn. Die Masche sei fast immer gleich. „Sie bauen erst Vertrauen auf und mimen den lieben Onkel. Kinder erkennen die Gefahr meist erst, wenn es zu spät ist“, erklärt Schmitz, der mit dem Expertenteam von Sicher-Stark bundesweit schon über 500 000 Grundschüler aufgeklärt hat.

Die Kinder im Kurs wissen jetzt, wie sie mögliche Gefahren erkennen können. „Wenn mich ein Fremder anspricht, gehe ich einfach weiter und lasse mich auf kein Gespräch ein“, sagt Lena (Name von der Redaktion geändert).

Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland

Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland

Das Statista Report Department der weltweit erfolgreichen deutschen Online-Plattform für statistische Daten veröffentlichte am 13.04.2022 die Anzahl der Opfer von sexuellem Missbrauch von Kindern in Deutschland von 2010 bis 2021.

Insgesamt 17.498 Kinder wurden in Deutschland im Jahr 2021 als Opfer von sexueller Gewalt polizeilich erfasst. Das sind 812 Fälle mehr als im Jahr 2020 und 3091 Fälle mehr als im Jahr 2010. Die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher liegen, da zum einen nicht alle Übergriffe als Straftaten erfasst werden und zum anderen viele Missbrauchsfälle von den Opfern gar nicht gemeldet werden.

Bei Straftaten gemäß § 176 oder § 176a Strafgesetzbuch droht dem Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren. Bei sexuellem Missbrauch mit Todesfolge (§ 176b) droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland

Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland

Die aktuelle Statistik zeigt, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder jedes Jahr zunimmt. 

Die Folgen für die Opfer sind schwerwiegend und beeinflussen oft den gesamten weiteren Lebensverlauf.

Menschen, die in ihrer Kindheit sexuelle Misshandlungen erfahren haben, leiden im späteren Leben häufig an psychischen Beeinträchtigungen. Dazu gehören unter anderem posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Essstörungen, Abhängigkeiten von Alkohol, Drogen und Medikamenten sowie suizidales Verhalten. Missbrauchsopfer haben häufiger Schwierigkeiten in sexuellen Beziehungen. Diese Auswirkungen beeinträchtigen somit den gesundheitlichen Zustand, aber auch persönliche Beziehungen, das Berufsleben und die Mitwirkung im sozialen Umfeld.

Um steigende Missbrauchszahlen einzudämmen und gravierenden Folgen sexueller Gewalt bei Kindern entgegenzuwirken, sind gezielte vorbeugende Maßnahmen enorm wichtig.

Missbrauchsprävention durch das Angebot der Sicher-Stark-Initiative

Das Sicher-Stark-Team setzt sich präventiv für den Schutz von Kindern ein.

Unter dem Motto „Kinder lernen sich zu wehren! Mut tut gut!“ vermitteln hochqualifizierte Fachexpertinnen und -experten Kindern in Intensivkursen vor Ort wichtige Kompetenzen. Kinder werden für Gefahrensituationen sensibilisiert und in ihrem Handeln gestärkt.

Zusammen mit den Kursleitern trainieren sie das Nein-Sagen, führen Stimm- und Schrei-Übungen durch und wachsen über sich hinaus.

Missbrauchsprävention durch das Angebot der Sicher-Stark-Initiative

Missbrauchsprävention durch das Angebot der Sicher-Stark-Initiative

Durch Rollenspiele und nachgestellte Situationen lernen Kinder Verhaltensmuster zu erkennen und sich selbst zu behaupten. Besonders aufschlussreiche Erkenntnisse bieten dabei die mitgefilmten Testsituationen. Die Kurzleiter besprechen sie anschließend und werten sie mit den Kindern gemeinsam aus.

In multidisziplinären Expertenteams wird sowohl aus polizeilichen als auch aus pädagogischen Gesichtspunkten in den deutschlandweit stattfindenden Sicher-Stark-Präventionskursen geschult, was bislang noch einzigartig in Deutschland ist.

„Kinder im Fokus der Prävention“ am 27. Deutschen Präventionstag

„Kinder im Fokus der Prävention“ am 27. Deutschen Präventionstag

In diesem Jahr findet am 04. und 05. Oktober in Hannover der 27. Deutsche Präventionstag (DPT) statt. Der Jahreskongress wird zum ersten Mal ein spezielles Format haben und steht unter dem ganz besonderen Schwerpunktthema „Kinder im Fokus der Prävention“. Der Start des Kongresses begann bereits im März dieses Jahres mit einem wöchentlichen Online-Angebot.

Der Jahreskongress für Kriminalprävention

Als internationaler und größter europäischer Jahreskongress zur Kriminalprävention und angrenzender Präventionsbereiche findet der Deutsche Präventionstag auch 2022 an zwei aufeinander folgenden Tagen statt. Der Kongress soll Verantwortungsträger aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und Partner der Prävention in einem Diskussionsforum für aktuelle Präventionsfragen zusammenbringen.

In Debatten sollen Lösungen und Empfehlungen für die Praxis erarbeiten werden. Zu den Verantwortungsträgern gehören unter anderem Behörden, Gemeinden, Städte, Justiz, Kinder- und Jugendhilfe, Polizei, Bildungseinrichtungen, Verbände und andere.

„Kinder im Fokus der Prävention“ am 27. Deutschen Präventionstag

„Kinder im Fokus der Prävention“ am 27. Deutschen Präventionstag

Der 27. Deutsche Präventionstag möchte untersuchen, welche präventiven Maßnahmen noch für Kinder getroffen werden können und widmet sich somit der Förderung, den Rechten und dem Schutz der Kinder. Als Grundlage für die Debatten dient ein Gutachten zum genannten Schwerpunktthema des Kongresses, erarbeitet von der Hochschule der Polizei und der öffentlichen Verwaltung Nordrhein-Westfalens. Unter anderem geht es dort um Kinder als Betroffene von physischer und psychischer Gewalt, um sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen sowie um die entsprechende Präventionsarbeit.

Online-Programm und Präsenztagung

Das gewohnte Vor-Ort-Programm der beiden Kongresstage, das im kommenden Herbst stattfindet, wird in diesem Jahr durch ein wöchentliches Online-Programm ergänzt. Von März bis November 2022 geht der DPT jeden Mittwoch von 11 bis 12 Uhr auf Sendung und spricht über tagesaktuelle Themen. Es werden verschiedene Online- und praxisorientierte Vorträge gehalten. Anschließend besteht die Möglichkeit, sich mit den Referenten*innen und Teilnehmende online auszutauschen. Im DTP-Foyer können sich alle Kongressteilnehmende das Programm anschauen. Unter DTP-Aktuell werden News und Reportagen aus dem Feld der Prävention im Videoformat öffentlich zur Verfügung gestellt.

Die Sicher-Stark-Initiative leistet Präventionsarbeit für den Schutz von Kindern. Alle aktuellen Projekte und Schulungen können auf der Homepage der Bundesgeschäftsstelle eingesehen werden.