Stiftung Warentest warnt vor Spiele-Apps für Kinder

Als in den Achtziger Jahren die ersten Computer-Spiele für den PC auftauchten, war alles noch ziemlich harmlos. Spiele wie „Monkey Island“ oder „Commander Keen“ kamen ohne Gewalt oder Pornografie aus. Auch konnte man ein einmal gekauftes Spiel komplett spielen.  Mit den heutigen Spiele-Apps für Smartphones hat sich das grundlegend geändert. Spiele-Apps sind ein Milliarden-Geschäft. Dementsprechend ausgefuchst sind die Methoden, die Spielenden bei der Stange zu halten, und Gewinne zu maximieren. Kinder sind da besonders gefährdet.

Die Stiftung Warentest hat sich 16 populäre Spiele-Apps angesehen und stieß auf Amokläufe, Hassbotschaften und Sexszenen. Ihr Urteil: Keine davon ist für Kinder empfehlenswert.

Als Beispiel die App „Roblox“. Eine Figur läuft die Straße entlang, in der Hand ein Maschinengewehr. Sie erschießt eine andere Figur, das Blut spritzt, der Täter lädt nach und knallt noch jemanden ab. Ein Spiel, das ab 12 Jahren freigegeben ist, aber auch problemlos von jüngeren Teilnehmer installiert werden kann. Neben solchen Gewaltexzessen stießen die Tester und Testerinnen auch auf Sexszenen und Hassbotschaften, zum Beispiel durch antisemitische Nutzernamen. Diese Inhalte kamen aber nicht von den jeweiligen App-Entwicklern, sondern von anderen Spielern, weil manche Spiele es ermöglichen, eigene Welten zu erschaffen und Welten mit anderen Spielenden zu teilen. Werden solche Inhalte gemeldet, reagieren die Anbieter oft gar nicht, wie Stiftung Warentest herausfand.

Hinzu kommt, dass viele Apps die Spieler unter Druck setzen, immer weiter zu spielen – und dabei Geld auszugeben. So gebe es zum Beispiel Belohnungen für langes oder tägliches Spielen oder Aufforderungen, zu bestimmten Zeiten zu spielen. Wer sich täglich bei „Brawl Star“ anmeldet, erhält zum Beispiel Geschenke fürs Spiel. Bei „Township“ meldet sich eine traurig dreinblickende Kuh, ob man wirklich aufhören und seine Punkte verlieren wolle.

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Stiftung Warentest warnt vor Spiele-Apps für Kinder

Gleichzeitig setzen einige Apps auf das Prinzip „Warten oder Bezahlen“, so die Stiftung Warentest. Bei der App „Clash of Clans“ zum Beispiel müssen die Spielenden eine bestimmte Zeit lang warten, bis ihr Dorf weiter ausgebaut werden kann. Außer sie helfen mit Edelsteinen nach, die sich mühsam sammeln oder für echtes Geld einfach kaufen lassen. Bei „Candy Crush“ lassen sich neue Leben kaufen, wenn man leider verstorben ist.

15 der 16 getesteten Spiele erhalten deshalb von der Stiftung Warentest das Urteil „inakzeptabel“. Allein „Minecraft“ schneidet noch mit „bedenklich“ ab. Die Stiftung Warentest rät Eltern, mit Kindern über ihre Sorgen und die drohenden Risiken mit Spiele-Apps zu sprechen. Darüber hinaus gibt es aber auch technische Möglichkeiten, Risiken einzudämmen. So lassen sich Käufe in der App verhindern, indem auf dem Smartphone keine Zahlungsdaten hinterlegt werden. Auch dürfen keine Zahlungsdaten zum Beispiel im Google-Play-Store vorhanden sein.

Außerdem lassen sich Bildschirmzeiten einstellen, damit Apps nach einer bestimmten Zeit nicht weiter nutzbar sind. Im App-Store kann dazu eingestellt werden, dass nur Apps mit der passenden Altersfreigabe heruntergeladen werden können. Statt der getesteten besonders populären Spiele empfiehlt die Stiftung Warentest die Suche nach anderen Spielen im „Spieleratgeber NRW“. Dort werden die Spiele auch pädagogisch eingeschätzt.

Auf der Homepage des Sicher-Stark-Teams finden Sie viele zusätzliche Hinweise und Ratschläge, wie Sie Ihr Kind vor für sie ungeeigneten Spielen und Abofallen durch Spiele-Apps schützen können.

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