Sexueller Missbrauch: Wie Eltern ihre Kinder wirklich schützen können

Manche Themen sind so schwierig, dass man schon beim Gedanken daran ins Stocken gerät. Sexueller Missbrauch gehört für viele Eltern dazu. Oftmals bleibt das Thema unausgesprochen, aus Angst, das Kind zu verunsichern oder eigene alte Wunden aufzureißen. Gerade dieses Schweigen birgt jedoch eine große Gefahr.
Die regelmäßig veröffentlichten Zahlen sind erschütternd. Allein im Jahr 2024 wurden in Deutschland über siebzehntausend Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen polizeilich erfasst. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, da viele Taten nicht gemeldet werden. Kerstin Claus, die Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, betont zudem, dass sich das Grundrisiko durch die digitale Welt erheblich erhöht hat.
Wer sich mit diesen Zahlen auseinandersetzt, fragt sich schnell, welche Maßnahmen Eltern ergreifen können. Die positive Nachricht ist, dass Prävention nicht erst mit einem schwierigen Gespräch über Missbrauch beginnt. Sie beginnt viel früher und beiläufiger, im ganz normalen Familienalltag.

Gefühle benennen ist der erste Schritt

Tanja von Bodelschwingh, Leiterin der Nationalen Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt (N.I.N.A.) in Kiel, betont, dass Kinder ernst zu nehmen und sie zu ermutigen, auf ihre eigenen Gefühle zu hören, der beste Schutz vor sexualisierter Gewalt ist. Dies kann bereits im Kita-Alter beginnen, indem Eltern ihren Kindern helfen, Worte für ihre Emotionen zu finden. Wenn Kinder lernen, dass Gefühle wie Traurigkeit oder Wut normal und respektiert sind, entwickeln sie etwas sehr Wichtiges: eine Sprache für das, was sich gut und was sich komisch anfühlt. Nur wer diese Sprache besitzt, kann später auch darüber sprechen, wenn etwas nicht stimmt.

Die korrekte Bezeichnung der eigenen Anatomie ist essenziell. Penis ist Penis, Vulva ist Vulva – ohne Verniedlichungen oder Ausweichmanöver. Ann Kristin Hartz, Diplom Psychologin und Geschäftsführerin des Fachzentrums Sichtbar in Braunschweig, das sich gegen sexualisierte Gewalt einsetzt, betont die Wichtigkeit, dieses Thema offen anzusprechen. Wenn Kinder merken, dass Erwachsene bei solchen Wörtern verlegen reagieren, zögern sie möglicherweise später, über Vorfälle zu sprechen.

Nein heißt Nein, auch beim Kitzeln

Eng verbunden mit dem Thema Gefühle ist das Thema Grenzen. Hier geht es zunächst nicht um Missbrauch, sondern um das grundlegende Miteinander. Hartz erklärt es mit dem Beispiel Kitzeln: Manche Kinder lieben es, andere können es überhaupt nicht aushalten. Beides ist völlig in Ordnung, denn Grenzen sind sehr persönlich und jeder Mensch hat das Recht, dass diese respektiert werden.
Von Bodelschwingh betont, dass Kinder das Recht haben, Nein zu sagen, auch zu Erwachsenen. Dies gilt selbst in alltäglichen Situationen, wie beispielsweise beim Zähneputzen. Natürlich bedeutet dies nicht, dass jedes Nein eines Kindes zu jeder Zeit von den Eltern befolgt werden muss. Vielmehr ist das Aushandeln und gemeinsame Finden von Lösungen ein wichtiger Lernprozess für das Kind.

Die größte Gefahr ist nicht der Fremde im Park

Viele Eltern warnen ihre Kinder vor fremden Erwachsenen. Obwohl diese Warnungen gut gemeint sind, sind sie aus Sicht von Fachleuten wenig hilfreich. Von Bodelschwingh rät ausdrücklich davon ab, Kinder mit pauschalen Warnungen zu verunsichern, da dies zu erhöhter Angst und Schweigen führen kann. Im schlimmsten Fall kann ein Kind nach einem Übergriff sogar glauben, dass es selbst schuld sei, weil es nicht vorsichtig genug war.
Hinzu kommt, dass das Bild vom bösen Fremden schlicht nicht der Realität entspricht. Hartz betont, dass Täter in den allermeisten Fällen aus dem nahen Umfeld wie der Familie oder dem Freundeskreis stammen. Es ist daher entscheidend, Kinder generell für Grenzüberschreitungen zu sensibilisieren, unabhängig davon, ob der Täter fremd ist oder nicht. Kinder müssen wissen, dass sie auch über Dinge sprechen dürfen, die ihnen jemand verboten hat zu erzählen. Hartz unterscheidet hier zwischen guten und schlechten Geheimnissen, eine Unterscheidung, die Kinder kennen sollten.

Was vor Ferienlagern wirklich hilft

Eltern geben ihren Kindern oft eine Liste von Verhaltensregeln mit, wenn diese ins Feriencamp oder zum Training fahren. Hartz rät jedoch davon ab und empfiehlt stattdessen, sich die Schutzkonzepte der Veranstalter im Vorfeld anzusehen. Eine offene und transparente Kommunikation darüber ist ein positives Zeichen. Das Kind sollte das Gefühl haben, jederzeit erreichbar zu sein, und wissen, dass es sich jederzeit an einen wenden kann, wenn etwas nicht stimmt.

Mit zunehmendem Alter wird Sexualität zu einem wichtigeren Thema. Von Bodelschwingh betont die Bedeutung von Aufklärung über positive Sexualität, die Gewalt klar benennt. Jugendliche sollten wissen, dass sie jederzeit Nein sagen können, auch wenn sie vorher Ja gesagt haben. Wichtig ist auch, dass sie ihre Rechte kennen. So ist es beispielsweise gesetzlich verboten, dass Lehrkräfte oder Trainer eine Beziehung zu einer ihnen anvertrauten Person beginnen.

Wenn sich ein Kind anvertraut

Der wohl schwierigste Moment für Eltern ist, wenn ein Kind etwas erzählt, egal ob es vage oder konkret ist. Bodelschwingh betont, wie wichtig es ist, das Gesagte ernst zu nehmen und nicht zu ignorieren oder abzutun. Gleichzeitig rät sie davon ab, überstürzt zu handeln, auch wenn der Drang, sofort etwas zu unternehmen, groß ist. Stattdessen empfiehlt sie ein überlegtes Vorgehen.

Hier kommen spezialisierte Anlaufstellen ins Spiel. N.I.N.A. zum Beispiel, bietet eine Beratung an, die auch anonym genutzt werden kann, und unterstützt Eltern und Fachkräfte dabei, die Situation einzuordnen und die nächsten Schritte zu planen. Besonders wichtig ist vor allem immer, dass das Kind spürt, ernst genommen zu werden und mit dem Erlebten nicht allein zu sein.

Quellen: https://nina-info.de
https://beauftragte-missbrauch.de//
https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2024/pks2024_node.html

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit über 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
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Autorin: Daniela Schönwald

Bindung als Erziehungsgrundlage: Warum Nähe wichtiger ist als jede Methode

Als Elternteil erlebt man Momente, in denen man das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt. Das Kind verweigert, trotzt oder zieht sich zurück. Man versucht, die Situation zu klären, indem man erklärt, bittet oder droht, doch je mehr man sich anstrengt, desto mehr entgleitet einem die Kontrolle. In solchen Situationen fehlt oft nicht eine neue Erziehungsstrategie, sondern etwas viel Grundlegenderes.

Birgit Gattringer, Mentaltrainerin und Elternbegleiterin aus Österreich, bringt es in einem Bild auf den Punkt, das viele Eltern sofort verstehen. Sie vergleicht die Beziehung zwischen Eltern und Kind mit einer Brücke. Jedes Mal, wenn man zuhört, wenn man liebevoll eine Grenze setzt, wenn man das Kind wirklich sieht, legt man einen Stein in diese Brücke. Und jedes Mal, wenn man schimpft, droht oder nörgelt, nimmt man einen wieder heraus. Die Brücke muss stabil genug sein, damit das Kind sich führen lässt und damit es mitkommt. Nicht aus Angst, sondern weil es einem vertraut.

Was die Wissenschaft schon lange weiß

Das, was Gattringer beschreibt, hat in der Entwicklungspsychologie seit Jahrzehnten einen Namen. Der britische Psychiater John Bowlby hat bereits in den 1960er-Jahren die Grundlagen der Bindungstheorie gelegt. Bowlby zeigte, dass Bindung ein überlebenswichtiges menschliches Bedürfnis ist, ähnlich wie Essen und Schlaf, und dass eine sichere Bindung in der Kindheit zu einer gesunden emotionalen Entwicklung sowie zu stabilen Beziehungen im Erwachsenenalter führt.

Im Alltag zeigt sich dies ganz deutlich: Kinder brauchen emotionale Sicherheit, um ihre Umwelt zu erkunden und daraus zu lernen. Ein Kind, das sich sicher fühlt, kann seine Neugier entfalten, Fehler machen und auch mal ein Nein verkraften, ohne daran zu zerbrechen. Es weiß, dass die Bindung zu seiner Bezugsperson nicht davon abhängt, ob es gerade brav ist oder nicht. Bindung ist schließlich keine Belohnung für gutes Verhalten, sondern ist die Voraussetzung dafür, dass Erziehung überhaupt funktioniert.

Verhalten ist immer eine Botschaft

Gattringer sagt, der größte Wendepunkt für viele Eltern sei der Moment, in dem sie aufhören, das Verhalten ihres Kindes persönlich zu nehmen. Kein Kind wacht morgens auf und denkt sich, wie es Mama oder Papa heute das Leben schwer machen kann. Wenn Kinder schreien, trotzen oder sich verweigern, steckt dahinter kein böser Wille. Oft steckt dahinter ein Kind, dessen Nervensystem gerade überfordert ist.

Diese scheinbar kleine Perspektivverschiebung hat das Potenzial, alles zu verändern. Verhalten als Botschaft statt als Angriff zu verstehen führt zu ruhigeren und neugierigeren Reaktionen. Kinder spüren diese Veränderung sofort. Wenn sie sich gesehen fühlen, kooperieren sie viel eher, und zwar nicht aus Gehorsam, sondern weil die Verbindung stimmt.

Fehler gehören dazu

Viele Eltern machen sich Sorgen, ob sie ihren Kindern genug bieten. Sie fragen sich, ob ihr Stress, ihre Ungeduld oder ein schlechter Tag dem Kind dauerhaften Schaden zufügen können.
Die Bindungsforschung bietet eine beruhigende Erkenntnis: Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern verlässliche. Verlässlichkeit bedeutet, dass das Kind immer wieder erfährt: Wenn ich jemanden brauche, ist jemand für mich da. Wer nach einem Ausraster auf sein Kind zugeht, sich erklärt und die Nähe wiederherstellt, handelt genau richtig. Kinder lernen nicht nur aus positiven Momenten, sondern auch aus dem, was darauf folgt.

Was Bindung nicht bedeutet

Bindungsorientierte Erziehung wird oft missverstanden als eine Erziehungsform, bei der Kinder alles tun dürfen. Gattringer stellt jedoch klar, dass es darum geht, Kindern Halt, Verbindung und liebevolle Klarheit zu bieten. Grenzen sind unerlässlich, da sie Kindern Orientierung geben. Grenzen, die aus einer sicheren Verbindung heraus gesetzt werden, wirken sich jedoch anders auf Kinder aus als solche, die aus Erschöpfung oder Ärger resultieren. Erstere werden von Kindern als Führung empfunden, letztere als Bedrohung.

Die richtigen Worte im richtigen Moment

In ihrem Buch 50 Sätze, die es Eltern leichter machen, erschienen im Kösel-Verlag, beschreibt Gattringer konkrete Formulierungen, die Eltern in alltäglichen Konfliktsituationen helfen können, die Verbindung zum Kind zu halten. Der Ansatz dahinter ist so simpel wie wirkungsvoll: Nicht fehlende Liebe ist das Problem in vielen Familien. Oft fehlen im entscheidenden Moment einfach die richtigen Worte.

Ein Kind, das gerade explodiert, braucht in diesem Moment keine Erklärung und keine Konsequenz. Es braucht jemanden, der bleibt. Der nicht wegläuft, nicht zurückschreit, sondern einfach da ist. Das ist schwerer, als es klingt. Aber es ist der Moment, in dem Bindung entsteht oder gestärkt wird.

Quellen:
https://www.meinbezirk.at/tulln/c-lokales/bindung-ist-entscheidend-so-die-bruecke-zum-kind-staerken_a8651321
John Bowlby: Bindungstheorie, Grundlagen und Forschung (1969ff.)
https://studyflix.de/paedagogik-psychologie/bindungstheorie-7759

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Autorin: Daniela Schönwald

Kinder sind kein Content

Warum das Teilen von Kinderfotos im Netz mehr als eine Frage der Privatsphäre ist

Ein Kindergeburtstag, der erste Schultag, ein Ausflug ins Freibad: Für viele Eltern gehört es heute selbstverständlich dazu, solche Momente mit Familie und Freunden per WhatsApp-Status, in der Familiengruppe oder direkt auf Instagram zu teilen. Die Bilder wirken harmlos und die Absicht dahinter ist es fast immer. Und doch steckt in dieser scheinbar unbedeutenden Gewohnheit ein Problem, das weit über Fragen des guten Geschmacks hinausgeht.

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes warnt in einem aktuellen Beitrag deutlich: Alle geteilten Inhalte können in falsche Hände geraten – und Eltern, die regelmäßig Kinderbilder veröffentlichen, müssen sich bewusst sein, dass gerade leicht bekleidete oder nackte Kinder das Interesse von Sexualtätern wecken können, die eigentlich harmlose Fotos in einen sexualisierten Kontext stellen. Das klingt drastisch. Es soll auch drastisch klingen.

Was vielen nicht klar ist: Wer ein Foto in einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe teilt, hat die Kontrolle darüber bereits verloren. Auch aus dem privaten Status können Schnappschüsse weiterverbreitet werden, denn das Internet vergisst nichts – jeder geteilte Post hinterlässt einen digitalen Fußabdruck, und das gilt auch für Nachrichten in Messengerdiensten. Sobald ein Bild das eigene Gerät verlassen hat, entscheiden andere darüber, was damit geschieht.

Für dieses Phänomen hat sich inzwischen ein eigenes Wort etabliert: Sharenting – eine Wortneuschöpfung aus dem Englischen, zusammengesetzt aus „share“ (teilen) und „parenting“ (erziehen). Sharenting bezeichnet das Teilen von Bildern und Videos der eigenen Kinder in sozialen Netzwerken, wobei oft die Privatsphäre des Kindes missachtet wird und die Bilder von Dritten heruntergeladen, gespeichert und für ihre Zwecke missbraucht werden können. Das Problem betrifft nicht nur Eltern mit großer Reichweite. Es betrifft jeden, der ein Smartphone besitzt.

Häufig werden Fotos der Kinder aus Stolz, aus Freude, aus dem Wunsch heraus, schöne Momente sichtbar zu machen, mit anderen geteilt. Dass dabei rechtliche und ethische Grenzen überschritten werden, kommt den wenigsten in den Sinn.
Denn auch kleine Kinder haben Persönlichkeitsrechte und das ist keine abstrakte juristische Formel, sondern eine Frage von Respekt und Würde. Kinder können nicht einwilligen. Sie können nicht abwägen, was es bedeutet, wenn ein Foto von ihnen in Umlauf gerät. Sie können nicht voraussehen, was in zehn oder zwanzig Jahren im Internet noch auffindbar sein wird. Diese Verantwortung liegt vollständig bei den Erwachsenen.

Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt folgende Grundsätze im Umgang mit Kinderfotos im Netz: Kinder aktiv einbeziehen und nach ihrer Meinung fragen; keine personenbezogenen Daten preisgeben; Sicherheitseinstellungen in sozialen Netzwerken regelmäßig überprüfen; keine Fotos in peinlichen oder unangemessenen Situationen posten; überlegen, ob das Gesicht des Kindes für die Bildaussage wirklich notwendig ist; und die eigene Vorbildfunktion wahrnehmen.

Letzterer Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit. Kinder lernen durch Beobachtung. Wer ihnen beibringen will, verantwortungsvoll mit dem Internet umzugehen, muss selbst zeigen, was das bedeutet. Wer das eigene Kind täglich in Sozialen Medien präsentiert, sendet eine unmissverständliche Botschaft darüber, was normal ist und was nicht.

Eltern können nur verhindern, dass Bilder ihres Kindes unangemessen oder in einem strafrechtlich relevanten Zusammenhang verwendet werden, indem sie diese Bilder gar nicht erst posten. Das ist die direkteste, klarste Aussage in der ganzen Debatte. Kein Datenschutz-Tool, keine Privatsphäre-Einstellung und kein Wasserzeichen bietet so viel Sicherheit wie der Verzicht selbst.

Das heißt nicht, dass Familienerinnerungen nicht festgehalten werden dürfen. Es heißt, dass die Öffentlichkeit kein angemessener Ort für sie ist. Ein Fotoalbum zu Hause schützt – Instagram und WhatsApp schützen nicht.

Quellen: https://www.polizei-beratung.de/aktuelles/detailansicht/tipps-fuer-den-umgang-mit-kinderfotos-in-sozialen-netzwerken/
https://www.klicksafe.de/news/kinder-sind-kein-content-2

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KI-Spielzeug im Kinderzimmer: Wenn sprechende Kuscheltiere Freundschaften anbieten

Welche Risiken intelligente Spielzeuge für Kinder bergen und worauf Eltern achten sollten

Ein Stofftier, das Geschichten erzählt. Eine Puppe, die zuhört. Ein Hase, der Trost spendet, Fragen beantwortet und scheinbar immer Zeit hat.
Was vor wenigen Jahren noch wie Science-Fiction wirkte, findet inzwischen den Weg in Kinderzimmer. KI-gestützte Spielzeuge gelten als Wachstumsmarkt. Hersteller werben mit Lernförderung, Sprachentwicklung und interaktiver Begleitung. Für viele Eltern klingt ein geduldiger Gesprächspartner, der nie gestresst ist und scheinbar individuell auf Kinder eingeht, erst mal hilfreich. Doch genau an diesem Punkt beginnen die Fragen.
Denn wenn Spielzeuge nicht mehr nur Spielzeuge sind, sondern wie soziale Wesen wirken, verändert sich möglicherweise auch die Art, wie Kinder Beziehungen erleben. Entwicklungspsychologen und Forschende warnen deshalb davor, die Auswirkungen vorschnell zu unterschätzen.

Warum KI-Spielzeug so faszinierend auf Kinder wirkt

Kinder lernen die Welt über Beziehungen kennen. Sie beobachten Mimik, reagieren auf Stimmen, testen soziale Regeln und entwickeln Schritt für Schritt ein Verständnis dafür, was andere Menschen fühlen oder denken.
Interaktive KI-Spielzeuge setzen genau dort an. Sie antworten scheinbar empathisch, merken sich Informationen und können Gespräche führen. Manche bestätigen Kinder, bieten Freundschaft an oder reagieren auf emotionale Aussagen.

In einer Untersuchung der University of Cambridge interagierten Drei- bis Fünfjährige mit dem KI-Stofftier „Gabbo“. Viele Kinder bauten schnell emotionale Nähe auf: Sie umarmten das Spielzeug, küssten es oder sagten, dass sie es lieben.
Diese Reaktionen überraschen kaum. Kinder gehen häufig intensive Bindungen zu Figuren oder Gegenständen ein. Neu ist jedoch, dass die Gegenstände scheinbar zurücksprechen. Und genau darin sehen Fachleute einen sensiblen Punkt.

Kinder müssen erst lernen, was Freundschaft bedeutet

Für Erwachsene ist klar: Ein KI-Hase empfindet nichts. Er antwortet auf Basis von Daten und Wahrscheinlichkeiten. Für kleine Kinder ist diese Trennung jedoch schwieriger.
Kinder zwischen drei und fünf Jahren entwickeln erst nach und nach ein Verständnis dafür, was andere Menschen denken, fühlen oder beabsichtigen. Wenn ein Spielzeug wirkt, als hätte es Gefühle oder Freundschaftsabsichten, kann diese Unterscheidung verschwimmen. Forschende warnen deshalb vor sogenannten parasozialen Beziehungen: Kinder erleben Nähe zu etwas, das menschlich erscheint, aber keine echte Beziehung eingehen kann. Das Risiko liegt dabei weniger darin, dass Kinder Kuscheltiere lieben. Das tun sie bereits seit Generationen.
Neu ist aber, dass ein KI-Spielzeug möglicherweise sagt:
„Du kannst mir alles erzählen.“
„Lass uns Freunde sein.“
Damit entsteht eine Beziehung, die Nähe simuliert, ohne echte Verantwortung oder Verständnis übernehmen zu können.

Kann ein KI-Spielzeug menschliche Beziehungen ersetzen?

Die kurze Antwort lautet: nein.
Entwicklungspsychologen betonen, dass Kinder soziale Fähigkeiten nur über reale Interaktionen erwerben. Dazu gehören auch Missverständnisse, unterschiedliche Meinungen, Frustration oder die Erfahrung, nicht immer bestätigt zu werden. Ein KI-System funktioniert anders. Es reagiert häufig zustimmend, ist dauerhaft verfügbar und wirkt geduldig.

Genau das kann attraktiv erscheinen. Vor allem im Vergleich zu Menschen, die vielleicht müde sind, Grenzen setzen oder widersprechen. Doch genau das gehört zur sozialen Entwicklung dazu. Kinder lernen auch durch Enttäuschungen, Konflikte und das Aushandeln von Beziehungen.

Wenn technische Begleiter dauerhaft einfacher erscheinen als menschliche Kontakte, könnte das langfristig beeinflussen, wie Kinder soziale Beziehungen wahrnehmen. Forschende betonen jedoch auch, dass hierzu bislang noch viele Langzeitdaten fehlen.

Zwischen Chance und Risiko: KI ist nicht automatisch problematisch

Die Debatte über KI-Spielzeug ist allerdings nicht nur negativ. Einige Fachleute sehen durchaus Potenziale, etwa bei Sprachförderung oder in bestimmten therapeutischen Kontexten. Interaktive Systeme könnten Kinder beim Üben unterstützen oder zusätzliche sprachliche Impulse geben. Auch in mehrsprachigen Familien werden mögliche Vorteile diskutiert. Entscheidend scheint weniger die Technologie selbst zu sein als die Frage, wie sie eingesetzt wird.
Problematisch wird KI-Spielzeug vor allem dann, wenn es zur dauerhaften Beschäftigung oder als Ersatz für zwischenmenschliche Interaktion dient. Denn ein sprechendes Kuscheltier wirkt womöglich harmloser als ein Bildschirm. Gerade dadurch könnte die Hemmschwelle sinken, Kinder länger damit allein zu lassen.

Ein weiterer Punkt: Datenschutz im Kinderzimmer

Neben Entwicklungsfragen beschäftigen Fachleute noch ein anderes Thema.
Viele KI-Spielzeuge arbeiten mit Mikrofonen, Cloud-Systemen und Datenspeicherung. Gespräche können verarbeitet oder gespeichert werden, um Antworten zu generieren.
Datenschutzexperten warnen deshalb vor Risiken beim Umgang mit sensiblen Informationen von Kindern. In einzelnen Fällen wurden bereits Sicherheitslücken bekannt, durch die Daten zugänglich wurden.
Für Eltern entsteht dadurch eine zusätzliche Verantwortung: Wer hört mit? Welche Daten werden gespeichert? Und wie transparent sind Anbieter über die Nutzung dieser Informationen?

Was Eltern beachten können

Kinder müssen nicht grundsätzlich von neuen Technologien ferngehalten werden. Entscheidend bleibt die Begleitung dabei.
Hilfreich kann sein:

  • KI-Spielzeug gemeinsam nutzen statt unbeaufsichtigt
  • Gespräche darüber führen, was ein Mensch ist und was eine Maschine
  • darauf achten, ob ein Spielzeug emotionale Abhängigkeit oder Geheimhaltung fördert
  • Nutzung zeitlich begrenzen und reale soziale Erfahrungen bewusst stärken

Diese Fragen werden künftig vermutlich wichtiger werden. Denn KI zieht längst nicht mehr nur in Smartphones ein, sondern zunehmend in Spielzeug, Lernangebote und den Familienalltag.

Kinder brauchen Beziehungen und keine perfekte Antworten

Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung weniger in der Technologie selbst als in einer alten Frage: Was brauchen Kinder, um gesund aufzuwachsen? Weder ständige Bestätigung noch jederzeit verfügbare Antworten. Sondern vielmehr Menschen, die zuhören und Grenzen setzen. Menschen, die widersprechen, trösten, Fehler machen und wieder in Beziehung gehen.

Ein sprechender Hase mag Geschichten erzählen. Aber Vertrauen, Empathie und Beziehung lernen Kinder immer noch zuerst bei Menschen.

Quellen: https://www.geo.de/wissen/wenn-der-sprechende-hase-troestet–welche-risiken-birgt-ki-spielzeug–37222530.html
https://www.zeit.de/news/2026-03/15/pluesch-mit-gefuehlen-ki-spielzeug-mit-risiken-fuer-kinder?
https://proton.me/de/blog/ai-toys-safety?

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„Kinder sicher und stark machen!“ – Fachkräftefortbildung des SICHER‑STARK‑TEAM erfolgreich in Kamp‑Lintfort abgeschlossen

Kamp‑Lintfort, 20. April 2026 – Mitarbeitende der Inklusiven Kindertagesstätte Alte Schule Hoerstgen e.V. in Kamp‑Lintfort haben erfolgreich an der Fachkräftefortbildung des SICHER‑STARK‑TEAM teilgenommen. Unter dem Titel „Kinder sicher und stark machen! Prävention von Gewalt, Mobbing und sexuellem Missbrauch“ wurden Fachkräfte umfassend für den sensiblen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema sexuelle Gewalt geschult.

Ziel der Fortbildung war es, die Teilnehmenden zu sensibilisieren, ihre Handlungssicherheit zu stärken und praxistaugliche Strategien für den Kita‑Alltag zu vermitteln. Die Fortbildung richtete sich an Erzieherinnen und Erzieher sowie pädagogische Fachkräfte der Inklusiven Kindertagesstätte Alte Schule Hoerstgen e.V. (Molkereistr. 22, 47475 Kamp‑Lintfort) und schloss mit einer Teilnahmebestätigung ab.

Inhalte und Schwerpunkte

  • Täterstrategien: Die Teilnehmenden erhielten fundierte Einblicke in typische Vorgehensweisen und Manipulationstechniken von Täterinnen und Tätern, um Übergriffe frühzeitig erkennen und verhindern zu können.
  • Erkennen von Anzeichen: Praktische Hinweise zur Beobachtung und Interpretation von Verhaltensänderungen bei Kindern wurden vermittelt, inklusive Unterscheidung zwischen altersgemäßen Verhaltensweisen und möglichen Hinweisen auf Gewalterfahrungen.
  • Gesprächsführung: Es wurden altersgerechte und kindzentrierte Gesprächsstrategien eingeübt, die es Fachkräften ermöglichen, sensibel auf Kinder einzugehen, die mögliche Übergriffe ansprechen oder Anzeichen zeigen.
  • Rechtliche Grundlagen: Die Fortbildung behandelte die relevanten rechtlichen Aspekte, Meldepflichten und Dokumentationsanforderungen, damit Fachkräfte ihre Verantwortung rechtssicher wahrnehmen können.
  • Möglichkeiten und Grenzen der Intervention: Teilnehmende lernten, wann und wie interveniert werden kann, welche professionellen Netzwerke und Unterstützungsangebote einzubinden sind und wo rechtliche/ethische Grenzen liegen.
  • Präventive Maßnahmen im Kita‑Alltag: Konkrete Präventionskonzepte und Maßnahmen zur Stärkung von Schutzfaktoren für Kinder wurden vorgestellt und auf die Alltagspraxis in der Kita übertragen.

Die Fachkräfteweiterbildung verzichtete auf reine Theorievermittlung und setzte auf praxisnahe, interaktive Methoden: Fallbeispiele, Rollenspiele, Gruppenarbeit sowie Reflexionsphasen ermöglichten die direkte Anwendung des Gelernten. So konnten die Teilnehmenden konkrete Handlungsanleitungen für verschiedene Alltagssituationen entwickeln und erproben.
Die Fortbildung wurde geleitet von Seminarleiter Ralf Schmitz. Die Kitaleitung, Frau von Baal, unterstützte die Veranstaltung organisatorisch und betonte die Bedeutung kontinuierlicher Fortbildung im Bereich Gewaltschutz und Prävention.

Bedeutung für die Kita und die Region. Die erfolgreiche Teilnahme stärkt die Schutzkompetenz der Inklusiven Kindertagesstätte Alte Schule Hoerstgen e.V. und trägt direkt zur Sicherheit und zum Wohlbefinden der betreuten Kinder bei. Durch die Vermittlung von präventiven Maßnahmen und rechtssicheren Handlungsanweisungen wird ein wichtiger Beitrag zur Schaffung eines sicheren Umfelds geleistet. Die Fortbildung ist Teil der fortlaufenden Qualitätsentwicklung in der Kita und setzt ein klares Zeichen für Prävention und Schutz in der Region Kamp‑Lintfort.

Frau von Baal, Leitung der Inklusiven Kindertagesstätte Alte Schule Hoerstgen e.V.: „Die Fortbildung war für unser Team ein wichtiger Schritt, um Kinder noch besser zu schützen. Die praxisnahen Inhalte und Übungen geben uns konkrete Werkzeuge an die Hand, um im Kita‑Alltag sicher und verantwortungsvoll zu handeln.“

Ralf Schmitz, Seminarleiter vom Sicher-Stark-Team: „Prävention beginnt im Alltag. Es ist entscheidend, dass Fachkräfte nicht nur theoretisches Wissen besitzen, sondern auch praktische Gesprächsführung und Handlungsschritte sicher anwenden können. Genau das haben wir in diesem Seminar trainiert.

Die Kita plant, das Thema Schutzkonzepte und Prävention regelmäßig in Teamfortbildungen zu verankern und die Zusammenarbeit mit lokalen Beratungsstellen und Fachstellen weiter auszubauen. Weitere Schulungen für unterschiedliche Mitarbeitendengruppen sind vorgesehen, um die Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu gewährleisten.

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Kinder stärken und schützen

Gewaltpräventionskurse in der Städtischen Kindertagesstätte Rubenstraße in Duisburg

Am 5. Mai 2026 finden in der Städtischen Kindertagesstätte Rubenstraße in Duisburg zwei Schnuppertageskurse zur Gewaltprävention statt. Die Kurse werden vom Sicher-Stark-Team durchgeführt und richten sich sowohl an Kinder als auch an deren Eltern.
In enger Zusammenarbeit mit der Kitaleitung, Violetta Seifert, werden an den beiden Tagen insgesamt zwei Kurseinheiten angeboten. Pro Kurs nehmen rund 20 Kinder teil, parallel dazu sind jeweils etwa 40 Eltern eingebunden. Ziel ist es, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen altersgerechte Strategien im Umgang mit Konflikten und herausfordernden Situationen zu vermitteln.

Im Mittelpunkt der Kurse stehen praxisnahe Methoden, die gezielt auf die Bedürfnisse von Kindern im Kitaalter abgestimmt sind. Spielerische Übungen und alltagsnahe Situationen helfen dabei, das Selbstbewusstsein der Kinder zu fördern und ihnen Sicherheit im eigenen Verhalten zu geben. Dabei lernen sie unter anderem, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und klar zu kommunizieren.
Ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung ist auch die Einbindung der Eltern. Sie erhalten Einblicke in die Inhalte der Kurse und erfahren, wie sie ihre Kinder im Alltag weiter stärken und begleiten können. Ziel ist es, Kinder nicht nur punktuell zu fördern, sondern ihnen langfristig Sicherheit und Handlungskompetenz mitzugeben.
Mit den Schnuppertageskursen setzt die Städtische Kindertagesstätte Rubenstraße gemeinsam mit dem Sicher-Stark-Team ein klares Zeichen für frühzeitige Prävention. Denn Kinder, die gestärkt werden, entwickeln mehr Selbstvertrauen und sind besser in der Lage, mit schwierigen Situationen umzugehen.

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Fünf Sätze, die Kinder stark für die Schule machen

Wie Sprache Selbstvertrauen, Resilienz und Sicherheit im Alltag prägt

Der Schulalltag stellt Kinder täglich vor neue Herausforderungen. Leistungsdruck, soziale Dynamiken, Konflikte auf dem Pausenhof oder Unsicherheiten im Unterricht gehören für viele zum Alltag. Während Erwachsene solche Situationen oft gut einordnen können, fehlen Kindern häufig noch die Strategien, mit diesen Anforderungen umzugehen.
Was dabei oft unterschätzt wird: Die Worte, die Kinder von ihren Bezugspersonen hören, prägen ihr Selbstbild nachhaltig. Sprache wirkt wie ein innerer Kompass. Sie beeinflusst, wie Kinder sich selbst sehen, wie sie mit Fehlern umgehen und ob sie sich Herausforderungen zutrauen. Gerade im Schulkontext kann dieser innere Dialog entscheidend sein. Kinder, die sich verstanden und unterstützt fühlen, gehen anders mit Druck und Konflikten um als Kinder, die vor allem Kritik oder Unsicherheit erleben.

Warum Worte mehr bewirken als Regeln

Eltern versuchen oft, ihre Kinder durch Regeln, Erklärungen oder gut gemeinte Ratschläge zu unterstützen. Doch in stressigen Situationen greifen Kinder selten auf komplexe Erklärungen zurück. Was jedoch bleibt, sind einfache, klare Botschaften – Sätze, die sich einprägen und innerlich abrufbar sind. Diese Sätze wirken wie mentale Anker. Sie geben Orientierung, wenn ein Kind unsicher ist, sich überfordert fühlt oder Angst hat, zu scheitern. Gleichzeitig vermitteln sie ein grundlegendes Gefühl von Sicherheit: „Ich bin nicht allein. Ich kann das schaffen.“
Für die Präventionsarbeit ist genau das zentral. Kinder, die ein stabiles inneres Gefühl von Selbstwirksamkeit entwickeln, sind weniger anfällig für Überforderung, Rückzug oder problematische Verhaltensmuster.

Fünf Sätze, die Kinder im Schulalltag stärken

Es braucht keine langen Gespräche, um Kinder zu stärken. Oft sind es wenige, klare Botschaften, die langfristig wirken. Entscheidend ist, dass sie authentisch sind und regelmäßig im Alltag vorkommen.

  1. „Du darfst Fehler machen, denn daraus lernst du.“
    Fehler gehören zum Lernen dazu. Kinder, die das verinnerlichen, haben weniger Angst vor dem Scheitern und trauen sich eher, neue Dinge auszuprobieren.
  2. „Ich bin da, egal was passiert.
    Dieser Satz vermittelt Sicherheit und Verlässlichkeit. Kinder wissen: Auch wenn etwas schiefläuft, verlieren sie nicht die Unterstützung ihrer Bezugspersonen.
  3. „Du kannst das schaffen.“
    Zutrauen stärkt Selbstvertrauen. Wenn Kinder erleben, dass ihnen etwas zugetraut wird, entwickeln sie eher den Mut, Herausforderungen anzunehmen.
  4. „Was brauchst du gerade?“
    Diese Frage lenkt den Blick auf die eigenen Bedürfnisse. Kinder lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und Unterstützung aktiv einzufordern.
  5. „Wir finden gemeinsam eine Lösung.“
    Probleme werden nicht allein gelassen, sondern gemeinsam bewältigt. Das stärkt nicht nur das Vertrauen, sondern auch die Fähigkeit, konstruktiv mit Schwierigkeiten umzugehen.

Was diese Sätze im Inneren bewirken

Solche Aussagen sind mehr als bloße Worte. Sie formen den inneren Dialog eines Kindes. Aus äußeren Botschaften werden mit der Zeit innere Überzeugungen.
Ein Kind, das immer wieder hört, dass Fehler erlaubt sind, entwickelt eine andere Haltung zum Lernen. Es wird weniger von Angst gesteuert und ist offener für neue Erfahrungen. Ein Kind, das Verlässlichkeit erlebt, fühlt sich auch in herausfordernden Situationen sicherer. Diese innere Stabilität ist eine wichtige Grundlage für Resilienz. Sie hilft Kindern, Rückschläge zu verarbeiten, Konflikte zu bewältigen und sich nicht von äußeren Einflüssen verunsichern zu lassen.

Zwischen Leistungsdruck und Selbstwert

Schule ist heute für viele Kinder nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Raum, in dem sie sich ständig vergleichen. Noten, Bewertungen und soziale Dynamiken können Druck erzeugen. In diesem Umfeld wird die Rolle der Eltern noch wichtiger. Sie sind ein Gegenpol zu äußeren Erwartungen. Während Schule Leistung bewertet, können Eltern den Fokus auf Entwicklung, Anstrengung und Persönlichkeit legen. Das bedeutet nicht, Anforderungen zu senken oder Probleme zu ignorieren. Es bedeutet vielmehr, Kinder nicht auf ihre Leistung zu reduzieren. Ein Kind ist mehr als seine Note und genau diese Botschaft braucht es, um ein stabiles Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Prävention beginnt mit Beziehung

Für die Arbeit von Sicher-Stark zeigt sich darin ein zentraler Grundsatz: Schutz und Prävention beginnen nicht erst bei konkreten Gefahren, sondern in der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern. Kinder, die sich gesehen und ernst genommen fühlen, entwickeln mehr Selbstvertrauen und ein besseres Gespür für sich selbst. Sie lernen, Grenzen wahrzunehmen, Bedürfnisse zu äußern und sich in schwierigen Situationen Hilfe zu holen. Diese Fähigkeiten sind entscheidend – nicht nur im Schulalltag, sondern auch im Umgang mit Konflikten, Gruppendruck oder unsicheren Situationen.
Kinder stark machen – durch Sprache.

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein fachübergreifendes Team aus der Pädagogik, der Psychologie und der IT zusammen mit ehemaligen Polizeikräften für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Fachkräfte-Weiterbildungen, Elterntrainings und Webinare an. Mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. In der analogen wie in der digitalen Welt.
Mehr Informationen finden Sie unter: www.sicher-stark-team.de.

Quelle: https://www.eltern.de/schulkind/saskia-niechzial–diese-3-saetze-machen-dein-kind-stark-fuer-die-schule-14070856.html

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Autorin: Daniela Schönwald

10 Minuten, die den Unterschied machen Warum „Sorgenzeit“ am Abend Kinder emotional stärkt

Es ist ein Moment, den viele Eltern kennen: Das Licht ist gedimmt, der Tag eigentlich vorbei und plötzlich kommen sie: Fragen, Gedanken und Unsicherheiten.
„Was ist, wenn ich morgen etwas falsch mache?“ „Warum war meine Freundin heute so komisch?“
Gerade abends melden sich Sorgen bei Kindern oft besonders hartnäckig. Wenn der Trubel des Tages nachlässt, wird es im Inneren lauter. Für Kinder kann das überfordernd sein, weil ihnen häufig noch die Strategien fehlen, mit solchen Gedanken umzugehen. Genau hier setzt ein Ansatz an, der in der psychologischen Praxis schon länger genutzt wird und sich überraschend einfach in den Familienalltag integrieren lässt: die sogenannte „Sorgenzeit“. Eine kurze, bewusste Gesprächsphase am Abend, in der Kinder ihre Gedanken aussprechen dürfen.

Warum Sorgen gerade abends auftauchen

Kinder verarbeiten ihren Tag nicht unbedingt in dem Moment, in dem etwas passiert. Während Schule, Freizeit und Medien den Alltag bestimmen, bleibt wenig Raum für Reflexion. Erst wenn Ruhe einkehrt, beginnt das Gehirn, Erlebnisse zu sortieren.Genau dann entstehen Fragen, Unsicherheiten und manchmal auch Ängste. Psychologisch ist das ein völlig normaler Prozess. Gedanken, die tagsüber „weggeschoben“ wurden, drängen sich abends wieder nach vorn. Für Kinder bedeutet das: Sie sind plötzlich allein mit Gefühlen, die sie noch nicht einordnen können. Ohne Unterstützung kann daraus Grübeln entstehen – ein Zustand, der nicht nur das Einschlafen erschwert, sondern auch das emotionale Wohlbefinden belastet.

Die Idee hinter den „Sorgenminuten“

Die sogenannte Sorgenzeit stammt ursprünglich aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Dort wird Menschen empfohlen, belastenden Gedanken bewusst einen festen Platz im Tagesablauf zu geben, statt sie ständig zu verdrängen.
Übertragen auf den Familienalltag bedeutet das: Kinder bekommen einen geschützten Rahmen, in dem alles ausgesprochen werden darf, was sie beschäftigt. Sorgen werden nicht unterdrückt, sondern bewusst wahrgenommen und anschließend losgelassen.
Der Effekt ist erstaunlich: Gedanken verlieren an Intensität, wenn sie benannt werden. Gleichzeitig lernt das Gehirn, dass nicht jede Sorge sofort Aufmerksamkeit braucht.

Was Kinder dabei wirklich lernen

Auf den ersten Blick wirken zehn Minuten Gespräch am Abend unscheinbar. Tatsächlich passiert in dieser Zeit aber etwas Entscheidendes.
Kinder erleben, dass ihre Gefühle ernst genommen werden. Sie merken, dass Unsicherheit, Angst oder Wut nichts ist, was „weg muss“, sondern etwas, das verstanden werden darf. Gleichzeitig entwickeln sie die Fähigkeit, Gedanken zu ordnen, statt von ihnen überwältigt zu werden.
Langfristig entsteht daraus eine zentrale Kompetenz: Die emotionale Selbstregulation. Also die Fähigkeit, mit inneren Spannungen umzugehen, ohne dass sie sich aufstauen oder in impulsives Verhalten umschlagen. Für die Präventionsarbeit ist genau das ein Schlüssel. Kinder, die ihre Gefühle einordnen können, reagieren weniger impulsiv, geraten seltener in eskalierende Konflikte und sind insgesamt stabiler im Umgang mit Stress.

Warum Zuhören wichtiger ist als Lösungen

Viele Eltern reagieren auf Sorgen reflexartig mit Lösungen. Sie trösten, erklären, relativieren oder versuchen, Probleme sofort zu beheben. Das ist verständlich, jedoch nicht immer hilfreich. Kinder brauchen in solchen Momenten vor allem eines: das Gefühl, verstanden zu werden. Wenn Erwachsene zu schnell Lösungen anbieten, kann das ungewollt vermitteln, dass die Gefühle des Kindes „kein echtes Problem“ sind. Zuhören hingegen signalisiert: Deine Gedanken haben Platz. Du bist nicht allein damit. Erst wenn ein Kind sich gehört fühlt, ist es überhaupt bereit, neue Perspektiven anzunehmen. Genau deshalb ist die Haltung der Eltern entscheidender als die perfekte Antwort.

Ein kleines Ritual mit großer Wirkung

Damit Sorgenzeit im Alltag funktioniert, braucht es keine komplizierten Methoden. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit und die Atmosphäre. Ein kurzer, ruhiger Moment am Abend reicht oft aus, um Kindern Sicherheit zu geben. Typischerweise entsteht dieses Ritual rund um das Zubettgehen, wie z. B. nach dem Vorlesen oder kurz vor dem Einschlafen. Wichtig ist, dass es ein verlässlicher Zeitpunkt ist, an dem das Kind weiß: Jetzt ist Raum für meine Gedanken.
Hilfreich ist dabei eine klare, offene Einladung. Eine einfache Frage wie „Gibt es heute etwas, das dich beschäftigt hat?“ kann Türen öffnen, die im hektischen Alltag verschlossen bleiben. Manche Familien entwickeln zusätzlich kleine Rituale, um den Tag bewusst abzuschließen. Sorgen werden aufgeschrieben, symbolisch „weggelegt“ oder gemeinsam verabschiedet. Solche Handlungen wirken oft stärker als lange Gespräche, weil sie Kindern helfen, innerlich loszulassen.

Worauf Eltern achten sollten

Damit die Sorgenzeit ihre Wirkung entfalten kann, kommt es weniger auf Technik als auf Haltung an. Entscheidend ist, dass Kinder sich sicher fühlen und nicht bewertet werden.
Dabei helfen vor allem drei Grundprinzipien:

  • Zuhören, ohne sofort zu korrigieren oder zu relativieren
  • Gefühle benennen und ernst nehmen, statt sie kleinzureden
  • Gedanken gemeinsam einordnen, ohne Druck oder Bewertung

Diese Haltung stärkt nicht nur das Vertrauen, sondern auch die Fähigkeit des Kindes, sich selbst besser zu verstehen.

Mehr als ein Abendritual

Die „Sorgenminuten“ sind weit mehr als ein kurzer Austausch vor dem Schlafengehen. Sie sind ein Signal: Deine Gedanken sind wichtig. Deine Gefühle haben Platz. Gerade in einer Zeit, in der Kinder vielen Eindrücken ausgesetzt sind, wie Schule, soziale Erwartungen, digitale Medien etc., wird diese Form der Zuwendung immer bedeutender. Sie schafft einen Gegenpol zur ständigen Reizüberflutung und gibt Kindern Orientierung.

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein fachübergreifendes Team aus der Pädagogik, der Psychologie und der IT zusammen mit ehemaligen Polizeikräften für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Fachkräfte-Weiterbildungen, Elterntrainings und Webinare an. Mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. In der analogen wie in der digitalen Welt.
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Quelle: https://www.focus.de/familie/erziehung/simple-routine-vor-dem-schlafengehen-mit-10-sorgenminuten-am-abend-staerken-eltern-ihre-kinder_ce3359da-bafe-46b7-984a-0146447f65ef.html

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Autorin: Daniela Schönwald

Wenn Kinder andere Kinder töten

Was Gewalttaten unter Kindern über Risiken, Verantwortung und Prävention offenbaren

Wenn in Deutschland über schwere Gewalt oder sogar Tötungsdelikte unter Kindern und Jugendlichen berichtet wird, ist die gesellschaftliche Betroffenheit besonders groß. Solche Fälle erschüttern nicht nur wegen ihres Ausmaßes, sondern auch, weil sie das verbreitete Bild von Kindheit als geschütztem Raum infrage stellen. Zwar machen Kinder und Jugendliche insgesamt nur einen kleinen Anteil der registrierten Gewaltkriminalität aus, doch die Entwicklung gibt Anlass zur Sorge: Laut Bundeskriminalamt stieg 2024 die Zahl junger Tatverdächtiger bei Gewaltdelikten, darunter auch Mord und Totschlag. Der Anteil lag bei Kindern bei knapp sieben Prozent und bei Jugendlichen bei fast 16 Prozent.

Gewalt unter Kindern ist zwar real, aber selten monokausal. Täterinnen und Täter sind keine „Monster“, sondern junge Menschen, deren Handeln oft in komplexen biografischen, sozialen und psychischen Belastungen wurzelt. Manchmal eskalieren Konflikte spontan, häufiger entwickeln sie sich aber aus anhaltender Frustration, Ausgrenzung oder dem Gefühl von Ohnmacht. Warum ein Kind extrem gewalttätig handelt und ein anderes nicht, lässt sich nicht pauschal erklären. Gerade weil die Ursachen vielschichtig sind, muss Prävention frühzeitig und auf mehreren Ebenen ansetzen.

Die Ursachen liegen häufig sowohl in persönlichen Belastungen als auch in sozialen Rahmenbedingungen. Kinder wachsen heute in einer Welt auf, die sich rasant verändert hat: brüchigere Beziehungen, hohe Alltagsbelastung und eine permanente digitale Präsenz, in der auch Gewalt allgegenwärtig ist. Das erklärt zwar noch keine Tat, beeinflusst aber, wie junge Menschen Konflikte wahrnehmen, Gefühle verarbeiten und auf Spannungen reagieren.
Ein weiterer Punkt ist die zunehmende Belastung durch psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen. Fachleute berichten, dass psychische Erkrankungen und Probleme mit der Impulskontrolle bei jungen Menschen zugenommen haben. Solche inneren Spannungen können in Verbindung mit anderen Stressoren dazu beitragen, dass Gewalt zur einzigen Handlungsoption wird – nicht weil Kinder von Natur aus gewalttätig sind, sondern weil ihnen die Kompetenzen fehlen, Konflikte anders zu lösen oder belastende Emotionen zu regulieren.

Bei Fällen extremer Gewalt, ausgeübt durch Kinder, wird häufig über härtere strafrechtliche Konsequenzen diskutiert. In Deutschland gilt aktuell die Strafmündigkeit ab 14 Jahren. Die wiederkehrende Debatte darüber, ob dieses Alter herabgesetzt werden sollte, zeigt zwar das gesellschaftliche Bedürfnis nach Antworten, jedoch dürfen dabei nicht die tieferliegenden Ursachen aus dem Blick verloren werden.

Für Eltern, Pädagog*innen und alle, die sich für präventive Sicherheit einsetzen, ist genau das ein entscheidender Punkt: Gewaltvermeidung beginnt nicht erst im Moment der Tat, sondern weit früher im Alltag. Kinder und Jugendliche entwickeln Gewaltbereitschaft schließlich nicht im luftleeren Raum, sondern dort, wo sie Gefühle wie Ohnmacht, Frustration, Ungerechtigkeit, Ausgrenzung oder fehlende Kommunikationskompetenzen nicht anders ausdrücken können. Wenn diese Gefühle nicht gesehen, nicht verstanden und begleitet werden, steigt das Risiko, dass sich langfristig problematische Verhaltensweisen entwickeln.

Das heißt konkret: Prävention ist ein Thema der Beziehung. Kinder brauchen eine Umgebung, in der sie lernen, Konflikte verbal, konstruktiv und mit Perspektiven anderer zu lösen. Sie brauchen Erwachsene, die ihnen helfen, Stimmungen wie Wut, Angst oder Traurigkeit zu verstehen und auszudrücken, bevor sie sich in körperliche Auseinandersetzungen verwandeln. Sie brauchen soziale Räume, in denen sie verbindliche Regeln lernen, aber auch Unterstützung erfahren, wenn sie diese nicht einhalten. Das stärkt nicht nur individuelles Verhalten, sondern fördert kollektive Normen des Respekts und des sozialen Miteinanders.

Der Ansatz von Sicher & Stark richtet sich genau auf diese Felder: Es geht nicht nur um Schutz im Sinne von äußerer Sicherheit, sondern um die Stärkung innerer Kompetenzen wie Selbstwert, Konfliktfähigkeit, Selbstbehauptung und Empathie. Lernt ein Kind früh, dass es gehört wird, seine Gefühle ernst genommen werden und es konstruktive Wege gibt, Spannungen zu bewältigen, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass es Gewalt als Lösung einsetzt.

Dabei muss nicht jede Form von kindlicher Impulsivität oder Aggression gleich pathologisiert werden. Vielmehr geht es darum, Kontext zu schaffen: stabile Bindungen, funktionierende soziale Netzwerke sowie Räume für Beteiligung und Mitbestimmung. All das sind Faktoren, die zur Resilienz beitragen und so Gewalt entgegenwirken können.

Die nüchterne, aber hoffnungsvolle Perspektive lautet: Kinder, die sich wahrgenommen fühlen, lernen, Konflikte anders zu lösen als mit Gewalt und entwickeln soziale Kompetenzen, sind weniger anfällig für extreme Gewalttaten. Prävention beginnt früh, lange vor dem Moment der Eskalation, und sie ist eine gemeinsame Aufgabe von Familien, Pädagog*innen und Gesellschaft. Kein einfacher Weg, aber einer, der Kinder, Familien und die Gesellschaft sicherer und stärker macht.

Quellen: https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2024/Polizeiliche_Kriminalstatistik_2024/Polizeiliche_Kriminalstatistik_2024_node.html?

https://www.wa.de/deutschland/psychiater-holtmann-kinder-die-toeten-sind-keine-monster-94181872.html?

https://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article6993da52f1c55d28ade6a861/wenn-kinder-zu-gewalttaetern-werden.html?

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„Ich weiß, wo eure Kinder sind“

Was Social Media über Kinder verrät und warum Eltern genauer hinschauen sollten

„Ich weiß, wo eure Kinder sind.“

Mit diesem Satz beginnt der IT-Experte und Hacker Sascha Bolmer häufig seine Vorträge vor Eltern und Schulklassen. Für einen Moment wird es still im Raum. Der Satz klingt wie eine Drohung, ist aber eine Demonstration. Bolmer zeigt, wie leicht sich über öffentlich zugängliche Informationen im Internet Details über Kinder und ihre Familien herausfinden lassen. Ein Foto auf Instagram, eine Standortmarkierung bei TikTok oder ein Kommentar unter einem Video – einzeln wirken solche Beiträge harmlos. Zusammengenommen können sie jedoch ein erstaunlich genaues Bild vom Alltag eines Kindes ergeben. Wer genau hinsieht, kann aus scheinbar nebensächlichen Informationen ein digitales Profil erstellen. Diese Demonstrationen sollen nicht verunsichern, sondern sensibilisieren. Denn viele Kinder bewegen sich heute selbstverständlich in sozialen Netzwerken, ohne sich bewusst zu sein, welche Spuren sie dort hinterlassen. Gleichzeitig teilen auch Eltern häufig Fotos oder Informationen über ihre Kinder im Internet. Aus Sicht von IT-Sicherheitsexperten entsteht so schnell ein umfangreiches digitales Profil, das für weit mehr Menschen sichtbar ist, als ursprünglich gedacht.

Wenn der Alltag zum digitalen Puzzle wird

Das Risiko entsteht selten durch einen einzelnen Beitrag. Problematisch wird es erst, wenn viele kleine Informationen zusammenkommen. Ein Foto vor der Schule, ein Hinweis auf das Fußballtraining oder ein Video vom Heimweg können gemeinsam ein erstaunlich genaues Bild des Alltags ergeben.
Experten sprechen hier von einem digitalen Puzzle: Einzelne Details wirken unbedeutend, ergeben zusammen jedoch ein vollständiges Profil. Aufenthaltsorte, Gewohnheiten oder soziale Kontakte lassen sich daraus oft relativ leicht ableiten. Dafür braucht es häufig nicht einmal aufwendige Hackerangriffe. Viele Informationen sind öffentlich zugänglich, weil Profile nicht ausreichend geschützt sind oder Nutzer sehr offen posten. In solchen Fällen reicht oft schon eine einfache Recherche im Netz, um überraschend viele Details über eine Person zu erfahren. Gerade bei Kindern kann das jedoch problematisch werden.

Warum Kinder im Netz besonders verletzlich sind

Kinder und Jugendliche wachsen in einer digitalen Welt auf, in der Kommunikation, Selbstdarstellung und soziale Beziehungen eng mit Online-Plattformen verbunden sind. Likes und Kommentare schaffen Aufmerksamkeit und Anerkennung, was ein starker Anreiz ist, Inhalte zu teilen.
Doch mit jedem Beitrag entstehen digitale Spuren. Bilder, Videos und Kommentare können dauerhaft gespeichert, kopiert oder weiterverbreitet werden. Oft enthalten Fotos zudem mehr Informationen, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Gebäude, Straßenschilder oder Vereinslogos im Hintergrund können Hinweise auf Orte liefern.
Hinzu kommt ein weiteres Phänomen: Viele Eltern posten stolz Bilder ihrer Kinder im Internet. Dieses Verhalten wird inzwischen häufig als „Sharenting“ bezeichnet. Dadurch entstehen digitale Profile von Kindern, noch bevor sie selbst entscheiden können, welche Informationen sie preisgeben möchten.

Digitale Sicherheit beginnt mit Medienkompetenz

Für Prävention bedeutet das: Digitale Sicherheit gehört heute selbstverständlich zur Erziehung. Kinder müssen lernen, persönliche Daten genauso zu schützen wie ihre körperlichen Grenzen.
Dabei geht es nicht darum, soziale Medien grundsätzlich zu verbieten. Sie sind längst Teil des Alltags junger Menschen. Entscheidend ist vielmehr, dass Kinder verstehen, welche Informationen sensibel sind und welche Folgen unbedachtes Teilen haben kann.

Besonders vorsichtig sollte man mit folgenden Angaben umgehen:

  • vollständiger Name, Adresse oder Telefonnummer
  • Schulnamen, tägliche Wege oder regelmäßige Aufenthaltsorte
  • Fotos, die Rückschlüsse auf Wohnort oder Freizeitorte zulassen

Solche Informationen können in falschen Händen missbraucht werden, wie etwa für Betrugsversuche, Identitätsdiebstahl oder unerwünschte Kontaktaufnahmen.

Kinder im digitalen Alltag begleiten

Kinder brauchen deshalb nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch Orientierung. Medienkompetenz bedeutet, Risiken zu erkennen, Informationen kritisch zu hinterfragen und bewusst zu entscheiden, was öffentlich sein soll.
Eltern spielen dabei eine entscheidende Rolle. Offene Gespräche über Social Media sind oft wirksamer als strenge Verbote. Wenn Kinder über ihre Online-Erfahrungen sprechen können, entsteht Vertrauen und gleichzeitig die Möglichkeit, Risiken gemeinsam zu besprechen.
Ebenso hilfreich ist es, gemeinsam Regeln für den Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Dazu gehört etwa, Privatsphäre-Einstellungen zu prüfen, Kontakte bewusst auszuwählen und regelmäßig darüber zu sprechen, welche Inhalte online geteilt werden.

Kinder stark machen – auch online

Der Satz „Ich weiß, wo eure Kinder sind“ wirkt zunächst erschreckend. Tatsächlich zeigt er vor allem, wie transparent unser Alltag im Internet geworden ist.
Die gute Nachricht ist: Digitale Sicherheit lässt sich lernen. Wenn Kinder früh verstehen, welche Informationen sensibel sind und wie sie ihre Privatsphäre schützen können, entwickeln sie ein gesundes Bewusstsein für den Umgang mit sozialen Medien.
Denn Sicherheit endet längst nicht mehr an der Haustür oder auf dem Schulweg, sondern geht weiter im Netz.
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/ich-weiss-wo-eure-kinder-sind-hacker-klaert-ueber-social-media-auf,hacker-226.html

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