Ein gesundes Selbstwertgefühl gehört zu den wichtigsten Schutzfaktoren für Kinder. Es hilft ihnen, Herausforderungen zu meistern, Rückschläge zu verkraften, Konflikte zu lösen und sich in der Welt sicher zu fühlen. Selbstbewusste Kinder können klarer kommunizieren, sich besser abgrenzen und sind weniger anfällig für Mobbing oder riskantes Verhalten. Doch wie entsteht Selbstwert eigentlich und was können Eltern konkret tun, um ihn zu fördern?
Viele glauben, Selbstbewusstsein wachse vor allem durch Lob, gute Leistungen oder Erfolge. Tatsächlich entsteht ein stabiler Selbstwert aber im Alltag: durch Verlässlichkeit, echtes Interesse, Zugehörigkeit, emotionale Sicherheit und das Gefühl, wirksam zu sein. Hier sind sieben Strategien, die Eltern sofort anwenden können – ohne Druck, ohne Perfektionismus und ohne zusätzliche To-dos.
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Beziehung vor Erziehung: Emotionale Bindung als Basis
Bevor Kinder lernen, sich selbst zu vertrauen, müssen sie jemandem vertrauen können. Daher ist eine sichere Bindung der wichtigste Motor für einen gesunden Selbstwert. Was bedeutet das im Alltag?
· Blickkontakt, wenn das Kind etwas erzählt
· Berührungen wie eine Hand auf der Schulter
· echtes Zuhören statt „nebenbei reagieren“
· Interesse an Gefühlen und nicht nur an Ergebnissen
Kinder brauchen das Gefühl, wichtig zu sein, auch ohne dafür Leistung erbringen zu müssen.
Tipp: Jeden Tag 10 Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit wirken stärker als jede große Unternehmung. -
Realistisches Lob statt Dauer-Bejubelung
Überhöhtes oder inflationäres Lob wie: „Du bist der Beste!“ oder „Das hast du perfekt gemacht!“ kann Kinder sogar unter Druck setzen. Es vermittelt: „Ich muss perfekt sein, um gut genug zu sein.“
Stärkendes Lob hingegen ist:
· konkret z. B.: „Du bist lange an der Aufgabe drangeblieben, obwohl es schwierig war.“
· verhaltensbezogen statt personenbezogen
· ehrlich und nicht überzogenDer Glauben daran, Probleme aus eigener Kraft lösen zu können, stärkt das Selbstbewusstsein.
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Kinder dürfen Fehler machen und daraus lernen
Fehler sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind Lernschritte. Kinder, die Fehler machen dürfen, entwickeln Mut, Kreativität und innere Stärke. Eltern können das fördern, indem sie:
· Misslungenes nicht dramatisieren
· sich selbst beim Fehler-machen zeigen
· lösungsorientiert begleiten
· Erfolge nicht mit Perfektion verknüpfenEine einfache Frage stärkt enorm:„Was hast du heute Neues ausprobiert?“ Das signalisiert: Der Mut zählt und nicht nur das Ergebnis.
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Verantwortung übertragen – aber altersgerecht
Kinder brauchen Gelegenheiten, Verantwortung zu übernehmen. Dadurch wachsen Selbstvertrauen und Kompetenz. Wichtig ist, dass Aufgaben nicht überfordern, sondern Erfolgserlebnisse ermöglichen.
Geeignete Beispiele:
· Tisch decken
· kleine Entscheidungen treffen, wie z. B.: „Was ziehe ich heute an?“
· Geld für eine kleine Besorgung verwalten
· Wochenaufgaben, die dauerhaft bei ihnen bleibenEltern sollten unterstützen, aber nicht kontrollieren, denn das stärkt die Autonomie.
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Gefühle ernst nehmen, statt „wegtrösten“
Viele Erwachsene neigen dazu, unangenehme Gefühle des Kindes schnell beruhigen zu wollen. Sätze wie: „Ist doch nicht so schlimm.“ fallen schnell. Doch starke Kinder entstehen nicht dadurch, dass sie keine schwierigen Gefühle erleben, sondern dadurch, dass sie lernen, sie zu regulieren.
Dazu gehört:
· Gefühle benennen: „Du wirkst enttäuscht, weil …“
· Verständnis zeigen
· gemeinsam Strategien entwickeln, wie z. B.: „Was hilft dir in solchen Momenten?“So entsteht emotionale Kompetenz – ein zentraler Pfeiler von Selbstwert und Resilienz.
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Klare Grenzen geben Halt und Orientierung
Selbstwert entsteht auch durch Struktur. Klare, liebevolle Grenzen vermitteln Sicherheit und das Gefühl: „Jemand passt auf mich auf.“
Grenzen sollten:
· verständlich erklärt
· vorhersehbar
· konsequent, aber nicht hart
· respektvoll kommuniziert werdenKinder, die liebevoll geführt werden, fühlen sich nicht eingeschränkt, sondern geschützt.
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Vorbild sein: Kinder lernen Selbstwert nicht durch Worte, sondern durch Beobachtung
Kinder orientieren sich an dem, was Eltern vorleben. Wer gut mit sich selbst umgeht, vermittelt seinem Kind automatisch:
· Selbstannahme
· gesunde Grenzen
· konstruktive Konfliktlösung
· Leistungsdruck in Balance
· den Umgang mit FehlernDas bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, bewusst zu sein: Wie spreche ich über mich? Wie gehe ich mit Stress um? Wie behandelt man mich und wie erlaube ich es?
Kleine Momente – große Wirkung
Selbstwert entsteht nicht an außergewöhnlichen Tagen, sondern in der Summe der kleinen Interaktionen:
· das gemeinsame Lachen
· ein sanftes „Ich bin für dich da“
· die Ermutigung nach einem Rückschlag
· das Gefühl, gesehen zu werden
· die Erfahrung, etwas selbst geschafft zu haben
Diese Momente bleiben. Sie prägen. Sie machen Kinder tatsächlich stark.
Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
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