Wenn Kinder andere Kinder töten

Was Gewalttaten unter Kindern über Risiken, Verantwortung und Prävention offenbaren

Wenn in Deutschland über schwere Gewalt oder sogar Tötungsdelikte unter Kindern und Jugendlichen berichtet wird, ist die gesellschaftliche Betroffenheit besonders groß. Solche Fälle erschüttern nicht nur wegen ihres Ausmaßes, sondern auch, weil sie das verbreitete Bild von Kindheit als geschütztem Raum infrage stellen. Zwar machen Kinder und Jugendliche insgesamt nur einen kleinen Anteil der registrierten Gewaltkriminalität aus, doch die Entwicklung gibt Anlass zur Sorge: Laut Bundeskriminalamt stieg 2024 die Zahl junger Tatverdächtiger bei Gewaltdelikten, darunter auch Mord und Totschlag. Der Anteil lag bei Kindern bei knapp sieben Prozent und bei Jugendlichen bei fast 16 Prozent.

Gewalt unter Kindern ist zwar real, aber selten monokausal. Täterinnen und Täter sind keine „Monster“, sondern junge Menschen, deren Handeln oft in komplexen biografischen, sozialen und psychischen Belastungen wurzelt. Manchmal eskalieren Konflikte spontan, häufiger entwickeln sie sich aber aus anhaltender Frustration, Ausgrenzung oder dem Gefühl von Ohnmacht. Warum ein Kind extrem gewalttätig handelt und ein anderes nicht, lässt sich nicht pauschal erklären. Gerade weil die Ursachen vielschichtig sind, muss Prävention frühzeitig und auf mehreren Ebenen ansetzen.

Die Ursachen liegen häufig sowohl in persönlichen Belastungen als auch in sozialen Rahmenbedingungen. Kinder wachsen heute in einer Welt auf, die sich rasant verändert hat: brüchigere Beziehungen, hohe Alltagsbelastung und eine permanente digitale Präsenz, in der auch Gewalt allgegenwärtig ist. Das erklärt zwar noch keine Tat, beeinflusst aber, wie junge Menschen Konflikte wahrnehmen, Gefühle verarbeiten und auf Spannungen reagieren.
Ein weiterer Punkt ist die zunehmende Belastung durch psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen. Fachleute berichten, dass psychische Erkrankungen und Probleme mit der Impulskontrolle bei jungen Menschen zugenommen haben. Solche inneren Spannungen können in Verbindung mit anderen Stressoren dazu beitragen, dass Gewalt zur einzigen Handlungsoption wird – nicht weil Kinder von Natur aus gewalttätig sind, sondern weil ihnen die Kompetenzen fehlen, Konflikte anders zu lösen oder belastende Emotionen zu regulieren.

Bei Fällen extremer Gewalt, ausgeübt durch Kinder, wird häufig über härtere strafrechtliche Konsequenzen diskutiert. In Deutschland gilt aktuell die Strafmündigkeit ab 14 Jahren. Die wiederkehrende Debatte darüber, ob dieses Alter herabgesetzt werden sollte, zeigt zwar das gesellschaftliche Bedürfnis nach Antworten, jedoch dürfen dabei nicht die tieferliegenden Ursachen aus dem Blick verloren werden.

Für Eltern, Pädagog*innen und alle, die sich für präventive Sicherheit einsetzen, ist genau das ein entscheidender Punkt: Gewaltvermeidung beginnt nicht erst im Moment der Tat, sondern weit früher im Alltag. Kinder und Jugendliche entwickeln Gewaltbereitschaft schließlich nicht im luftleeren Raum, sondern dort, wo sie Gefühle wie Ohnmacht, Frustration, Ungerechtigkeit, Ausgrenzung oder fehlende Kommunikationskompetenzen nicht anders ausdrücken können. Wenn diese Gefühle nicht gesehen, nicht verstanden und begleitet werden, steigt das Risiko, dass sich langfristig problematische Verhaltensweisen entwickeln.

Das heißt konkret: Prävention ist ein Thema der Beziehung. Kinder brauchen eine Umgebung, in der sie lernen, Konflikte verbal, konstruktiv und mit Perspektiven anderer zu lösen. Sie brauchen Erwachsene, die ihnen helfen, Stimmungen wie Wut, Angst oder Traurigkeit zu verstehen und auszudrücken, bevor sie sich in körperliche Auseinandersetzungen verwandeln. Sie brauchen soziale Räume, in denen sie verbindliche Regeln lernen, aber auch Unterstützung erfahren, wenn sie diese nicht einhalten. Das stärkt nicht nur individuelles Verhalten, sondern fördert kollektive Normen des Respekts und des sozialen Miteinanders.

Der Ansatz von Sicher & Stark richtet sich genau auf diese Felder: Es geht nicht nur um Schutz im Sinne von äußerer Sicherheit, sondern um die Stärkung innerer Kompetenzen wie Selbstwert, Konfliktfähigkeit, Selbstbehauptung und Empathie. Lernt ein Kind früh, dass es gehört wird, seine Gefühle ernst genommen werden und es konstruktive Wege gibt, Spannungen zu bewältigen, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass es Gewalt als Lösung einsetzt.

Dabei muss nicht jede Form von kindlicher Impulsivität oder Aggression gleich pathologisiert werden. Vielmehr geht es darum, Kontext zu schaffen: stabile Bindungen, funktionierende soziale Netzwerke sowie Räume für Beteiligung und Mitbestimmung. All das sind Faktoren, die zur Resilienz beitragen und so Gewalt entgegenwirken können.

Die nüchterne, aber hoffnungsvolle Perspektive lautet: Kinder, die sich wahrgenommen fühlen, lernen, Konflikte anders zu lösen als mit Gewalt und entwickeln soziale Kompetenzen, sind weniger anfällig für extreme Gewalttaten. Prävention beginnt früh, lange vor dem Moment der Eskalation, und sie ist eine gemeinsame Aufgabe von Familien, Pädagog*innen und Gesellschaft. Kein einfacher Weg, aber einer, der Kinder, Familien und die Gesellschaft sicherer und stärker macht.

Quellen: https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2024/Polizeiliche_Kriminalstatistik_2024/Polizeiliche_Kriminalstatistik_2024_node.html?

https://www.wa.de/deutschland/psychiater-holtmann-kinder-die-toeten-sind-keine-monster-94181872.html?

https://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article6993da52f1c55d28ade6a861/wenn-kinder-zu-gewalttaetern-werden.html?

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein fachübergreifendes Team aus der Pädagogik, der Psychologie und der IT zusammen mit ehemaligen Polizeikräften für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Fachkräfte-Weiterbildungen, Elterntrainings und Webinare an. Mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. In der analogen wie in der digitalen Welt.
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Autorin: Daniela Schönwald

„Ich weiß, wo eure Kinder sind“

Was Social Media über Kinder verrät und warum Eltern genauer hinschauen sollten

„Ich weiß, wo eure Kinder sind.“

Mit diesem Satz beginnt der IT-Experte und Hacker Sascha Bolmer häufig seine Vorträge vor Eltern und Schulklassen. Für einen Moment wird es still im Raum. Der Satz klingt wie eine Drohung, ist aber eine Demonstration. Bolmer zeigt, wie leicht sich über öffentlich zugängliche Informationen im Internet Details über Kinder und ihre Familien herausfinden lassen. Ein Foto auf Instagram, eine Standortmarkierung bei TikTok oder ein Kommentar unter einem Video – einzeln wirken solche Beiträge harmlos. Zusammengenommen können sie jedoch ein erstaunlich genaues Bild vom Alltag eines Kindes ergeben. Wer genau hinsieht, kann aus scheinbar nebensächlichen Informationen ein digitales Profil erstellen. Diese Demonstrationen sollen nicht verunsichern, sondern sensibilisieren. Denn viele Kinder bewegen sich heute selbstverständlich in sozialen Netzwerken, ohne sich bewusst zu sein, welche Spuren sie dort hinterlassen. Gleichzeitig teilen auch Eltern häufig Fotos oder Informationen über ihre Kinder im Internet. Aus Sicht von IT-Sicherheitsexperten entsteht so schnell ein umfangreiches digitales Profil, das für weit mehr Menschen sichtbar ist, als ursprünglich gedacht.

Wenn der Alltag zum digitalen Puzzle wird

Das Risiko entsteht selten durch einen einzelnen Beitrag. Problematisch wird es erst, wenn viele kleine Informationen zusammenkommen. Ein Foto vor der Schule, ein Hinweis auf das Fußballtraining oder ein Video vom Heimweg können gemeinsam ein erstaunlich genaues Bild des Alltags ergeben.
Experten sprechen hier von einem digitalen Puzzle: Einzelne Details wirken unbedeutend, ergeben zusammen jedoch ein vollständiges Profil. Aufenthaltsorte, Gewohnheiten oder soziale Kontakte lassen sich daraus oft relativ leicht ableiten. Dafür braucht es häufig nicht einmal aufwendige Hackerangriffe. Viele Informationen sind öffentlich zugänglich, weil Profile nicht ausreichend geschützt sind oder Nutzer sehr offen posten. In solchen Fällen reicht oft schon eine einfache Recherche im Netz, um überraschend viele Details über eine Person zu erfahren. Gerade bei Kindern kann das jedoch problematisch werden.

Warum Kinder im Netz besonders verletzlich sind

Kinder und Jugendliche wachsen in einer digitalen Welt auf, in der Kommunikation, Selbstdarstellung und soziale Beziehungen eng mit Online-Plattformen verbunden sind. Likes und Kommentare schaffen Aufmerksamkeit und Anerkennung, was ein starker Anreiz ist, Inhalte zu teilen.
Doch mit jedem Beitrag entstehen digitale Spuren. Bilder, Videos und Kommentare können dauerhaft gespeichert, kopiert oder weiterverbreitet werden. Oft enthalten Fotos zudem mehr Informationen, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Gebäude, Straßenschilder oder Vereinslogos im Hintergrund können Hinweise auf Orte liefern.
Hinzu kommt ein weiteres Phänomen: Viele Eltern posten stolz Bilder ihrer Kinder im Internet. Dieses Verhalten wird inzwischen häufig als „Sharenting“ bezeichnet. Dadurch entstehen digitale Profile von Kindern, noch bevor sie selbst entscheiden können, welche Informationen sie preisgeben möchten.

Digitale Sicherheit beginnt mit Medienkompetenz

Für Prävention bedeutet das: Digitale Sicherheit gehört heute selbstverständlich zur Erziehung. Kinder müssen lernen, persönliche Daten genauso zu schützen wie ihre körperlichen Grenzen.
Dabei geht es nicht darum, soziale Medien grundsätzlich zu verbieten. Sie sind längst Teil des Alltags junger Menschen. Entscheidend ist vielmehr, dass Kinder verstehen, welche Informationen sensibel sind und welche Folgen unbedachtes Teilen haben kann.

Besonders vorsichtig sollte man mit folgenden Angaben umgehen:

  • vollständiger Name, Adresse oder Telefonnummer
  • Schulnamen, tägliche Wege oder regelmäßige Aufenthaltsorte
  • Fotos, die Rückschlüsse auf Wohnort oder Freizeitorte zulassen

Solche Informationen können in falschen Händen missbraucht werden, wie etwa für Betrugsversuche, Identitätsdiebstahl oder unerwünschte Kontaktaufnahmen.

Kinder im digitalen Alltag begleiten

Kinder brauchen deshalb nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch Orientierung. Medienkompetenz bedeutet, Risiken zu erkennen, Informationen kritisch zu hinterfragen und bewusst zu entscheiden, was öffentlich sein soll.
Eltern spielen dabei eine entscheidende Rolle. Offene Gespräche über Social Media sind oft wirksamer als strenge Verbote. Wenn Kinder über ihre Online-Erfahrungen sprechen können, entsteht Vertrauen und gleichzeitig die Möglichkeit, Risiken gemeinsam zu besprechen.
Ebenso hilfreich ist es, gemeinsam Regeln für den Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Dazu gehört etwa, Privatsphäre-Einstellungen zu prüfen, Kontakte bewusst auszuwählen und regelmäßig darüber zu sprechen, welche Inhalte online geteilt werden.

Kinder stark machen – auch online

Der Satz „Ich weiß, wo eure Kinder sind“ wirkt zunächst erschreckend. Tatsächlich zeigt er vor allem, wie transparent unser Alltag im Internet geworden ist.
Die gute Nachricht ist: Digitale Sicherheit lässt sich lernen. Wenn Kinder früh verstehen, welche Informationen sensibel sind und wie sie ihre Privatsphäre schützen können, entwickeln sie ein gesundes Bewusstsein für den Umgang mit sozialen Medien.
Denn Sicherheit endet längst nicht mehr an der Haustür oder auf dem Schulweg, sondern geht weiter im Netz.
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/ich-weiss-wo-eure-kinder-sind-hacker-klaert-ueber-social-media-auf,hacker-226.html

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein fachübergreifendes Team aus der Pädagogik, der Psychologie und der IT zusammen mit ehemaligen Polizeikräften für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Fachkräfte-Weiterbildungen, Elterntrainings und Webinare an. Mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. In der analogen wie in der digitalen Welt.
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Autorin: Daniela Schönwald