Safer Internet Day 2026: Stärke und Schutz für Kinder im digitalen Alltag

Der Safer Internet Day am 10. Februar 2026 nimmt die Chancen und Risiken des digitalen Lebens in den Blick und rückt die Förderung von Medienkompetenz in den Fokus. Kinder wachsen heute in einer Welt auf, in der digitale und reale Erfahrungen eng miteinander verbunden sind. Eltern und pädagogische Fachkräfte begleiten sie dabei und bieten zugleich einen verlässlichen Schutzraum. Für sicher und stark ist dieser Tag ein Anlass, Familien und Fachkräfte mit konkreten, alltagstauglichen Impulsen zu unterstützen –, denn Kinder brauchen im digitalen Raum nicht nur technische Hinweise, sondern vor allem Vertrauen, Orientierung und klare Begleitung.

Digitale Kompetenzen als Basis für selbstbewusste und geschützte Kinder

Medienkompetenz zu erlangen bedeutet nicht nur „wissen, wie ein Gerät funktioniert“, sondern sie bedeutet, dass Kinder lernen:

  • Informationen kritisch einzuordnen,
  • eigene Grenzen zu setzen,
  • Risiken zu erkennen und
  • sich sicher und selbstbewusst im Netz zu bewegen.

1) Dialog statt Kontrolle: Gespräche über digitale Welt kultivieren

Ein häufiger Wunsch vieler Eltern ist es, Kinder vor Gefahren zu bewahren. Gleichzeitig kann reine Kontrolle jedoch dazu führen, dass Kinder digitale Räume eher verstecken, als sie gemeinsam zu gestalten. Offene und regelmäßige Gespräche sind hier der Schlüssel, um Vertrauen zu wachsen zu lassen.
Konkrete Idee: Macht wöchentliche Mediengesprächen zu eurem kleinen Ritual: zehn Minuten, um gemeinsam über alles zu sprechen, was online passiert ist.

  • Was fand dein Kind online interessant oder lustig?
  • Gab es etwas, das seltsam oder beunruhigend wirkte?
  • Welche Fragen tauchen auf, und wie kann man gemeinsam Antworten finden?

So entsteht Medienkompetenz im Dialog und nicht als eine von oben diktierte Vorschrift.

2) Gemeinsames Erkunden: Medien nicht nur als Risiko, sondern als Lernraum sehen

Das Internet kann ein Ort zum Lernen, Ausprobieren und kreativ werden sein. Kinder sollten daher nicht nur vor Gefahren gewarnt werden, sondern begleitet entdecken, wie digitale Angebote funktionieren.
Praxis-Tipp: Sitzt gemeinsam mit älteren Kindern an einem Rechner oder Tablet und schaut euch eine neue App, ein Spiel oder einen Video-Kanal an. Stellt Fragen wie:

  • Was gefällt dir an dieser Seite?
  • Welche Informationen sind dort ernst gemeint, und was ist nur Unterhaltung?
  • Wie erkennst du, ob eine Quelle glaubwürdig ist

Durch gemeinsames Erkunden lernen Kinder immer besser, Inhalte selbst einzuschätzen.

Wie können Fake News überprüft werden?

3) Technische Schutz- und Hilfsmittel sinnvoll nutzen

Technische Tools wie Kindersicherungen, Jugendschutz-Einstellungen oder Bildschirmzeit-Limits können den Alltag erleichtern — sie ersetzen aber nicht den dialogischen Blick.
Umsetzungstipps:

  • Legt gemeinsam mit euren Kindern Bildschirmzeit-Regeln fest, die sowohl ihre Bedürfnisse als auch Eltern-Sorgen berücksichtigen.
  • Nutzt Geräte- und App-Einstellungen sinnvoll: z. B. Privatsphäre-Einstellungen, Suchfilter oder Familiensicherungen.
  • Erklärt, warum diese Einstellungen da sind — so wird der Schutz nicht als „Verbot“, sondern als Verantwortungs-Tool verstanden.

Technik kann unterstützen, wenn sie gemeinsam ausgewählt und erklärt wird, statt nur als einseitige Barriere zu fungieren.

4) Regeln gemeinsam aufstellen: Beteiligung stärkt Selbstverantwortung

Kinder und Jugendliche nehmen Regeln besser an, wenn sie an deren Formulierung beteiligt werden. Setzt euch zusammen und entwickelt einen „Familien-Medienkodex“:
Beispiele für solche Regeln:

  • „Wir posten nichts, was jemand anderen verletzen könnte.“
  • „Private Daten gehören nicht in öffentliche Chats.“
  • „Wenn etwas online komisch oder schwer zu verstehen ist, fragen wir und wenden uns an die Eltern.“

Das gemeinsame Festlegen von Regeln fördert Verantwortungsgefühl und stärkt die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen.

5) Diese Themen sollten Kinder im digitalen Alltag kennen

a) Fake News und Täuschung
Erklärt euren Kindern, wie Bilder und Nachrichten manipuliert sein können. Zeigt Beispiele und fragt: „Was wirkt echt? Worauf muss man achten?“
b) Umgang mit KI-Bots und Chats
Sprecht darüber, was KI leisten kann und wo Vorsicht nötig ist, besonders bei emotional wirkenden Antworten und beim Teilen persönlicher Informationen.
c) Cybermobbing erkennen und intervenieren
Kinder sollten wissen, wie sie Anzeichen von Mobbing online erkennen und wie sie sich und andere unterstützen können (z. B. durch Ermutigung, Screenshots machen und Hilfe holen).

6) Positive Mediennutzung fördern, anstatt nur Risiken benennen

Medienkompetenz heißt auch, Kinder zu befähigen, Medien bewusst und sinnvoll zu nutzen:
Kreative Projekte: Kinder können z. B. ein eigenes kurzes Video drehen, einen Blog schreiben oder ein digitales Storytelling gestalten. Recherchieren lernen: Gemeinsam sucht ihr Informationen zu einem Thema, vergleicht Quellen und bewertet deren Qualität.
So wird Medienkompetenz zum Werkzeug für Gestaltung und nicht nur für Vermeidung.

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
Mehr Infomationen: https://www.sicher-stark-team.de/

Quellen: https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/gefahren-im-internet/medienkompetenz/?utm_source

https://www.familienportal.nrw/de/10-bis-16-jahre/gesundheit-kind/sicher-surfen?utm_source

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Autorin: Daniela Schönwald

Warum moderne Erziehung mehr bedeutet als Regeln oder grenzenlose Freiheit

Eltern stehen heute vor einer Herausforderung: Einerseits möchten sie ihre Kinder liebevoll begleiten, sensibel auf Bedürfnisse eingehen und starke Beziehungen aufbauen. Andererseits sollen Grenzen gesetzt, Regeln vermittelt und soziale Normen eingeübt werden. Viele nutzen den Begriff „bedürfnisorientierte Erziehung“. Doch was bedeutet das wirklich? Und wie lässt sich dieser Ansatz mit dem Bedürfnis nach Sicherheit, Orientierung und klarer Struktur verbinden, ohne in Beliebigkeit zu verfallen?
Bedürfnisorientierte Erziehung wird oft missverstanden als „Kinder dürfen alles“ oder „alles wird akzeptiert, Hauptsache das Kind fühlt sich gut“. Doch genau das ist damit nicht gemeint und genau hier liegt die Gefahr, die Eltern oft verunsichert. Bedürfnisorientierung bedeutet nicht grenzenlose Freiheit, sondern achtsame Führung: verstanden als ein Erziehungsstil, der Bedürfnisse wahrnimmt, kommuniziert und mit klaren, altersgerechten Strukturen ergänzt.

Was bedeutet „bedürfnisorientiert“ wirklich?

Der Kern dieses Ansatzes ist einfach, aber tief: Kinder haben Gefühle, Wünsche, Unsicherheiten und diese haben Bedeutung. Bedürfnisorientierte Erziehung besagt, dass Eltern diese Gefühle nicht ignorieren, belächeln oder sofort bestrafen, sondern sie wahrnehmen, benennen und mit dem Kind gemeinsam betrachten.
Das bedeutet etwa:
· Zuhören statt sofort reagieren
· Wahrnehmen statt abwerten
· Erklären statt bestrafen
Das Ziel ist nicht, Kinder in das Chaos zu entlassen, sondern ihnen zu helfen, ihre innere Welt zu verstehen und in äußere Regeln einzuordnen.
Der renommierte Erziehungswissenschaftler Jesper Juul beschreibt das treffend: In einer bedürfnisorientierten Beziehung gehe es darum, Beziehungsqualität herzustellen, nicht um reine Bedürfnisbefriedigung.

Bedürfnisorientiert heißt nicht: „Kinder dürfen alles.“

Ein zentraler Irrtum ist die Annahme, dass Bedürfnisorientierung bedeutet, Kindern alles zu erlauben. Ganz ohne Grenzen, Regeln oder Konsequenzen. Diese Sicht greift jedoch zu kurz. Bedürfnisse sind ein Ausgangspunkt, nicht aber das Ende der Erziehung.
Grenzen sind nicht per se „unerfüllte Bedürfnisse“. Sie sind vielmehr ein notwendiger Bestandteil von Sicherheit und Entwicklung, den Kinder für ihre Orientierung brauchen.
Kinder brauchen:
· Struktur und Verlässlichkeit
· Konsistente Regeln
· Klare Grenzen, die erklären statt verbieten
· Konsequente, aber liebevolle Begleitung
Kinder ohne klare Grenzen werden nicht „freier“ oder „stärker“. Sie erleben vielmehr Unsicherheit: Was ist erlaubt? Was nicht? Was passiert, wenn ich das nicht einhalte?
Bedürfnisorientierung bedeutet daher: Ich nehme die Gefühle und Wahrnehmungen meines Kindes ernst, aber ich begleite es gleichzeitig mit klaren Regeln und einer sicheren Struktur.

Wie setze ich Grenzen, ohne die Bedürfnisse zu ignorieren?

1. Grundbedürfnisse zuerst verstehen
Kinder haben grundlegende Bedürfnisse nach Nähe, Stabilität, Anerkennung und Sicherheit. Wenn ein Kind wütend reagiert, ist nicht primär das Verhalten das Problem, sondern das unerfüllte Gefühl dahinter. Eltern können versuchen, zuerst zu verstehen, bevor sie reagieren.
Beispiel: „Es sieht so aus, als wärst du enttäuscht, weil … Magst du mir erzählen, was du fühlst?“

2. Regeln erklären statt „durchzusetzen“
Kinder verstehen besser, wenn sie den Sinn hinter Regeln erkennen. Ein schlichtes „Du darfst das nicht!“ hilft wenig. Ein „Du darfst das nicht, weil …“ schafft Einsicht.
Beispiel: „Wir gehen gleich essen, deshalb kannst du jetzt nicht weiterspielen.“
So entsteht kein Machtkampf, sondern Verständnis.

3. Konsequenzen sind kein Widerspruch zu Nähe
Konsequenzen können logisch und liebevoll sein. Kinder müssen lernen, dass Handlungen Folgen haben, denn das ist ein Grundprinzip von realer Sicherheit und sozialem Miteinander.
Beispiel: Ein Kind räumt sein Spielzeug nicht weg → Konsequenz: Es wird erst wieder nach dem Aufräumen gespielt. Das ist kein Bestrafen, sondern ein klares, nachvollziehbares Ergebnis.

Bedürfnisorientierte Erziehung und Sicherheit gehen Hand in Hand

Sicher und Stark steht für ganzheitliche Kindersicherheit, nicht nur physisch (z. B. Schulweg, Gefahrenvermeidung), sondern auch psychisch. Bedürfnisorientierte Erziehung ist ein Baustein dieser psychischen Sicherheit.
Kinder, die spüren:

  • „Meine Eltern hören mir zu“,
  • „Ich werde ernst genommen“,
  • „Meine Gefühle zählen“,

… entwickeln ein starkes Selbstwertgefühl. Und genau dieses Selbstwertgefühl macht Kinder robuster gegenüber Mobbing, Gruppendruck, Unsicherheit oder schwierigen Lebensphasen.
Bedürfnisorientierung bedeutet also nicht „Alles ist erlaubt!“, sondern vielmehr: Ich achte dich, aber ich begleite dich mit klaren Leitplanken.

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
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Autorin: Daniela Schönwald

Kinderrechte als Bausteine für Demokratie: Warum die Stimmen junger Menschen gehört werden müssen

Jedes Jahr am 20. September rückt der Weltkindertag Kinderrechte und das Leben junger Menschen in den Fokus von Politik und Gesellschaft. Im letzten Jahr (2025) lautete das Motto „Kinderrechte – Bausteine für Demokratie!“. Damit verbunden sind nicht nur Feste und Veranstaltungen, sondern auch politische Forderungen, wie z. B. die Kinderrechte endlich in das deutsche Grundgesetz aufzunehmen. Diese Forderung hat in den letzten Jahren wieder an Dynamik gewonnen und wird von vielen Expert:innen, Kinder- und Jugendverbänden sowie politischen Entscheidungsträger:innen unterstützt, weil sie einen grundlegenden Wandel in der Anerkennung und Teilhabe junger Menschen markieren würde.

Was sind Kinderrechte und warum reden wir darüber?

Die Grundlage der aktuellen Debatte ist die UN-Kinderrechtskonvention, die am 20. November 1989 von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurde. Deutschland ratifizierte sie 1992, und seitdem gilt sie als rechtlich bindender Rahmen für Kinderrechte. Die Konvention benennt u. a. Rechte auf Schutz, Förderung, Beteiligung, Bildung, Gesundheit und freie Meinungsäußerung.
Trotz dieser rechtlichen Grundlage bleiben Kinderrechte in Deutschland bisher nicht ausdrücklich im Grundgesetz verankert. Das bedeutet: Zwar sind Kinder formal durch allgemeine Menschenrechte geschützt, doch ihre speziellen Bedürfnisse und Rechte werden nicht im höchsten deutschen Verfassungsdokument ausdrücklich genannt. Viele Expert:innen und Organisationen sehen darin ein Problem: So argumentieren UNICEF Deutschland, das Deutsche Kinderhilfswerk und der Deutsche Kinderschutzbund, dass eine explizite Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz langfristig zu einem verbindlicheren Schutz, mehr Teilhabe und einer stärkeren Wahrnehmung der besonderen Lage von Kindern beitragen würde.

Kinder

„Keine Entscheidung ohne Kinder“ – ein neues Verhältnis

Im Zentrum der Debatte steht ein Grundsatz: Kinder und Jugendliche sollten nicht mehr nur als Objekte von Entscheidungen gesehen werden, sondern als Subjekte, die ein originäres Recht auf Mitwirkung, Schutz und Förderung haben. Dieser Gedanke wurde auch zum Weltkindertag 2025 von Holger Paech, dem Kinder- und Jugendbeauftragten des Landes Sachsen-Anhalt, betont. Er erklärte: „Die Beteiligung von jungen Menschen ist kein Kann, sondern ein Muss. Wir sollten uns schnellstens davon trennen, Kinder und Jugendliche als Objekte zu betrachten, für welche die Erwachsenen die Entscheidungen treffen müssen.“
Damit meint er mehr als formale Beteiligung: Es geht um ein grundlegendes Umdenken in Politik, Gesellschaft und Verwaltung – hin zu einem Modell, das Kinder als aktive und ernstzunehmende Mitgestalter ihrer Lebenswirklichkeit anerkennt. Entscheidungen, die junge Menschen betreffen, wie etwa zu Bildung, Gesundheit, Freizeit oder ökologischer Zukunft, sollten nicht ohne ihre Perspektive getroffen werden.

Vom Papier in die Praxis: Was Kinderrechte konkret bedeuten

Kinderrechte im Grundgesetz wären mehr als ein symbolischer Schritt. Sie könnten rechtlich stärkere Schutzmechanismen schaffen, etwa indem Gerichte, Behörden und Gesetzgeber verpflichtet würden, Kinderrechte bei allen Entscheidungen systematisch zu berücksichtigen. In der Praxis würde das bedeuten:

  1. Beteiligung in Schule und Gemeinde: Schüler:innenräte, Jugendparlamente oder partizipative Budgets könnten systematisch in Entscheidungsprozesse eingebunden werden.
  2. Sozialrechtliche Sicherung: Kinderrechte auf Gesundheit, Ernährung und Bildung könnten klarer als staatliche Pflicht definiert werden.
  3. Verbindliche Beteiligungsprozesse: Bei städtischen Planungen, Mobilität, Freizeit- oder Klimaprojekten wäre die Meinung junger Menschen kein „Nice-to- have“, sondern ein verbindliches Element.

Kinderrechtsexpert:innen betonen, dass Partizipation nicht nur ein „schöner Zusatz“ ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für demokratisches Lernen und soziale Verantwortung. Junge Menschen, die erleben, dass ihre Meinung zählt, entwickeln ein stärkeres demokratisches Bewusstsein und Handlungskompetenz – Grundpfeiler einer lebendigen Demokratie.

Argumente für eine Aufnahme ins Grundgesetz

Schutz und Sichtbarkeit: Indem Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden, entsteht eine rechtliche Verpflichtung, Kinder in allen relevanten Bereichen wie z. B. Bildung und Gesundheit zu schützen.
Rechtliche Klarheit: Heute müssen Gerichte und Behörden Kinderrechte aus allgemeinen Grundrechten ableiten. Eine klare Verfassungsnorm würde diesen Schutz eindeutiger machen und Rechtssicherheit schaffen.
Partizipation fördern: Kinder und Jugendliche möchten nicht nur gehört werden, sondern sie wollen aktiv mitgestalten. Eine Verankerung ihrer Rechte würde diese Beteiligung systematisch stärken. Ähnlich argumentieren Abgeordnete des Deutschen Bundestages, wonach Mitbestimmung auch Schulen, Jugendverbände und kommunale Gremien einschließen sollte.
Gesellschaftlicher Konsens: Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz befürwortet. Dieser breite gesellschaftliche Rückhalt zeigt: Viele Menschen sehen den Wert einer strukturellen Reform.

Herausforderungen und Gegenargumente

Natürlich ist eine Verfassungsänderung kein leichter Prozess. Per Gesetzeslage erfordert eine Änderung des Grundgesetzes eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag und Bundesrat. Einige Kritiker:innen argumentieren, dass bestehende Grundrechte bereits einen ausreichenden Schutz bieten und zusätzliche Klauseln im Grundgesetz redundant oder symbolisch seien. Andere warnen, dass eine zu enge Fokussierung auf Kinderrechte bestehende Elternrechte beeinträchtigen könnte.
Diese Argumente zeigen, dass es nicht nur darum geht, Rechte zu formulieren, sondern sie auch sinnvoll umzusetzen, ohne bestehende Schutzmechanismen zu verwässern. Die Diskussion bleibt daher anspruchsvoll, aber sie eröffnet auch einen Dialog darüber, wie Gesellschaft sich die Zukunft der Kinder vorstellen will.

Beteiligung stärken: Praxisbeispiele und Initiativen

Ein konkreter Ansatz jenseits der Verfassungsdebatte sind niedrigschwellige Beteiligungsprojekte. In Sachsen-Anhalt wurde zum Beispiel ein Fördertopf für Kinder- und Jugendprojekte eingerichtet, der Initiativen mit 500 bis 1.000 Euro unterstützt. Er soll junge Menschen ermutigen, eigene Ideen für gesellschaftliche Teilhabe umzusetzen und ihnen die Struktur bieten, diese aktiv zu leben.
Solche Projekte – sei es ein Jugendstadtrat, ein Schulprojekt zur nachhaltigen Stadtentwicklung oder ein Mitmach-Festival – leisten einen Beitrag zur gelebten Demokratie. Sie zeigen: Beteiligung ist kein abstraktes Konzept, sondern kann im Alltag von Kindern und Jugendlichen stattfinden.

Quelle: https://www.magdeburg-klickt.de/beauftragter-zum-weltkindertag-kinderrechte-ins-grundgesetz-beteiligung-junger-menschen-bereichert-unsere-demokratie/

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Kindern täglich zuhören: Warum 30 Minuten echte Aufmerksamkeit so wichtig sind

In einer Zeit, in der Bildschirm-Kommunikation, Termine und Alltagsstress den Takt vorgeben, wächst bei vielen Familien das Gefühl, nicht genug Zeit miteinander zu verbringen. Kinder fühlen das. Auch sie erleben, wie schnell Worte vorbeirauschen, wie oft Aufmerksamkeit geteilt wird zwischen Arbeit, Chats und Medien. Vor diesem Hintergrund gibt der Jugendexperte Florian Böll eine einfache, aber kraftvolle Empfehlung: Eltern sollten täglich mindestens 30 Minuten aktiv und ohne Ablenkungen ihren Kindern zuhören. Das Ziel ist nicht bloß Zeitmanagement, sondern echte, zwischenmenschliche Präsenz.
Diese Empfehlung ist kein Trend-Slogan, sondern ein Versuch, Eltern auf das Fundament jeder gesunden Entwicklung hinzuweisen: Beziehung, Erreichbarkeit, Resonanz. In der Forschung gilt aktives Zuhören als zentrale Säule für Bindung, Vertrauen und die emotionale Entwicklung von Kindern.

Warum Zuhören heute so selten und gleichzeitig so wertvoll ist

Eltern verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern als frühere Generationen, doch die Qualität dieser Zeit unterscheidet sich oft von der reinen Anwesenheit. Zwischen Essenszubereitung, Handy, Homeoffice und digitalen Unterbrechungen findet echte Kommunikation häufig nur noch nebenbei oder gar nicht mehr statt. Die Konsequenz davon ist, dass Kinder zwar viel „gemeinsame Zeit“ erleben, jedoch ohne echte Verbindung. Dabei sind echte Gespräche ein wichtiger Teil der emotionalen Nahrung, die Kinder brauchen, um Selbstbewusstsein, Frustrationstoleranz, soziale Kompetenz und Kritikfähigkeit zu bilden. Wenn Eltern zuhören, zeigen sie: Du bist wichtig. Deine Meinung zählt. Deine Gefühle sind hörenswert.
Studien zeigen, dass nicht nur die Dauer des Zuhörens entscheidend ist, sondern auch die Qualität. Eltern, die aufmerksam, akzeptierend und verständnisvoll zuhören, fördern Nähe und Autonomie zugleich.

Was bedeutet „wirklich zuhören“?

Zuhören heißt mehr, als stumm neben dem Kind zu sitzen. Es bedeutet:

  • Blickkontakt halten, weg vom Bildschirm
  • Körperliche Präsenz – z. B. in Augenhöhe, auf gleicher Sitzebene
  • Emotionen benennen: „Du wirkst traurig, weil …“ statt direkt zu korrigieren
  • Rückfragen stellen: „Was meinst du damit? Wie fühlst du dich dabei?“
  • Aktiv wiedergeben, was das Kind gesagt hat: „Also du sagst …?“

Ein solches Zuhören wirkt nicht nur unterstützend, sondern beziehungsstärkend.

Warum gerade 30 Minuten am Tag?

Die konkrete Empfehlung von etwa 30 Minuten täglich ist bewusst gewählt: Sie ist lang genug, um Raum für echte Gespräche zu schaffen, aber kurz genug, um realistisch im Familienalltag umsetzbar zu sein. Sie kann über mehrere Momente verteilt werden, wie zum Beispiel:

  • Nach dem Schul- oder Kita-Tag, wenn Kinder Erlebnisse verarbeiten
  • Beim gemeinsamen Essen ohne Handy
  • Vor dem Schlafengehen, wenn Alltagsthemen zur Ruhe kommen

Wichtig ist nicht die exakte Stoppuhr, sondern der Qualitätsrahmen: Zeiten, in denen Eltern wirklich zuhören, ohne dabei das nächste Meeting im Kopf zu haben oder nebenher Nachrichten zu tippen, schaffen Raum für echte Verbindungen.

Praktische Wege, um täglich 30 Minuten umzusetzen

1. Medienfreie Zonen einführen
Gemeinsame Zeit ohne Bildschirme, Laptop oder Handy schafft einen Raum für Gespräche und Aufmerksamkeit. Das kann am Esstisch, im Auto oder vor dem Schlafengehen sein.

2. Kleine Rituale etablieren
· Abendrunde: Was war heute schön / schwierig?
· Tagesende-Check-in: Drei Dinge nennen – zwei gute, eine herausfordernde
· Spaziergang-Dialoge: Beim Gehen fällt vielen Kindern das Reden leichter.

3. Zuhören trainieren
Eltern können sich Techniken aneignen:
· Wiederholtes Zusammenfassen („Also du meintest …“)
· Nachfragen, ohne zu unterbrechen
· Gefühle benennen („Ich höre, du bist enttäuscht …“) Solche Übungsformen schaffen echte Kommunikation, die über kurze Austausche hinausgeht.

Zeitliche Herausforderungen im Alltag überwinden

Moderne Familien stehen oft unter Zeitdruck, Pendelstress, Arbeitsanforderungen, digitalen Ablenkungen und schulischen Verpflichtungen. Doch echte Gespräche brauchen keine perfekten Rahmenbedingungen, sondern einfach Präsenz. Das kann auch in kleinen Zeitfenstern gelingen.
Wichtig ist, sich als Elternteil regelmäßig zu fragen: Wann habe ich selbst den Raum, meinem Kind mit voller Aufmerksamkeit zu begegnen? Das kann ein Gespräch am Morgen sein, bevor der Tag beginnt. Oder ein Austausch am Nachmittag, nach der Schule. Je mehr Eltern zuhören, desto mehr signalisieren sie: Deine Welt und deine Sicht zählt. Und genau das stärkt Kinder in ihrer Fähigkeit, später selbst Haltungen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und Beziehungen aufzubauen.

Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000287772/jugendexperte-eltern-sollten-ihren-kindern-30-minuten-am-tag-zuhoeren

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