Wenn niemand mit meinem Kind spielen will – wie Eltern begleiten, stärken und loslassen lernen

Manche Sätze bleiben einem im Gedächtnis. „Ich will nicht in den Kindergarten.“ „In der Pause war ich wieder alleine.“ „Die anderen wollen mich nicht dabei haben.“ Wenn Eltern solche Sätze von ihren Kindern hören, bekommen sie sofort ein ungutes Gefühl im Magen. Der erste Instinkt, das Problem lösen zu wollen und das Kind zu schützen, ist verständlich, doch manchmal ist es der falsche erste Schritt.

Soziale Ausgrenzung zählt zu den häufigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Belastungen für Kinder. Schülerinnen und Schüler erleben immer wieder Ausgrenzung, die von Auslachen über fehlenden Gruppenanschluss bis zu gezieltem Mobbing reichen kann. Das verletzt das Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit, das in der Psychologie als essenziell für die gesamte Entwicklung gilt. Eine Studie von Forschenden der Universität Greifswald und der Charité Berlin zeigt, dass die Folgen von mangelnder Zugehörigkeit und sozialer Ausgrenzung bei Jugendlichen tiefer gehen können als bisher angenommen. Sie kann nämlich die Reifung ihres Social Brains beeinträchtigen.
Das klingt alarmierend. Und dennoch: Ausgrenzung gehört, in unterschiedlichen Formen und Intensitäten, zu fast jeder Kindheit dazu. Was entscheidet, ob ein Kind daran leidet oder daran wächst, ist oft weniger die Situation selbst als das, was danach passiert.

Zuhören ist mehr, als man denkt

Viele Eltern versuchen zunächst, das Problem direkt zu lösen, indem sie beispielsweise die Erzieher*innen ansprechen oder das Kind bei Streitigkeiten zur Gruppe schicken, damit es sich entschuldigt. Laut der Verhaltenspsychologin Jennifer Keluskar, die auf Psychology Today schreibt, sollten Eltern ihrem Kind in solchen Momenten allerdings zunächst nur aktiv zuhören, seine Gefühle bestätigen und die Erfahrung normalisieren.
Schnelle Lösungsvorschläge könnten kontraproduktiv sein, da sie dem Kind suggerierten, dass die Situation ein dringendes Problem darstelle, das sofort behoben werden müsse. Das verstärke die Botschaft, dass Ausgrenzung etwas ist, das man fürchten müsse.

Bevor ein Kind bereit ist, über mögliche Strategien nachzudenken, braucht es zunächst Raum für seine Gefühle. Wut, Traurigkeit und gelegentlich auch Selbstkritik – all diese Emotionen verdienen es, gefühlt und verarbeitet zu werden. Das Zuhause sollte ein sicherer Hafen sein, in dem diese Gefühle ohne Angst vor Konsequenzen oder Bewertung erlebt werden können. Indem man seinem Kind erlaubt, laut zu sein und zu weinen, vermittelt man ihm die wichtigste Botschaft: Du wirst hier niemals abgelehnt.

Kein Einzelschicksal

Soziale Ausgrenzung kann auch mit Scham verbunden sein und dem Gefühl, dass mit einem selbst etwas nicht stimme. Daher ist es entscheidend, dass Eltern diese Erfahrung normalisieren, ohne sie jedoch zu verharmlosen. Am besten gelingt dies, indem man konkrete Beispiele aus dem eigenen Leben anführt, in denen man sich selbst schon allein oder ausgeschlossen gefühlt hat. Ein einfacher Satz wie „Das ist mir auch schon passiert“ kann viel bewirken und das Thema greifbarer machen. Kinder, die wissen, dass solche Momente zum Leben gehören, verlieren die Überzeugung, dass sie selbst das Problem seien. Sie lernen stattdessen, dass Konflikte und Ausgeschlossenheit zum Alltag gehören können und dass sie diese Herausforderungen meistern können.

Was Kinder selbst mitbringen

Sobald das Kind bereit ist, wieder nach vorne zu schauen, lohnt es sich, die eigenen Möglichkeiten zu erkunden. Indem man Fragen stellt wie: „Was hat dir in der Vergangenheit geholfen?“ und „Was würdest du gerne ändern?“, kann man das Kind dazu ermutigen, aktiv an seiner Zukunft mitzugestalten, anstatt sich als Opfer zu fühlen. Dazu gehört auch eine ehrliche Reflexion über das eigene Verhalten, jedoch nicht als Schuldzuweisung, sondern als gemeinsames Nachdenken. Manche Kinder neigen beispielsweise dazu, sich in Gruppen zu drängen, Spiele zu dominieren oder die Gefühle anderer zu übersehen. Diese Verhaltensweisen ruhig und ohne Vorwürfe anzusprechen ist kein Angriff auf das Kind, sondern eine konstruktive Möglichkeit, ihm zu helfen, seine sozialen Fähigkeiten zu entwickeln.
Zusätzlich kann es hilfreich sein, die Stärken deines Kindes zu erkennen. Was sind seine besonderen Talente und was schätzt es an sich selbst? Ein gemeinsam erstelltes Komplimenteprotokoll, gerne auch kindgerecht gestaltet, ist kein Selbstbetrug. Es dient als Gegengewicht zu den negativen Gedanken, die das Kind über sich selbst hat.
Darüber hinaus kann es hilfreich sein, Kontakte außerhalb der belasteten Gruppe zu ermöglichen, wie zum Beispiel durch Hobbys, Vereine oder Nachbarschaftskinder. Kinder mit einzigartigen Interessen oder Hobbys haben möglicherweise Schwierigkeiten, sich in ihre Altersgruppe einzufügen. Diese Interessen können jedoch in einem anderen Umfeld genau die fehlende Verbindung bieten.

Was Eltern tragen

Es wird selten ausgesprochen, dass die Ausgrenzung des eigenen Kindes auch für Eltern selbst schmerzhaft sein kann. Sie kann alte Erinnerungen aus der eigenen Kindheit wachrufen oder Ärger auf andere Kinder, die Schule oder die Welt schüren. Das ist menschlich und kein Zeichen von Schwäche. Es ist jedoch entscheidend, sich seiner eigenen Emotionen bewusst zu sein, um zu verhindern, dass sie auf das Kind übertragen werden. In herausfordernden Situationen brauchen Kinder eine beruhigende Erwachsenenpräsenz, jemanden, der nicht mitleidet, sondern signalisiert: Das ist schwierig, aber du wirst es schaffen.

Quellen: https://utheses.univie.ac.at/detail/5673#
https://www.eltern.de/familie-urlaub/-mein-kind-findet-keinen-anschluss—so-kannst-du-begleiten-und-staerken-13532988.html
https://www.psychologytoday.com/us/blog/alone-together/202305/talking-with-your-child-about-being-left-out
https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/download/589/456?inline=1

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
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Autorin: Daniela Schönwald

Sexueller Missbrauch: Wie Eltern ihre Kinder wirklich schützen können

Manche Themen sind so schwierig, dass man schon beim Gedanken daran ins Stocken gerät. Sexueller Missbrauch gehört für viele Eltern dazu. Oftmals bleibt das Thema unausgesprochen, aus Angst, das Kind zu verunsichern oder eigene alte Wunden aufzureißen. Gerade dieses Schweigen birgt jedoch eine große Gefahr.
Die regelmäßig veröffentlichten Zahlen sind erschütternd. Allein im Jahr 2024 wurden in Deutschland über siebzehntausend Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen polizeilich erfasst. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, da viele Taten nicht gemeldet werden. Kerstin Claus, die Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, betont zudem, dass sich das Grundrisiko durch die digitale Welt erheblich erhöht hat.
Wer sich mit diesen Zahlen auseinandersetzt, fragt sich schnell, welche Maßnahmen Eltern ergreifen können. Die positive Nachricht ist, dass Prävention nicht erst mit einem schwierigen Gespräch über Missbrauch beginnt. Sie beginnt viel früher und beiläufiger, im ganz normalen Familienalltag.

Gefühle benennen ist der erste Schritt

Tanja von Bodelschwingh, Leiterin der Nationalen Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt (N.I.N.A.) in Kiel, betont, dass Kinder ernst zu nehmen und sie zu ermutigen, auf ihre eigenen Gefühle zu hören, der beste Schutz vor sexualisierter Gewalt ist. Dies kann bereits im Kita-Alter beginnen, indem Eltern ihren Kindern helfen, Worte für ihre Emotionen zu finden. Wenn Kinder lernen, dass Gefühle wie Traurigkeit oder Wut normal und respektiert sind, entwickeln sie etwas sehr Wichtiges: eine Sprache für das, was sich gut und was sich komisch anfühlt. Nur wer diese Sprache besitzt, kann später auch darüber sprechen, wenn etwas nicht stimmt.

Die korrekte Bezeichnung der eigenen Anatomie ist essenziell. Penis ist Penis, Vulva ist Vulva – ohne Verniedlichungen oder Ausweichmanöver. Ann Kristin Hartz, Diplom Psychologin und Geschäftsführerin des Fachzentrums Sichtbar in Braunschweig, das sich gegen sexualisierte Gewalt einsetzt, betont die Wichtigkeit, dieses Thema offen anzusprechen. Wenn Kinder merken, dass Erwachsene bei solchen Wörtern verlegen reagieren, zögern sie möglicherweise später, über Vorfälle zu sprechen.

Nein heißt Nein, auch beim Kitzeln

Eng verbunden mit dem Thema Gefühle ist das Thema Grenzen. Hier geht es zunächst nicht um Missbrauch, sondern um das grundlegende Miteinander. Hartz erklärt es mit dem Beispiel Kitzeln: Manche Kinder lieben es, andere können es überhaupt nicht aushalten. Beides ist völlig in Ordnung, denn Grenzen sind sehr persönlich und jeder Mensch hat das Recht, dass diese respektiert werden.
Von Bodelschwingh betont, dass Kinder das Recht haben, Nein zu sagen, auch zu Erwachsenen. Dies gilt selbst in alltäglichen Situationen, wie beispielsweise beim Zähneputzen. Natürlich bedeutet dies nicht, dass jedes Nein eines Kindes zu jeder Zeit von den Eltern befolgt werden muss. Vielmehr ist das Aushandeln und gemeinsame Finden von Lösungen ein wichtiger Lernprozess für das Kind.

Die größte Gefahr ist nicht der Fremde im Park

Viele Eltern warnen ihre Kinder vor fremden Erwachsenen. Obwohl diese Warnungen gut gemeint sind, sind sie aus Sicht von Fachleuten wenig hilfreich. Von Bodelschwingh rät ausdrücklich davon ab, Kinder mit pauschalen Warnungen zu verunsichern, da dies zu erhöhter Angst und Schweigen führen kann. Im schlimmsten Fall kann ein Kind nach einem Übergriff sogar glauben, dass es selbst schuld sei, weil es nicht vorsichtig genug war.
Hinzu kommt, dass das Bild vom bösen Fremden schlicht nicht der Realität entspricht. Hartz betont, dass Täter in den allermeisten Fällen aus dem nahen Umfeld wie der Familie oder dem Freundeskreis stammen. Es ist daher entscheidend, Kinder generell für Grenzüberschreitungen zu sensibilisieren, unabhängig davon, ob der Täter fremd ist oder nicht. Kinder müssen wissen, dass sie auch über Dinge sprechen dürfen, die ihnen jemand verboten hat zu erzählen. Hartz unterscheidet hier zwischen guten und schlechten Geheimnissen, eine Unterscheidung, die Kinder kennen sollten.

Was vor Ferienlagern wirklich hilft

Eltern geben ihren Kindern oft eine Liste von Verhaltensregeln mit, wenn diese ins Feriencamp oder zum Training fahren. Hartz rät jedoch davon ab und empfiehlt stattdessen, sich die Schutzkonzepte der Veranstalter im Vorfeld anzusehen. Eine offene und transparente Kommunikation darüber ist ein positives Zeichen. Das Kind sollte das Gefühl haben, jederzeit erreichbar zu sein, und wissen, dass es sich jederzeit an einen wenden kann, wenn etwas nicht stimmt.

Mit zunehmendem Alter wird Sexualität zu einem wichtigeren Thema. Von Bodelschwingh betont die Bedeutung von Aufklärung über positive Sexualität, die Gewalt klar benennt. Jugendliche sollten wissen, dass sie jederzeit Nein sagen können, auch wenn sie vorher Ja gesagt haben. Wichtig ist auch, dass sie ihre Rechte kennen. So ist es beispielsweise gesetzlich verboten, dass Lehrkräfte oder Trainer eine Beziehung zu einer ihnen anvertrauten Person beginnen.

Wenn sich ein Kind anvertraut

Der wohl schwierigste Moment für Eltern ist, wenn ein Kind etwas erzählt, egal ob es vage oder konkret ist. Bodelschwingh betont, wie wichtig es ist, das Gesagte ernst zu nehmen und nicht zu ignorieren oder abzutun. Gleichzeitig rät sie davon ab, überstürzt zu handeln, auch wenn der Drang, sofort etwas zu unternehmen, groß ist. Stattdessen empfiehlt sie ein überlegtes Vorgehen.

Hier kommen spezialisierte Anlaufstellen ins Spiel. N.I.N.A. zum Beispiel, bietet eine Beratung an, die auch anonym genutzt werden kann, und unterstützt Eltern und Fachkräfte dabei, die Situation einzuordnen und die nächsten Schritte zu planen. Besonders wichtig ist vor allem immer, dass das Kind spürt, ernst genommen zu werden und mit dem Erlebten nicht allein zu sein.

Quellen: https://nina-info.de
https://beauftragte-missbrauch.de//
https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2024/pks2024_node.html

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit über 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
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Autorin: Daniela Schönwald

Bindung als Erziehungsgrundlage: Warum Nähe wichtiger ist als jede Methode

Als Elternteil erlebt man Momente, in denen man das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt. Das Kind verweigert, trotzt oder zieht sich zurück. Man versucht, die Situation zu klären, indem man erklärt, bittet oder droht, doch je mehr man sich anstrengt, desto mehr entgleitet einem die Kontrolle. In solchen Situationen fehlt oft nicht eine neue Erziehungsstrategie, sondern etwas viel Grundlegenderes.

Birgit Gattringer, Mentaltrainerin und Elternbegleiterin aus Österreich, bringt es in einem Bild auf den Punkt, das viele Eltern sofort verstehen. Sie vergleicht die Beziehung zwischen Eltern und Kind mit einer Brücke. Jedes Mal, wenn man zuhört, wenn man liebevoll eine Grenze setzt, wenn man das Kind wirklich sieht, legt man einen Stein in diese Brücke. Und jedes Mal, wenn man schimpft, droht oder nörgelt, nimmt man einen wieder heraus. Die Brücke muss stabil genug sein, damit das Kind sich führen lässt und damit es mitkommt. Nicht aus Angst, sondern weil es einem vertraut.

Was die Wissenschaft schon lange weiß

Das, was Gattringer beschreibt, hat in der Entwicklungspsychologie seit Jahrzehnten einen Namen. Der britische Psychiater John Bowlby hat bereits in den 1960er-Jahren die Grundlagen der Bindungstheorie gelegt. Bowlby zeigte, dass Bindung ein überlebenswichtiges menschliches Bedürfnis ist, ähnlich wie Essen und Schlaf, und dass eine sichere Bindung in der Kindheit zu einer gesunden emotionalen Entwicklung sowie zu stabilen Beziehungen im Erwachsenenalter führt.

Im Alltag zeigt sich dies ganz deutlich: Kinder brauchen emotionale Sicherheit, um ihre Umwelt zu erkunden und daraus zu lernen. Ein Kind, das sich sicher fühlt, kann seine Neugier entfalten, Fehler machen und auch mal ein Nein verkraften, ohne daran zu zerbrechen. Es weiß, dass die Bindung zu seiner Bezugsperson nicht davon abhängt, ob es gerade brav ist oder nicht. Bindung ist schließlich keine Belohnung für gutes Verhalten, sondern ist die Voraussetzung dafür, dass Erziehung überhaupt funktioniert.

Verhalten ist immer eine Botschaft

Gattringer sagt, der größte Wendepunkt für viele Eltern sei der Moment, in dem sie aufhören, das Verhalten ihres Kindes persönlich zu nehmen. Kein Kind wacht morgens auf und denkt sich, wie es Mama oder Papa heute das Leben schwer machen kann. Wenn Kinder schreien, trotzen oder sich verweigern, steckt dahinter kein böser Wille. Oft steckt dahinter ein Kind, dessen Nervensystem gerade überfordert ist.

Diese scheinbar kleine Perspektivverschiebung hat das Potenzial, alles zu verändern. Verhalten als Botschaft statt als Angriff zu verstehen führt zu ruhigeren und neugierigeren Reaktionen. Kinder spüren diese Veränderung sofort. Wenn sie sich gesehen fühlen, kooperieren sie viel eher, und zwar nicht aus Gehorsam, sondern weil die Verbindung stimmt.

Fehler gehören dazu

Viele Eltern machen sich Sorgen, ob sie ihren Kindern genug bieten. Sie fragen sich, ob ihr Stress, ihre Ungeduld oder ein schlechter Tag dem Kind dauerhaften Schaden zufügen können.
Die Bindungsforschung bietet eine beruhigende Erkenntnis: Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern verlässliche. Verlässlichkeit bedeutet, dass das Kind immer wieder erfährt: Wenn ich jemanden brauche, ist jemand für mich da. Wer nach einem Ausraster auf sein Kind zugeht, sich erklärt und die Nähe wiederherstellt, handelt genau richtig. Kinder lernen nicht nur aus positiven Momenten, sondern auch aus dem, was darauf folgt.

Was Bindung nicht bedeutet

Bindungsorientierte Erziehung wird oft missverstanden als eine Erziehungsform, bei der Kinder alles tun dürfen. Gattringer stellt jedoch klar, dass es darum geht, Kindern Halt, Verbindung und liebevolle Klarheit zu bieten. Grenzen sind unerlässlich, da sie Kindern Orientierung geben. Grenzen, die aus einer sicheren Verbindung heraus gesetzt werden, wirken sich jedoch anders auf Kinder aus als solche, die aus Erschöpfung oder Ärger resultieren. Erstere werden von Kindern als Führung empfunden, letztere als Bedrohung.

Die richtigen Worte im richtigen Moment

In ihrem Buch 50 Sätze, die es Eltern leichter machen, erschienen im Kösel-Verlag, beschreibt Gattringer konkrete Formulierungen, die Eltern in alltäglichen Konfliktsituationen helfen können, die Verbindung zum Kind zu halten. Der Ansatz dahinter ist so simpel wie wirkungsvoll: Nicht fehlende Liebe ist das Problem in vielen Familien. Oft fehlen im entscheidenden Moment einfach die richtigen Worte.

Ein Kind, das gerade explodiert, braucht in diesem Moment keine Erklärung und keine Konsequenz. Es braucht jemanden, der bleibt. Der nicht wegläuft, nicht zurückschreit, sondern einfach da ist. Das ist schwerer, als es klingt. Aber es ist der Moment, in dem Bindung entsteht oder gestärkt wird.

Quellen:
https://www.meinbezirk.at/tulln/c-lokales/bindung-ist-entscheidend-so-die-bruecke-zum-kind-staerken_a8651321
John Bowlby: Bindungstheorie, Grundlagen und Forschung (1969ff.)
https://studyflix.de/paedagogik-psychologie/bindungstheorie-7759

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
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