KI-Spielzeug im Kinderzimmer: Wenn sprechende Kuscheltiere Freundschaften anbieten

Welche Risiken intelligente Spielzeuge für Kinder bergen und worauf Eltern achten sollten

Ein Stofftier, das Geschichten erzählt. Eine Puppe, die zuhört. Ein Hase, der Trost spendet, Fragen beantwortet und scheinbar immer Zeit hat.
Was vor wenigen Jahren noch wie Science-Fiction wirkte, findet inzwischen den Weg in Kinderzimmer. KI-gestützte Spielzeuge gelten als Wachstumsmarkt. Hersteller werben mit Lernförderung, Sprachentwicklung und interaktiver Begleitung. Für viele Eltern klingt ein geduldiger Gesprächspartner, der nie gestresst ist und scheinbar individuell auf Kinder eingeht, erst mal hilfreich. Doch genau an diesem Punkt beginnen die Fragen.
Denn wenn Spielzeuge nicht mehr nur Spielzeuge sind, sondern wie soziale Wesen wirken, verändert sich möglicherweise auch die Art, wie Kinder Beziehungen erleben. Entwicklungspsychologen und Forschende warnen deshalb davor, die Auswirkungen vorschnell zu unterschätzen.

Warum KI-Spielzeug so faszinierend auf Kinder wirkt

Kinder lernen die Welt über Beziehungen kennen. Sie beobachten Mimik, reagieren auf Stimmen, testen soziale Regeln und entwickeln Schritt für Schritt ein Verständnis dafür, was andere Menschen fühlen oder denken.
Interaktive KI-Spielzeuge setzen genau dort an. Sie antworten scheinbar empathisch, merken sich Informationen und können Gespräche führen. Manche bestätigen Kinder, bieten Freundschaft an oder reagieren auf emotionale Aussagen.

In einer Untersuchung der University of Cambridge interagierten Drei- bis Fünfjährige mit dem KI-Stofftier „Gabbo“. Viele Kinder bauten schnell emotionale Nähe auf: Sie umarmten das Spielzeug, küssten es oder sagten, dass sie es lieben.
Diese Reaktionen überraschen kaum. Kinder gehen häufig intensive Bindungen zu Figuren oder Gegenständen ein. Neu ist jedoch, dass die Gegenstände scheinbar zurücksprechen. Und genau darin sehen Fachleute einen sensiblen Punkt.

Kinder müssen erst lernen, was Freundschaft bedeutet

Für Erwachsene ist klar: Ein KI-Hase empfindet nichts. Er antwortet auf Basis von Daten und Wahrscheinlichkeiten. Für kleine Kinder ist diese Trennung jedoch schwieriger.
Kinder zwischen drei und fünf Jahren entwickeln erst nach und nach ein Verständnis dafür, was andere Menschen denken, fühlen oder beabsichtigen. Wenn ein Spielzeug wirkt, als hätte es Gefühle oder Freundschaftsabsichten, kann diese Unterscheidung verschwimmen. Forschende warnen deshalb vor sogenannten parasozialen Beziehungen: Kinder erleben Nähe zu etwas, das menschlich erscheint, aber keine echte Beziehung eingehen kann. Das Risiko liegt dabei weniger darin, dass Kinder Kuscheltiere lieben. Das tun sie bereits seit Generationen.
Neu ist aber, dass ein KI-Spielzeug möglicherweise sagt:
„Du kannst mir alles erzählen.“
„Lass uns Freunde sein.“
Damit entsteht eine Beziehung, die Nähe simuliert, ohne echte Verantwortung oder Verständnis übernehmen zu können.

Kann ein KI-Spielzeug menschliche Beziehungen ersetzen?

Die kurze Antwort lautet: nein.
Entwicklungspsychologen betonen, dass Kinder soziale Fähigkeiten nur über reale Interaktionen erwerben. Dazu gehören auch Missverständnisse, unterschiedliche Meinungen, Frustration oder die Erfahrung, nicht immer bestätigt zu werden. Ein KI-System funktioniert anders. Es reagiert häufig zustimmend, ist dauerhaft verfügbar und wirkt geduldig.

Genau das kann attraktiv erscheinen. Vor allem im Vergleich zu Menschen, die vielleicht müde sind, Grenzen setzen oder widersprechen. Doch genau das gehört zur sozialen Entwicklung dazu. Kinder lernen auch durch Enttäuschungen, Konflikte und das Aushandeln von Beziehungen.

Wenn technische Begleiter dauerhaft einfacher erscheinen als menschliche Kontakte, könnte das langfristig beeinflussen, wie Kinder soziale Beziehungen wahrnehmen. Forschende betonen jedoch auch, dass hierzu bislang noch viele Langzeitdaten fehlen.

Zwischen Chance und Risiko: KI ist nicht automatisch problematisch

Die Debatte über KI-Spielzeug ist allerdings nicht nur negativ. Einige Fachleute sehen durchaus Potenziale, etwa bei Sprachförderung oder in bestimmten therapeutischen Kontexten. Interaktive Systeme könnten Kinder beim Üben unterstützen oder zusätzliche sprachliche Impulse geben. Auch in mehrsprachigen Familien werden mögliche Vorteile diskutiert. Entscheidend scheint weniger die Technologie selbst zu sein als die Frage, wie sie eingesetzt wird.
Problematisch wird KI-Spielzeug vor allem dann, wenn es zur dauerhaften Beschäftigung oder als Ersatz für zwischenmenschliche Interaktion dient. Denn ein sprechendes Kuscheltier wirkt womöglich harmloser als ein Bildschirm. Gerade dadurch könnte die Hemmschwelle sinken, Kinder länger damit allein zu lassen.

Ein weiterer Punkt: Datenschutz im Kinderzimmer

Neben Entwicklungsfragen beschäftigen Fachleute noch ein anderes Thema.
Viele KI-Spielzeuge arbeiten mit Mikrofonen, Cloud-Systemen und Datenspeicherung. Gespräche können verarbeitet oder gespeichert werden, um Antworten zu generieren.
Datenschutzexperten warnen deshalb vor Risiken beim Umgang mit sensiblen Informationen von Kindern. In einzelnen Fällen wurden bereits Sicherheitslücken bekannt, durch die Daten zugänglich wurden.
Für Eltern entsteht dadurch eine zusätzliche Verantwortung: Wer hört mit? Welche Daten werden gespeichert? Und wie transparent sind Anbieter über die Nutzung dieser Informationen?

Was Eltern beachten können

Kinder müssen nicht grundsätzlich von neuen Technologien ferngehalten werden. Entscheidend bleibt die Begleitung dabei.
Hilfreich kann sein:

  • KI-Spielzeug gemeinsam nutzen statt unbeaufsichtigt
  • Gespräche darüber führen, was ein Mensch ist und was eine Maschine
  • darauf achten, ob ein Spielzeug emotionale Abhängigkeit oder Geheimhaltung fördert
  • Nutzung zeitlich begrenzen und reale soziale Erfahrungen bewusst stärken

Diese Fragen werden künftig vermutlich wichtiger werden. Denn KI zieht längst nicht mehr nur in Smartphones ein, sondern zunehmend in Spielzeug, Lernangebote und den Familienalltag.

Kinder brauchen Beziehungen und keine perfekte Antworten

Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung weniger in der Technologie selbst als in einer alten Frage: Was brauchen Kinder, um gesund aufzuwachsen? Weder ständige Bestätigung noch jederzeit verfügbare Antworten. Sondern vielmehr Menschen, die zuhören und Grenzen setzen. Menschen, die widersprechen, trösten, Fehler machen und wieder in Beziehung gehen.

Ein sprechender Hase mag Geschichten erzählen. Aber Vertrauen, Empathie und Beziehung lernen Kinder immer noch zuerst bei Menschen.

Quellen: https://www.geo.de/wissen/wenn-der-sprechende-hase-troestet–welche-risiken-birgt-ki-spielzeug–37222530.html
https://www.zeit.de/news/2026-03/15/pluesch-mit-gefuehlen-ki-spielzeug-mit-risiken-fuer-kinder?
https://proton.me/de/blog/ai-toys-safety?

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
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Autorin: Daniela Schönwald

Fiese Freundschaften unter Kindern: Wann Eltern aufmerksam werden sollten

Wie Kinder lernen, gesunde Beziehungen zu erkennen, und warum Verbote selten helfen

Fiese Freundschaften unter Kindern: Wann Eltern aufmerksam werden sollten
Wie Kinder lernen, gesunde Beziehungen zu erkennen, und warum Verbote selten helfen
Freundschaften gehören zu den wichtigsten Erfahrungen der Kindheit. Kinder lernen durch andere Kinder, Konflikte auszuhalten, Kompromisse zu schließen, Nähe zu erleben und Grenzen zu setzen. Freundschaften fördern Empathie, soziale Kompetenzen und oft auch das Selbstvertrauen.

Doch nicht jede Freundschaft tut gut.

Manche Kinder verändern sich plötzlich. Sie wirken nach Treffen mit bestimmten Spielkameradinnen oder Spielkameraden verunsichert, gereizt oder ziehen sich zurück. Andere beginnen, Dinge zu tun, die nicht zu ihnen passen. Was von außen zunächst wie gewöhnlicher Streit unter Kindern aussieht, kann in Einzelfällen Ausdruck einer Beziehung sein, die ein Kind dauerhaft belastet.
Die Vorstellung, dass ungesunde oder manipulative Beziehungen erst im Jugend- oder Erwachsenenalter entstehen, greift zu kurz. Auch Kinder können bereits Freundschaften erleben, die von Druck, Kontrolle oder emotionaler Unsicherheit geprägt sind.

Nicht jeder Streit ist ein Warnsignal

Kinder streiten und schließen andere aus, versöhnen sich wieder, sind eifersüchtig oder konkurrieren miteinander. Solche Erfahrungen gehören zur sozialen Entwicklung dazu.
Der entscheidende Unterschied besteht darin, ob Konflikte gelegentlich auftreten oder sich ein Muster entwickelt. Fühlt sich ein Kind ständig unterlegen, befürchtet den Verlust der Freundschaft oder passt sich immer mehr an, um akzeptiert zu werden, sollte man aufmerksam werden.

Psycholog*innen weisen darauf hin, dass belastende Freundschaften häufig nicht sofort erkennbar sind. Anders als beim offensichtlichen Mobbing entsteht die Belastung oft innerhalb einer Beziehung, die gleichzeitig Nähe und Unsicherheit vermittelt. Das macht sie für Kinder schwer einzuordnen. Ein Kind kann etwa das Gefühl entwickeln, ständig gefallen zu müssen. Es beteiligt sich möglicherweise an riskanten Situationen oder unterdrückt eigene Bedürfnisse, um die Freundschaft nicht zu gefährden.

Wenn Freundschaft mehr Druck als Sicherheit bedeutet

Gesunde Freundschaften vermitteln Kindern ein Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit. Belastende Beziehungen hingegen erzeugen häufig Unsicherheit und Verwirrung. Kinder erleben ein ständiges Auf und Ab: Mal werden sie einbezogen, mal ignoriert. Nähe und Ablehnung wechseln sich ab, und die Freundschaft wird an Bedingungen geknüpft. Diese Dynamik kann für Kinder verwirrend sein, da sie gleichzeitig Anerkennung und Zurückweisung erleben. Auch in späteren ungesunden Beziehungen beobachten Fachleute dieses Muster: Die Hoffnung, dass „alles wieder gut wird“, hält die Verbindung trotz der negativen Erfahrungen aufrecht.
Kinder verfügen meistens noch nicht über die Sprache oder Erfahrung, solche Muster klar zu benennen. Stattdessen zeigen sich Veränderungen indirekt.
Eltern sollten aufmerksam werden, wenn Kinder über längere Zeit deutlich anders wirken als sonst. Mögliche Hinweise können sein:

  • Das Kind wirkt nach Treffen häufig traurig, verunsichert oder gereizt.
  • Es zieht sich zurück oder vernachlässigt andere Freundschaften.
  • Es übernimmt plötzlich Verhaltensweisen, die untypisch erscheinen.
  • Es ordnet sich auffällig unter oder scheint ständig Angst vor Ablehnung zu
    haben.

Ein einzelnes Anzeichen bedeutet noch nicht automatisch eine problematische Freundschaft. Entscheidend ist, ob Veränderungen über längere Zeit bestehen bleiben.

Warum Verbote selten die beste Lösung sind

Wenn Eltern das Gefühl haben, eine Freundschaft schade ihrem Kind, entsteht schnell der Impuls einzugreifen. Ein Verbot scheint zunächst logisch: Kontakt vermeiden, Problem gelöst. In der Praxis funktioniert das jedoch oft nicht.
Kinder und Jugendliche erleben Verbote nicht selten als Unverständnis. Die Freundschaft kann dadurch sogar an Bedeutung gewinnen. Fachleute raten daher zu Gesprächen, in denen Eltern ihre Beobachtungen mit ihren Kindern teilen, ohne dabei zu urteilen.
Ein Unterschied besteht darin, ob Eltern sagen:
„Diese*r Freund*in ist schlecht für dich.“
Oder:
„Mir fällt auf, dass du nach den Treffen oft traurig wirkst. Wie geht es dir damit?“
Der zweite Ansatz eröffnet Raum. Das Kind muss sich nicht verteidigen, sondern kann seine eigenen Gefühle erkunden.

Kinder stärken heißt, auch Beziehungsmuster zu vermitteln

Prävention beginnt oft deutlich früher als in konkreten Problemsituationen. Kinder entwickeln ihr Verständnis von Beziehungen nicht nur im Kontakt mit Gleichaltrigen, sondern auch durch ihre Erfahrungen zu Hause.
Die Bindungsforschung zeigt seit Langem, dass sichere Beziehungen zu Bezugspersonen Einfluss darauf haben können, wie Kinder später Freundschaften gestalten und welche Grenzen sie setzen. Wer erlebt, dass eigene Bedürfnisse zählen, Gefühle ernst genommen werden und Respekt selbstverständlich ist, erkennt ungesunde Dynamiken häufig früher. Das bedeutet nicht, dass Kinder mit stabilen Beziehungen nie belastende Freundschaften erleben. Aber sie verfügen oft über mehr innere Orientierung.

Kinder brauchen keine perfekten Freundschaften, sondern Orientierung

Freundschaften verlaufen selten konfliktfrei. Kinder müssen nicht vor jeder Enttäuschung geschützt werden. Auch schwierige Erfahrungen können wichtige Lernprozesse anstoßen.
Entscheidend ist, ob Kinder dabei Begleitung haben. Eltern müssen Probleme nicht immer sofort lösen. Oft reicht es zunächst zuzuhören, Gefühle ernst zu nehmen und Fragen zu stellen. Daraus entsteht etwas, das Kinder langfristig stärkt: das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. Denn starke Kinder sind nicht diejenigen, die nie in schwierige Beziehungen geraten. Es sind diejenigen, die erkennen, wenn ihnen etwas nicht guttut, und die wissen, dass sie darüber sprechen dürfen.

Quelle: https://www.beobachter.ch/familie-freunde/kinder/so-schutzen-sie-ihr-kind-vor-fiesen-spielkameraden-925484

Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
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Autorin: Daniela Schönwald

„Ich bin nicht gut genug“: Wie alte Glaubenssätze aus der Kindheit Eltern und Kinder bis heute prägen

Warum sich manche Sätze ein Leben lang festsetzen und wie Eltern belastende Muster durchbrechen können

„Stell dich nicht so an.“ „Reiß dich zusammen.“ „Andere können das doch auch.“
Viele Erwachsene erinnern sich kaum noch bewusst an solche Sätze, denn oft bleiben von den Kindheitserfahrungen nicht die genauen Worte zurück, sondern vielmehr das Gefühl von damals: Die Überzeugung, nicht zu genügen, immer stark sein zu müssen, keine Fehler machen zu dürfen oder niemandem zur Last fallen zu wollen. Solche inneren Überzeugungen werden in der Psychologie häufig als Glaubenssätze bezeichnet. Sie entstehen nicht zwangsläufig durch einzelne Ereignisse, sondern oft über Jahre hinweg durch wiederkehrende Erfahrungen, Reaktionen oder Erwartungen im familiären Umfeld. Diese Prägungen beeinflussen, wie Menschen sich selbst sehen, Beziehungen gestalten oder mit Konflikten umgehen.
Viele Eltern erleben genau das in dem Moment besonders deutlich, wenn sie selbst Kinder bekommen. Situationen aus dem Familienalltag lösen plötzlich starke Gefühle aus: Ungeduld, Wut, Überforderung oder das Bedürfnis, alles perfekt machen zu wollen. Hinter solchen Reaktionen können manchmal alte Erfahrungen stehen, die nie bewusst hinterfragt wurden.

Die unsichtbaren Botschaften aus der Kindheit

Kinder entwickeln ihr Selbstbild nicht nur aus dem, was ihnen direkt gesagt wird, sondern auch dadurch, wie in der Familie mit Fehlern umgegangen wird, welchen Raum Gefühle bekommen und ob Anerkennung an Bedingungen geknüpft ist.
Wer als Kind immer wieder erlebt hat, dass Leistung wichtiger ist als Bedürfnisse, kann früh die Überzeugung entwickeln, nur wertvoll zu sein, wenn es funktioniert.
Wer gelernt hat, Konflikte zu vermeiden, kann später Schwierigkeiten haben, eigene Grenzen zu setzen. Und wer das Gefühl hatte, mit Sorgen allein zu sein, entwickelt vielleicht eine starke Unabhängigkeit – nicht aus innerer Stärke, sondern als Schutzstrategie. Solche Muster sind meistens keine bewussten Entscheidungen. Sie entstehen oft aus Anpassung, da sich Kinder an ihrer Umgebung orientieren, um Bindung und Sicherheit zu erhalten.

Warum Elternschaft alte Wunden sichtbar machen kann

Viele Erwachsene machen die Erfahrung, dass sie erst durch ihre eigenen Kinder beginnen, die eigene Kindheit anders zu betrachten. Plötzlich tauchen Fragen auf wie: Warum fällt es mir so schwer, die Wut meines Kindes auszuhalten? Warum macht mich Scheitern so nervös? Warum habe ich das Gefühl, immer alles richtig machen zu müssen?
Psycholog*innen weisen darauf hin, dass Elternschaft häufig eigene Prägungen sichtbar macht. Wer nie gelernt hat, Gefühle offen zu zeigen, empfindet starke Emotionen beim Kind möglicherweise als belastend. Wer selbst unter hohen Erwartungen stand, setzt diese unbewusst fort, obwohl eigentlich der Wunsch besteht, es anders zu machen.
Das bedeutet nicht, dass Eltern ihre Kinder automatisch mit denselben Mustern belasten. Aber es zeigt, wie wichtig Selbstreflexion sein kann.

Drei belastende Glaubenssätze wirken besonders häufig nach
Nicht jede Kindheit hinterlässt tiefe Verletzungen. Dennoch tauchen bestimmte innere Überzeugungen bei vielen Menschen immer wieder auf:

  • „Ich bin nicht wichtig.“
  • „Ich darf keine Fehler machen.“
  • „Ich muss alles allein schaffen.“

Diese Sätze wirken oft bis ins Erwachsenenalter hinein. Sie beeinflussen Selbstwert, Beziehungen und den Umgang mit Stress. Gleichzeitig können sie dazu führen, dass Menschen sich überfordern oder Schwierigkeiten haben, Hilfe anzunehmen.

Die gute Nachricht: Prägung ist nicht Schicksal

Vielleicht ist einer der wichtigsten Punkte in der aktuellen psychologischen Forschung und Beratung: Frühe Erfahrungen prägen, aber sie bestimmen nicht unumkehrbar den weiteren Lebensweg. Belastende Glaubenssätze lassen sich erkennen, hinterfragen und verändern. Der erste Schritt besteht oft darin wahrzunehmen, welche innere Stimme in belastenden Situationen spricht.
Ist das wirklich meine Überzeugung? Oder etwas, das ich sehr früh gelernt habe?
Allein diese Unterscheidung kann entlastend wirken.
Psychologin Stefanie Stahl beschreibt negative Glaubenssätze als Ausdruck früher Prägungen und nicht als objektive Wahrheit über den eigenen Wert. Genau darin liegt eine Chance – denn was erlernt wurde, kann auch reflektiert werden.

Kinder zu stärken heißt nicht, alles perfekt zu machen

Für Eltern kann diese Erkenntnis befreiend sein. Denn Kinder brauchen keine fehlerfreien Erwachsenen, sondern Bezugspersonen, die zuhören und sich entschuldigen können. Erwachsene, die Gefühle ernst nehmen und zeigen, dass Fehler erlaubt sind und Konflikte nicht das Ende von Beziehung bedeuten.
Kinder entwickeln Stärke nicht durch Perfektion im Elternhaus, sondern durch Sicherheit, Verlässlichkeit und die Erfahrung: Ich bin wichtig, auch wenn ich scheitere. Meine Gefühle haben Platz. Ich werde gesehen. Genau dort beginnt Prävention.
Denn Kinder, die ein stabiles Gefühl für ihren eigenen Wert entwickeln, tragen oft weniger von den belastenden inneren Sätzen weiter, die Generationen zuvor geprägt haben.
Und manchmal entsteht Veränderung nicht durch große Entscheidungen, sondern durch einen kleinen Moment im Alltag, in dem ein Kind etwas erlebt, das anders ist als früher:
Mehr Zuhören. Weniger Druck. Mehr Verbindung.
Vielleicht beginnt genau dort ein neuer Satz, der bleibt.

Quellen: https://www.eltern.de/familie-urlaub/psychologie–wie-glaubenssaetze-aus-der-kindheit-unsere-elternrolle-beeinflussen-13845454.html
Stefanie „Wer wir sind“, dorsch.hogrefe.com

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