Warum das Teilen von Kinderfotos im Netz mehr als eine Frage der Privatsphäre ist
Ein Kindergeburtstag, der erste Schultag, ein Ausflug ins Freibad: Für viele Eltern gehört es heute selbstverständlich dazu, solche Momente mit Familie und Freunden per WhatsApp-Status, in der Familiengruppe oder direkt auf Instagram zu teilen. Die Bilder wirken harmlos und die Absicht dahinter ist es fast immer. Und doch steckt in dieser scheinbar unbedeutenden Gewohnheit ein Problem, das weit über Fragen des guten Geschmacks hinausgeht.
Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes warnt in einem aktuellen Beitrag deutlich: Alle geteilten Inhalte können in falsche Hände geraten – und Eltern, die regelmäßig Kinderbilder veröffentlichen, müssen sich bewusst sein, dass gerade leicht bekleidete oder nackte Kinder das Interesse von Sexualtätern wecken können, die eigentlich harmlose Fotos in einen sexualisierten Kontext stellen. Das klingt drastisch. Es soll auch drastisch klingen.
Was vielen nicht klar ist: Wer ein Foto in einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe teilt, hat die Kontrolle darüber bereits verloren. Auch aus dem privaten Status können Schnappschüsse weiterverbreitet werden, denn das Internet vergisst nichts – jeder geteilte Post hinterlässt einen digitalen Fußabdruck, und das gilt auch für Nachrichten in Messengerdiensten. Sobald ein Bild das eigene Gerät verlassen hat, entscheiden andere darüber, was damit geschieht.
Für dieses Phänomen hat sich inzwischen ein eigenes Wort etabliert: Sharenting – eine Wortneuschöpfung aus dem Englischen, zusammengesetzt aus „share“ (teilen) und „parenting“ (erziehen). Sharenting bezeichnet das Teilen von Bildern und Videos der eigenen Kinder in sozialen Netzwerken, wobei oft die Privatsphäre des Kindes missachtet wird und die Bilder von Dritten heruntergeladen, gespeichert und für ihre Zwecke missbraucht werden können. Das Problem betrifft nicht nur Eltern mit großer Reichweite. Es betrifft jeden, der ein Smartphone besitzt.
Häufig werden Fotos der Kinder aus Stolz, aus Freude, aus dem Wunsch heraus, schöne Momente sichtbar zu machen, mit anderen geteilt. Dass dabei rechtliche und ethische Grenzen überschritten werden, kommt den wenigsten in den Sinn.
Denn auch kleine Kinder haben Persönlichkeitsrechte und das ist keine abstrakte juristische Formel, sondern eine Frage von Respekt und Würde. Kinder können nicht einwilligen. Sie können nicht abwägen, was es bedeutet, wenn ein Foto von ihnen in Umlauf gerät. Sie können nicht voraussehen, was in zehn oder zwanzig Jahren im Internet noch auffindbar sein wird. Diese Verantwortung liegt vollständig bei den Erwachsenen.
Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt folgende Grundsätze im Umgang mit Kinderfotos im Netz: Kinder aktiv einbeziehen und nach ihrer Meinung fragen; keine personenbezogenen Daten preisgeben; Sicherheitseinstellungen in sozialen Netzwerken regelmäßig überprüfen; keine Fotos in peinlichen oder unangemessenen Situationen posten; überlegen, ob das Gesicht des Kindes für die Bildaussage wirklich notwendig ist; und die eigene Vorbildfunktion wahrnehmen.
Letzterer Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit. Kinder lernen durch Beobachtung. Wer ihnen beibringen will, verantwortungsvoll mit dem Internet umzugehen, muss selbst zeigen, was das bedeutet. Wer das eigene Kind täglich in Sozialen Medien präsentiert, sendet eine unmissverständliche Botschaft darüber, was normal ist und was nicht.
Eltern können nur verhindern, dass Bilder ihres Kindes unangemessen oder in einem strafrechtlich relevanten Zusammenhang verwendet werden, indem sie diese Bilder gar nicht erst posten. Das ist die direkteste, klarste Aussage in der ganzen Debatte. Kein Datenschutz-Tool, keine Privatsphäre-Einstellung und kein Wasserzeichen bietet so viel Sicherheit wie der Verzicht selbst.
Das heißt nicht, dass Familienerinnerungen nicht festgehalten werden dürfen. Es heißt, dass die Öffentlichkeit kein angemessener Ort für sie ist. Ein Fotoalbum zu Hause schützt – Instagram und WhatsApp schützen nicht.
Quellen: https://www.polizei-beratung.de/aktuelles/detailansicht/tipps-fuer-den-umgang-mit-kinderfotos-in-sozialen-netzwerken/
https://www.klicksafe.de/news/kinder-sind-kein-content-2
Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
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Autorin: Daniela Schönwald
