Sinnvolle Geschenkemengen und was hinter der Geschenkeflut steckt
Die Vorweihnachtszeit ist für viele Familien eine schöne, aber auch stressige Zeit. Wunschzettel werden lang, Ideen entstehen beim Stöbern im Netz und irgendwann türmt sich unter dem Weihnachtsbaum eine beeindruckende Anzahl an Paketen. Aber wie viele Geschenke machen Kinder wirklich glücklich? Und wie kann Weihnachten gefeiert werden, ohne dass die reine Menge an Geschenken im Mittelpunkt steht?
Laut Statistiken finden Kinder in Deutschland durchschnittlich drei bis fünf Geschenke unter dem Weihnachtsbaum – inklusive Beiträge von Eltern, Großeltern und anderen Verwandten. Die dafür aufgewendeten Beträge liegen im Bereich von etwa 131 bis 148 Euro pro Kind.
Doch die tatsächliche Zufriedenheit der Kinder hängt nicht von der Anzahl der Geschenke ab. Viel wichtiger sind durchdachte, liebevolle Präsente und gemeinsame Erlebnisse, die Kindern das Gefühl geben: Ich werde gesehen, wertgeschätzt und verstanden.
Die Geschenkeflut hinterfragen: Qualität vor Quantität
Weihnachtsgeschenke sind ein Ausdruck von Zuneigung, sie sind aber ebenso Teil eines kulturellen Konsums. Dabei geht es nicht nur um materielle Dinge: Sie stehen symbolisch für Liebe, Gemeinschaft und Aufmerksamkeit.
Doch zu viele Geschenke haben eine Kehrseite. Studien zeigen, dass große Mengen von Spielsachen oft nicht langfristig genutzt werden. Ein erheblicher Teil bleibt sogar ungeöffnet oder wird kaum beachtet.
Zudem kann ein Überfluss an Geschenken dazu führen, dass Kinder den Wert einzelner Geschenke nicht wahrnehmen. Psycholog*innen warnen davor, dass zu viele Geschenke zu stärkeren Erwartungen und späterem Bedürfnisdenken beitragen können – ein Effekt, der sich auch später im Leben bemerkbar machen kann, z. B. im Konsumverhalten.
Das bedeutet nicht, dass Weihnachten ohne Geschenke stattfinden muss. Es bedeutet vielmehr, achtsam zu überlegen: Was möchten wir wirklich schenken und warum?
Altersgerechte Orientierung: Wie viele Geschenke machen Sinn?
Es gibt keine starre Regel, die für alle Familien gilt. Doch Expert*innen empfehlen, sich an der Entwicklungsphase des Kindes zu orientieren. Eine häufig genutzte, praxisnahe Faustregel – auch in internationalen Ratgebern – sieht so aus:
• Babys und Kleinkinder (0–2 Jahre): 1–2 sinnvolle Geschenke, z. B. sensorische Spielsachen oder Bücher
• Kleinkinder (3–4 Jahre): 3–4 altersgerechte, vielfältige Geschenke
• Kinder im Grundschulalter (5–10 Jahre): 4–6 gut ausgewählte Präsente
• Ältere Kinder & Jugendliche: 2–4 Geschenke, oft mit Fokus auf gemeinsame Erlebnisse oder nützliche Dinge
Diese Orientierung hilft dabei, den Fokus weg von bloßer Masse und hin zu Qualität, Bedeutung und echtem Nutzen zu lenken.
Bewusste Geschenke gestalten – Ideen jenseits von Überfluss
🎁 Wertvoll statt viel
Es lohnt sich, Geschenke so auszuwählen, dass sie Interessen, Fähigkeiten und Neugier der Kinder ansprechen und nicht nur kurzfristige Freude erzeugen. Beispiele:
• Eine spannende Buchreihe statt vieler kleiner Gimmicks
• Kreativsets, die länger beschäftigten und Fähigkeiten fördern
• Gemeinsame Gutscheine für Erlebnisse (z. B. Zoo, Theater, Ausflug)
• Spielsachen, die soziales Spielen unterstützen oder Bewegung fördern
Solche Geschenke vermitteln mehr als kurzfristige Freude: Sie schaffen Erinnerungen, Entwicklung und Verbundenheit.
🎄 Die „5-Geschenke-Regel“
Ein einfaches, bewährtes Modell ist die sogenannte 5-Geschenke-Regel:
1. Etwas, das sich das Kind wünscht (Want)
2. Etwas, das es braucht (Need)
3. Etwas zum Tragen (Wear)
4. Etwas zum Lesen (Read)
5. Etwas zum Erleben (Do)
Diese Struktur hilft Eltern, bewusst und abwechslungsreich auszuwählen und ein Gleichgewicht zwischen materiellen und emotionalen Aspekten zu schaffen.
Warum weniger manchmal mehr ist
Die Psychologie hinter dem Schenken zeigt: Kinder sind glücklich mit wenigen, durchdachten Geschenken. Sie freuen sich länger über Dinge, die sie interessieren, und nicht nur über eine große Anzahl von Paketen.
Und auch für Eltern kann diese Fokussierung entlastend sein: Statt sich im Kaufrausch zu verlieren, wird Weihnachten zu einer Zeit der Intention, der Nähe und der Bewusstheit.
Gespräche statt Erwartungsdruck
Ein weiterer Aspekt, den viele Eltern kaum berücksichtigen, ist der Erwartungsdruck. Wenn Kinder zu viele Wünsche äußern oder ständig Listen verlängert werden, steigt die Erwartung, dass Weihnachten vor allem ein Konsumerlebnis sein muss.
Eltern können dem aktiv begegnen, indem sie im Vorfeld mit ihren Kindern darüber sprechen:
· Wie viele Geschenke sind fair?
· Was ist uns als Familie wirklich wichtig?
· Welche Erfahrungen möchten wir an Weihnachten teilen?
Solche Gespräche schaffen Klarheit und helfen, dass Kinder den Fokus weniger auf Masse und mehr auf Bedeutung, Gemeinschaft und Achtsamkeit richten.
Nachhaltigkeitsaspekte und Konsumkritik
In Zeiten wachsender Konsumgesellschaft wird auch die ökologische Perspektive wichtiger. Zu viele Geschenke bedeuten nicht nur Überforderung für Kinder, sondern auch Ressourcenverbrauch, Platzprobleme und langfristige Belastung für Familien.
Ein bewusster Umgang mit Geschenken hin zu weniger, dafür nachhaltigen, wiederverwendbaren oder sogar selbstgemachten Präsenten kann ein wertvoller Teil der Erziehung in Richtung Verantwortungsgefühl und Achtsamkeit sein.
Weihnachten sollte vor allem eines sein: ein Fest der Nähe, der Freude und der Erfahrung, gemeinsam wertvolle Zeit zu verbringen. Kinder erinnern sich nicht an die Berge von Päckchen, sondern sie erinnern sich an die Stimmung, das Zusammensein und die Liebe, die an diesem Tag spürbar wird.
Die Sicher-Stark-Initiative zählt bundesweit zu den wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um den Schutz und die Stärkung von Kindern geht. Seit fast 30 Jahren engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus Pädagog:innen, Psycholog:innen, IT-Expert:innen und ehemaligen Polizeibeamt:innen für die Sicherheit von Kindern. In ganz Deutschland bietet die Initiative praxisnahe Schulungen, Elterntrainings und Webinare an – mit dem Ziel, Kinder frühzeitig zu stärken und ihnen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in analogen wie digitalen Lebenswelten zu ermöglichen.
Mehr Infomationen: https://www.sicher-stark-team.de/
Quellen: https://www.bz-berlin.de/ratgeber/weihnachtsgeschenke-kinder-menge
https://www.thesun.co.uk/news/32290036/parents-kids-toys-christmas/?
https://www.netmums.com/child/when-kids-have-more-they-value-them-less-the-exact-amount-of-presents-kids-should-get-at-christmas-by-age?
https://www.littleotterhealth.com/blog/how-many-gifts-for-kids?
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Autorin: Daniela Schönwald
